Samstag, 26. November 2016

Das einfache Leben

Oft frage ich mich, warum es für die Menschen eigentlich so schwer geworden ist, den Kontakt zur Natur und damit zur Umwelt aufrecht zu erhalten und sich als Teil der Natur zu verstehen, anstatt zu glauben, man stünde über ihr und sie sei nichts als ein reiner Rohstofflieferant. Klar, es gibt laufend irgendwelche Weltklimagipfel, danach dann weitere Gipfletreffen auf denen man überlegt, wie man die Ziele des anderen Gipfels umsetzt. Es werden irgendwelche Zielvorgaben vereinbart, an die sich letztlich keiner hält, weil die nationalen Interessen schwerer wiegen und man nicht wirklich die Notwendigkeit einsieht.

Ich kann das zumindest nachvollziehen, denn so wie die Mehrheit der Weltbevölkerung in den Industriestaaten lebt, kann der Einzelne gar keinen Bezug mehr zur Natur haben, geschweige denn nachvollziehen, dass er selbst ein Teil davon ist. Daran ändert auch ein gut gepflegter Stadtpark nichts, denn der hat mit ursprünglicher Natur ja nun wirklich nix zu tun. Schmelzende Gletscher, Tornados, Hochwasser, Dürrekatastrophen u.ä. kennt man letztlich nur aus dem Fernsehen. MAn gruselt sich ein wenig, spendet ein paar Euro für´s bessere Gewissen und wendet sich dann wieder den vermeintlichen persönlichen Bedürfnissen zu.

Üblicherweise lebt man in einer Umgebung, die mehr und mehr von Technik behrrscht wird. Vor allem muss und kann man sich um die elementaren Dinge gar nicht mehr selbst kümmern. Das mag man als angenehm empfinden, aber man verliert auch den Bezug zu den Dingen, die ein Leben überhaupt erst möglich machen.

Wasser ... kommt aus dem Wasserhahn und diverse Reportagen streiten, ob das Leitungswasser nun gut ist oder schlecht. Das Ergebnis ist meist abhängig davon, wer die Reportage gerade finanziert.
Abwasser ... fließt durch den Abfluss, irgendwohin, egal was damit passiert, ist ja nicht mein Problem.
Strom ... kommt natürlich aus der Steckdose und ist immer verfügbar. Fällt er mal für längere Zeit aus, verklagt man den Energieversorger auf Schadenersatz. Wie der Strom zustande kommt, ist egal. Wenn in die Nähe ein Windrad oder ein Strommasten soll, dann protestiert man eben, aber die Versorgungssicherheit muss auf jeden Fall gewährleistet sein, soll das Windrad doch woanders stehen ...
Wärme ... kommt aus dem Heizkörper und wenn die Heizung mal nicht funktioniert oder die Temperatur im Wohnzimmer mal auf unter 20 Grad sinkt, wird der böse Vermieter verklagt und Minderung geltend gemacht. Woher die Wärme kommt, ist letztlich auch egal, Hauptsache sie ist immer da und man lebt in meist überheizten Wohnungen, die einem regelmäßig eine Erkältung bescheren, weil der Unterschied zwischen drinnen und draußen einfach zu krass ist.
Lebensmittel ... kommen aus dem Supermarkt, fein säuberlich verpackt. Wie das alles zustande kommt interessiert nicht. Wichtig ist der Preis und billig, billig, billig ... Das wäre noch ein Thema für gleich mehrere Blogbeiträge.

Dies sind nur wenige Bereiche, die ich bewusst herausgegriffen habe, weil es Bereiche sind, in denen ich mein Leben völlig anders organisiert habe und weil es Bereiche sind, die direkt mit der Natur zu tun haben. Ich beschloss damals, vor über 20 Jahren, dass ich ein Leben anstrebe, in dem ich selbst die Verantwortung für meine elementaren Lebensresourcen übernehme und mich eben selbst darum kümmere. Meine Lebensart habe ich direkt in die Natur eingebunden und Wege gesucht, dennoch nicht wie im Mittelalter zu leben.
Wasser ... ist hier im Süden ein ganz großes Thema, zumal der Tourismus und vor allem die Golfplätze wesentlich zur Verknappung beigetragen haben und der Grundwasserspiegel dramatisch gesunken ist und weiter sinkt. Es braucht also ein gut durchdachtes Wassermanagement. Wir haben eine völlig eigenständige Wasserversorgung bestehend aus einem Brunnen, einer Zisterne und Flusswasser (das im Sommer nicht zur Verfügung steht). Insgesamt gesehen müssen wir mit dem Wasser extrem sorgsam umgehen, insbesondere im Sommer, damit die Versorgung der Tiere nicht gefährdet wird. Wir müssen wirklich über jeden Liter nachdenken, anstatt ihn zu verschwenden.
Abwasser ... hierzu habe ich damals eine Bio-und Recycling Kläranlage gebaut, die das Abwasser wieder aufbereitet, sodass es zwar nicht als Trinkwasser verwendet werden sollte, jedoch für alle anderen Dinge taugt, bei denen Wasser zum Einsatz kommt, z.B. Putzen, Toilette, Pflanzen bewässern etc. So eine Anlage bedingt natürlich, dass man sich genau überlegt, was man ins Abwasser gibt, also welche Waschmittel man benutzt, welche Seife, welches Spülmittel usw., bis hin zum Rohreiniger, wenn mal was verstopft ist. Glücklicherweise gibt es für alles biologisch 100%ig abbaubare Lösungen und nur die setzen wir ein, um das Gleichgewicht zu wahren und das Wasser wiederverwenden zu können.
Strom ... kommt bei uns auch aus der Steckdose, allerdings doch sehr unregelmäßig, sodass ich ein relativ komplexes System zur unabhängigen Stromversorgung aufgebaut habe, das einspringen kann, wenn der Versorger mal wieder Probleme hat.
Wärme ... ja, man mag es kaum glauben, aber auch im Süden ist der Winter kalt. Sicherlich ist unser Kältempfinden angepasst, aber wir frieren eben schon auch, wenn es im Haus nur 12 Grad sind und es - wie hier üblich - keine Heizung gibt. Bleibt also nur der Kamin im Wohnzimmer und der braucht Holz. Dieses Holz wiederum muss in unserem Tal erst einmal gesammelt und gestutzt werden, bevor man es verheizen kann. Wir verwenden nur Holz von abgestorbenen, alten Bäumen, deren es reichlich in unserem großen "Tal der Raben" gibt. Dann bekommen wir im Wohnzimmer auch schon mal 17 Grad hin, während das übrige Haus bei 13 Grad liegt.
Lebensmittel ... nicht wenige davon ernten wir auf unserem eigenen Land, insbesondere diverses Obst, Oliven, Mandeln, Feigen, Granatäpfel usw. Man entwickelt einen anderen Bezug zu den Dingen, die man selbst anpflanzt und deren Ressource (also Bäume und Büsche) man regelmäßig pflegt. Dass wir keinerlei Chemie einsetzen, ist selbstredend. Früher, als wir das kräftemäßig noch stemmen konnten, hielten wir auch Ziegen, Schafe und Hühner, allerdings absolut frei und nicht zum Schlachten. Das Tal ist ja große genug. Es war toll, eigene Ziegenmilch, eigene Wolle und eigene Eier zu bekommen, aus einem lockeren Zusammenleben von Mensch und Tier. Logisch, dass die Tiere bestes Futter bekamen, keinerlei Chemie und am Ende eines natürlichen Todes starben. Brot haben wir im uralten Steinofen selbst gebacken. Da unsere Nachbarn allesamt Bauern sind, lässt sich auch Vieles im Tauschhandel organisieren und man ist in manchen Bereichen unabhängig vom Supermarkt.

Meine Erfahrung ist, dass genau dieses einfache Leben hilft, den Bezug zur Natur und ihren Ressourcen nicht zu verlieren. Man betrachtet die Tier- und Pflanzenwelt mit anderen Augen, weiß, wann Fruchtjahre sind, wann man Bäume beschneiden sollte und wann nicht. Man beobachtet Bienen und das nicht als reinen Honiglieferanten, sondern man weiß, wie wichtig sie sind, damit es überhaupt Früchte gibt. Aktuell haben wir sehr wenige Bienen, weil ihnen das Gift (meist Glyphosat) auf den Feldern der Agrarkonzerne massiv zusetzt. Leider haben wir hier deren einige und das wirkt sich auf die Populationen aus, was dazu geführt hat, das wir in diesem Jahr recht wenige Früchte hatten.

Ja, dieses einfache Leben ist weniger komfortabel, manchmal hart und kräfteraubend, aber man bekommt auch ein Gefühl dafür, dass man mit der Natur lebt und leben sollte, denn sie ist es, die einem alles schenkt, was man zum Leben braucht, egal ob in der Stadt oder auf dem Land. Das gilt für alle Menschen und je mehr sich gerade die Menschen in den sog. hochzivilisierten Gesellschaften dessen bewusst werden, umso weniger Diskussionen über Umwelt, Natur und Klimawandel sind nötig. Letztlich wird kein Elektroauto und kein Windrad die Umwelt retten, keine sinnlose Mülltrennung und erst recht keine EU-Verordung, die zu umgehen ja ohnehin kein Problem zu sein scheint. Was gebraucht wird, ist ein Umdenken in den Köpfen der Menschen und damit ein bewusster Umgang mit den Möglichkeiten, die uns die Natur schenkt. Man muss nicht so leben, wie wir hier, um das nachzuvollziehen, man muss es nur einfach wollen und seine Alltagsgewohnheiten etwas modifizieren, um etwas zu bewegen. Die Politik kann und will letztlich nichts bewegen, denn da geht es um Machterhalt, Geld und egoistische Interessen. Wirklich etwas verändern können nur wir Bürger, wenn wir bereit sind unsere Komfortzone eine wenig zu verlassen, bei der Schnäppchenjagd erst nachzudenken, bevor wir sinnlosen Kram kaufen, dessen Preis eine Ursache hat, und uns von einem "Black Friday" Hype nicht anstecken zu lassen. Wie wenig man zu einem normalen Leben braucht, habe ich in den letzten 20 Jahren selbst erfahren und mir ging es dabei nie schlecht, auch habe ich nie etwas vermisst und ich glaube auch nicht, etwas verpasst zu haben, weil ich dem Konsumrausch ausgewichen bin. Im Gegenteil denke ich, dass einen das einfache Leben glücklicher macht, weil man statt "ex und hopp" das zu schätzen weiß, was man hat und es dann auch intensiver genießt.

Auf den Bildern seht ihr unseren kleinen Traktor, und zugeschnittenens Feuerholz aus dem Tal




























Montag, 14. November 2016

Befremdlich ...

Nein, nicht das, was Ihr auf dem Foto seht, denn das ist ein echter Grund zur Freude und zum Jubeln!!!
Für alle diejenigen, die womöglich denken, ich hätte da ein Foto vom Weltraumteleskop Hubble gepostet .... nein, es ist kein Foto aus dem All, aber aus dem Universum ist es schon, nur eben aus einem kleinen Universum, nämlich dem Universum, das neues Leben hervorbringt.

Kurzum ... mein Enkelchen Shantala bekommt ein Geschwisterchen, dem wir mal den vorläufigen Namen Pedro gegeben haben. Klar wissen wir noch nicht, was es wird, aber ein Junge wäre schon cool, finde ich ... im Gegensatz zu meiner Tochter Sarah, die lieber ein Mädchen hätte, weil sie schließlich noch alle Sachen für Mädchen hat. Für einen Pedro müsste sie alles neu kaufen und das ist, zugegebenermaßen, etwas schade. Dennoch, ein Bub wäre schon klasse, weil ich halt auch viele Sachen für Jungs habe, z.B. eine riesige Carrera Bahn, die ich seit meiner Kindheit rumschleppe und immer wieder erweitert hatte. Das Tolle ist, dass Carrera zwar modernisiert hat, aber die uralten Sachen noch immer funktionieren und kompatibel sind. Mangels Zeit staubt sie allerdings ein und ich erinnere mich gar nicht mehr dran, wann ich zuletzt gespielt habe. Anderes Spielzeug für echte Jungs habe ich auch noch, aber ich sollte nicht schreiben, was es ist, sonst meint Ihr womöglich noch, ich sei ein Macho ...

Befremdlich fand ich das Ansinnen des Arztes nach der ersten Untersuchung. Das Herzchen des neuen Lebens hat gerade angefangen selbständig zu schlagen und damit ist auch klar, dass hier ein eigenständiges Leben heranwächst. Nun riet der Arzt - ohne besonderen Grund oder irgendwelche Anhaltspunkte - zu einem Gentest, um zu prüfen, ob das neue Leben vielleicht nicht ganz so perfekt ist, wie man es sich wünschen würde. U.a. sollte ein Down Syndrom ausgeschlossen werden, denn falls irgendwas nicht stimmen würde, könne man jetzt ja noch "eingreifen" ... will sagen, man kann es noch entsorgen ...
Ich habe mich in meinem Buch "Retro 2032 - Sie vergaßen das Gestern", sehr intensiv mit der Gentechnik beschäftigt und weiß daher, was heute schon möglich ist. In einem Roman kann man derartige Dinge aufgreifen, ggf. anprangern und Positionen beziehen, anhand einer fiktiven Geschichte. Wenn diese Geschichte dann aber nicht mehr fiktiv ist, sondern real, wird´s echt erschreckend. Logischerweise hat Sarah jegliche Gentests abgelehnt und klar gesagt, dass sie das Kind auf jeden Fall bekommen würde, egal ob ein "Defekt" vorläge oder nicht. Meine Tochter und ich denken da absolut gleich. Es geht hier um ein lebendiges Wesen und nicht um einen Gebrauchtwagen.

Befremdlich fand ich auch, dass es hier absolut üblich ist, diese Tests zu machen und danach eben zu entscheiden ob Mülleimer oder nicht. Portugal ist ein extrem katholisches Land und bisher dachte ich immer, dass diese Religion vor allem das Leben schützt ... Es scheint zwar so in den Lehrbüchern zu stehen, aber im Alltag wird es wohl anders gehandhabt, trotz voller Kirchen. Irgendwie finde ich es erschreckend, dass es wieder einmal einen Trend gibt, zwischen wertem und unwertem Leben zu differenzieren. Ok, heute macht man das etwas subtiler, als vor 75 Jahren, aber dadurch wird es ja nicht besser. Ich staune immer wieder, wie wenig die Menschheit - trotz gegenteiliger Beteuerungen - aus der Vergangenheit lernt. Eugenik ist weiter verbreitet, als man vermutet und es hat eine regelrechte Zucht begonnen, indem man bereits ungünstige Gene vermeidet und neues Leben, das evtl. solche Gene in sich trägt, gleich mal entsorgt. Irgendwie denkt man immer, das gäbe es nur in den USA und in Südkorea, aber doch nicht in der mega Wertegemeinschaft Europa, wo wir doch alle vor lauter Werten nur so triefen und mahnend, als Oberlehrer der Welt, den Finger erheben, wenn es woanders so aussieht, als habe man andere Werte. Ok, um Werte geht es in Wirklichkeit nur sehr selten, dafür aber um Macht und wirtschaftliche Interessen, wie man am Verhalten der EU gegenüber der Türkei sehen kann.

Ich finde es ein Unding, einer jungen, werdenden Mutter gleich mal mit der potentiellen Entsorgung unwerten Lebens zu kommen, obwohl es nicht mal den kleinsten Anhaltspunkt gibt. Selbst wenn es Anhaltspunkte gäbe, fände ich es fragwürdig. Sarah freut sich auf ihr Baby und diese Freude sollte nicht durch künstlich geschürte Ängste getrübt werden ... ihr Frauenarzt ist übrigens Deutscher ... lebt aber schon ewig hier .... Eigentlich ist es ein netter Kerl, hat auch Shantala gut auf die Welt gebracht, aber dennoch hat er sich angepasst und ich sitze kopfschüttelnd da und frage mich, in welcher Welt ich eigentlich lebe.

Überall wird gegen Ausgrenzung, gepredigt, Inclusion ist zum Trend geworden (berechtigterweise!!!), Barrierefreiheit wird angestrebt, aber gleichzeitig sortiert man schon kräftig aus und sieht zu, dass nur die "guten Gene" sich durchsetzen. Irgendwie erinnert mich das an jemanden, den wir alle sehr gut kennen und von dem alle behaupten ... es dürfe nie wieder passieren ... aber es passiert und zwar hier und jetzt, in unserem Alltag. Ich kann sagen, dass Tests und Aussortieren zumindest in Portugal echt trendy sind ... erschreckend, oder???

Montag, 7. November 2016

Auf den Körper hören

Sicherlich habt Ihr Euch schon gewundert, dass ich so lange nichts mehr gepostet habe, aber es hat mich daniedergestreckt. Irgendwie waren die letzten Wochen doch etwas zu viel für mich und so hat der Körper dann mal ein Stop gesetzt.

Es ist zweifellos keine leichte Aufgabe, immer auf das zu hören, was einem der Körper signalisiert. Wenn man Verantwortung trägt, ist man immer geneigt, seine Grenzen weiter zu definieren, als man es tun sollte. Den Alltag etwas bedächtiger anzugehen, liegt mir überhaupt nicht, zumal ich morgens eh schon nicht weiß, wie ich all die 1001 Tagesaufgaben bewältigen soll. So hab ich wohl schon seit Langem einfach nicht wahrnehmen wollen, was mein Körper mir sagte, obwohl er sich durchaus deutlich gemeldet hat. Nun bin ich ja niemand, der dauernd irgendwelche Pillen schluckt, damit´s ihm besser geht, zumal 90% aller Medikamente für mich eh nicht passend sind und ich sie nicht nehmen darf.

Ich finde es nicht wirklich einfach, Stress abzubauen, aber ich habe gemerkt, dass Stress im Kopf beginnt. Oft ist es auch eine Frage des Fokus. Man glaubt, alles gleichzeitig machen zu müssen, weiß nicht, wo man Abstriche machen kann/darf/sollte. Das ist dann meist der Anfang vom Ende. Ich lerne gerade, dass der Fokus auf das Wesentliche, die beste Methode ist, Stress abzubauen und dennoch den Anforderungen gerecht zu werden. Ich denke sogar, dass der Mut zur Lücke die Qualität dessen was man tut verbessern kann. Nach meiner Erfahrung treiben einen noch nicht einmal die Erwartungen Anderer, denen man gerecht werden will, sondern vor allem die Erwartungen an sich selbst und die sind immer höher, als die der Mitmenschen. Ich denke, wir neigen dazu, uns selbst zu überfordern, uns selbst zu viel abzuverlangen und am Ende liegen wir dann auf der Nase.

Der Körper ist ein sehr guter Gradmesser und zeigt uns die Grenzen deutlicher auf, als es der Verstand jemals könnte. Letztlich bestehen wir Menschen ja nicht nur aus Einzelaspekten, sondern sind auf das harmonische Zusammespiel von Körper, Geist und Seele angewiesen, um überhaupt ein erfülltes Leben führen zu können. Wenn wir den Fehler machen, einen der drei Aspekte herauszugreifen und die beiden anderen zu vernachlässigen, dann kann´s kritisch werden.

So ist unser Kopf voller Dogmen und Konditionierungen. Der ewige Satz "Du musst" treibt uns durch den Alltag, losgelöst von unseren wirklichen Bedürfnissen. Den Körper wiederum kann man als etwas sehen, dass man mit Sport oder gesunder Ernährung fit hält ... oder auch einfach vernachlässigt, weil es lästig ist, sich einer gewissen Disziplin zu unterwerfen. Ok, zugegeben, sich gesund zu ernähren, ist in der heutigen Zeit ein echter Akt geworden, denn selbst Biolebensmittel sind ja häufig nicht wirklich gesund, ganz zu schweigen von veganen Ersatzstoffen, die dann ein Steak simulieren, indem sie aus 100% Chemie bestehen. Ja, ich bin auch Veganer, aber nicht von der verbissenen Sorte, keiner von denen, die Dogmen folgen und sich über eine ziemlich verworrene Ideologie mit unsinnigem, ja bisweilen militantem Auftreten zu profilieren versuchen. Kurzum hab ich mit verbissenen, ideologisierten Menschen nichts am Hut. Für mich ist einfach klar, dass ich keinen Beitrag dazu leisten will, das Tierelend und die Verachtung der Kreatur als fühlendes Wesen zu unterstützen. Es wäre ja auch wenig sinnvoll, sich für den Respekt vor der Natur und den Tieren einzusetzen und gleichzeitig Massentierhaltung, unwürdige Tiertransporte und skandalöse Schlachtmethoden zu unterstützen, indem man das eigene Verhalten aus mangelnder Disziplin und Bequemlichkeit nicht anpasst. Da ich tagtäglich mit geschundenen Kreaturen - bis hin zu Schweinen - arbeite, ist das vegane Leben für mich eine Frage der Logik und nicht der Ideologie. Dabei ist mir sehr wohl bewusst, dass der Mensch nicht als Veganer konstruiert ist, aber der Mensch hat es geschafft, sich das Fleisch als Nahrungsmittel selbst zu entziehen, indem er den Tieren die Würde genommen hat und sie als seelenlosen "Rohstoff" behandelt, den man wie Müll behandeln kann.

Meinem Körper tut das vegane Leben gut, denn ich vermeide - so gut es geht - jegliche Chemie und eben auch die ganzen Antibiotika im Fleisch und im Fisch, die der Mensch ja munter in den Speisen zu sich nimmt und sich dann über Resistenzen wundert. Meine Blutwerte sind auch nach Jahrzehnten immer noch top, wie ich letztens wieder gesehen habe - zugegebenermaßen war ich freudig erstaunt, dass meine Ernährungsweise so gut funktioniert.

Was die Seele angeht, so ist das für viele Menschen irgendwas, von dem man zwar weiß, dass es vorhanden ist, aber es fehlt der Kontakt, das Erkennen, wie die Seele zu unserem Leben gehört und was sie uns sagen kann. Eine leidende Seele aber drückt sich ebenfalls über den Körper aus und somit haben wir mit unserem Körper den Gradmesser unseres ganzheitlichen Wohlbefindens schlechthin. Er ist der Faktor, der alles zusammenhält, er ist auch der Faktor, der sich irgendwann wieder auflöst, während Seele und Geist in andere Welten entschweben.

Nun, ich wusste das alles schon immer, doch ich hatte es ein wenig in den Hintergrund gedrängt, hab mich übernommen und jetzt ... muss ich zusehen, dass ich wieder zu einem harmonischen Ganzen finde.

Auf dem Bild seht ihr unsere Alpha-Hündin Rosa, die mich buchstäblich auf Schritt und Tritt begleitet. Wenn sie besonders anhänglich ist, dann weiß ich, dass mit mir etwas nicht stimmt. Sie spürt bei Hund und Mensch gleichermaßen, wenn sie krank sind. Dies ist eine Fähigkeit, die eigentlich alle Hunde haben, sofern man ihnen ihre natürlichen Instinkte nicht abgewöhnt ....

Montag, 24. Oktober 2016

Heile Welt vs. Realität???

Dieses Thema fiel mir schon vor längerer Zeit auf die Füße, als die 2. Auflage meines Buches "Retro 2032 - Sie vergaßen das Gestern" auf den Markt kam. Ich bekam nicht wenige Zuschriften, die mein Buch zwar toll fanden und auch spannend, aber "viel zu realistisch und zu zeitnah". Vor allem jüngere Menschen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren meinten, sie wollten sich mit diesen hochaktuellen Themen lieber nicht beschäftigen, da sie ihnen Angst machen und man ja sowieso nix ändern könne, da die Politik eh macht, was sie will.

Zuerst war ich geschockt, musste unwillkürlich den Kopf schütteln und verstand diese Haltung nicht. Das änderte sich jedoch beim 2. Hinsehen.
Als ich das Buch 2012 schrieb, waren viele Ereignisse zwar vorhersehbar, aber noch nicht eingetreten. Die Leute lasen das Buch also als eine prickelnde Fiction, knapp an SiFi vorbei. Die 2. Auflage erschien dann 2015 und siehe da, es war kein SiFi mehr, sondern in Teilen bereits Realität, was ich so bald auch nicht erwartet hatte. Genau diese Realität, in der wir ja mittlerweile leben müssen, führt offenbar dazu, dass sich nicht wenige Menschen eher zurückziehen, die Augen verschließen und sich ihre eigene, kleine heile Welt basteln, in der sie leben wollen.

Ja, mir ist schon klar, dass es auch ganz viele Menschen aller Altersklassen gibt, die anders denken und das macht auch Mut. Außerdem sehe ich auch nicht unbedingt einen Widerspruch darin, sich seine eigene, kleine heile Welt zu bauen, in der man nach seinen ganz persönlichen ethischen Regeln lebt, ohne dabei den Blick auf die Realität zu verschließen bzw. sich ganz von ihr abzuwenden. Ich habe für mich Wege gefunden, beides miteinander zu verbinden, doch es war ein Lernprozess. In dem was wir/ich hier tun, können wir ja den Blick vor der Realität gar nicht verschließen, denn wir werden mit Grausamkeiten konfrontiert, die teilweise unvorstellbar sind. Das hat auch zur Folge, dass wir häufiger, als uns lieb ist, mit dem Tod umgehen müssen, eine Erscheinungsform der Realität, der letztlich niemand entkommen kann.

Mein Ziel war es schon immer "ein Zeichen zu setzen", um es mal modern auszudrücken. Dieses Zeichen galt vor allem unseren Schützlingen, denen ich eine heile Welt anbieten möchte, in der sie sich von den Traumata der Realität erholen und friedlich leben können. Natürlich gilt dieses sprichwörtliche Zeichen auch den Menschen, die das Leid verursachen und damit meine ich nicht nur Tierquäler, Sadisten oder unachtsame Autofahrer, die angefahrene Tiere einfach liegenlassen. Gemeint sind auch Menschen, die aus dem Leid Anderer (egal ob Mensch oder Tier) ihren persönlichen Profit ziehen und dabei in Kauf nehmen, dass sie das Leid vergrößern, statt es zu lindern.

Mit einem Wort: ich bin tagtäglich mit dem Spannungsfeld aus "Heiler Welt vs. Realität" befasst. Wir/ich haben uns hier eine heile Welt geschaffen, eine Welt mit ganz eigenen Regeln, vor allem mit einer Struktur im Zusammenleben von Mensch und Tier, die von sog. Fachleuten als unmöglich angesehen wurde. Ich habe stets an genau das geglaubt und es letztlich auch umsetzen können. Auf dem Bauernhof, also unserer Quinta, mit dem weitläufigen wilden "Tal der Raben", entstand eine kleine heile Welt, in der ein friedliches Miteinander möglich ist, in der die Natur den Respekt erfährt, den sie verdient und in der wir beiden Menschen selbst zu einem Teil der Natur geworden sind.

Was wird aus Menschen, die so leben???
Nun, ich bin nicht der vollbärtige, ungewaschene und wortkarge Einsiedler, der abends am Kamin seine Pfeife raucht und selbstgebrannten Fusel trinkt, während er tiefsinnig in die Flammen starrt. Meine Frau Karin ist auch nicht die schmuddelige Einsiedlerin im langen Kleid, dem selbstgestrickten Pulli und den schlampig zusammengebundenen Haaren, die ihren Hippiejahren in den 70ern nachtrauert.
Im Gegenteil sind wir weltoffene Menschen, die sich keineswegs angewidert wegdrehen, wenn die Politik mal wieder völlig daneben ist und Dinge tut, die der normal denkende Mensch kaum nachvollziehen kann. Wir sind gut informiert und engagiert, wir haben klare Standpunkte, beschäftigen uns mit den aktuellen Themen, belassen es aber nicht beim Meckern am Stammtisch, sondern versuchen, etwas zu verändern, wenn auch im Kleinen, denn zwei relativ alte Menschen können sicher nicht die Welt aus den Angeln heben.

Unsere Arbeit ist kräfteraubend, körperlich sicherlich auch, aber vor allem die Psyche leidet doch sehr, angesichts des Leids, mit dem wir konfrontiert werden. Sieht man dann Leid im Fernsehen, so trifft es einem umso tiefer, denn man kennt das, was Helfer in der 3. Welt berichten, die sich um hungernde, kranke Menschen/Kinder kümmern. Menschliche Armut und Leid erleben wir auch hier  am laufenden Band, nur leider interessiert es niemanden und es wird kaum darüber berichtet. Selbst die Berichte über die Armut in Griechenland sind ja von Brexit, Türkei, IS & Co verdrängt worden. Wir kennen erst recht die Gefühle der Menschen, die z.B. in Afrika gegen das Abschlachten von Nashörnern und Elefanten kämpfen und immer wieder mit verstümmelten und geschundenen Kadavern konfrontiert werden. Aktuell wird wieder gegen das Abschlachten von Walen gekämpft, doch ausgerechnet das politisch korrekte und umweltbewusste Norwegen stellt sich mit aller Kraft gegen dieses sinnlose und grausame Töten.
All das und noch Vieles mehr prägt die Realität um uns herum, die wir nicht ignorieren sollten, denn wir können sie nur verändern, wenn wir informiert sind, die Fakten kennen und nicht einfach irgendwelchen Sprücheklopfern hinterher rennen. Letztlich liegt es doch an uns, die Welt so zu gestalten, wie wir in ihr leben wollen. Wir müssen eben nur informiert sein, um wirklich den eigenen Standpunkt definieren zu können. Bisweilen kommt es mir so vor, als seien Medien und Internet kontraproduktiv zur Informationsvielfalt, denn Versimplifizierungen, populistische Reduzierungen komplexer Zusammenhänge nehmen zu, obwohl es ein Leichtes geworden ist, sich umfassend zu informieren. Damit wären wir wieder bei dem, was ich zu Beginn dieses Posts geschildert habe.

Genau deswegen ist es so wichtig, dass jeder sich seine eigene kleine heile Welt schafft, die ihm Kraft gibt, die ihm eine Rückzugsmöglichkeit schenkt und die er ganz nach seinen Vorstellungen gestalten kann. Hier können wir uns selbst am besten definieren, herausfinden, was wir wirklich für unsere Welt wollen. Erst dann können wir den Kopf wenden und der Realität ins Auge sehen, um sie umzugestalten. Meine heile Welt besteht aus 2 Elementen:
1. meine Familie, bestehend aus den klassischen Komponenten Frau, Kind, Hund, Enkelchen und Schwiegersohn
2. mein Zuhause bestehend aus reichlich Natur, einem wild lebenden Hundeclan mit 4 Rudeln, nebst anderen Tieren, die aus Notsituationen zu uns gekommen sind und vielen Gumminasen, die tagtäglich unserer Unterstützung und Pflege bedürfen, weil sie alt und krank sind.

Naja und das Schreiben ist eben meine zweite Berufung, ebenso wie die meiner Frau Karin. Wir wollen das, was wir erleben, denken und fühlen, mit der Welt teilen und auch über das Wort dazu beitragen, dass sich die Dinge ändern. Mag sein, dass an einem fernen Tag die heile Welt und die Realität keine Gegensätze mehr sind. Daran zu glauben, sollte man nie aufgeben.

P.S. Die Fotos zeigen einen Teil unseres Hundeclans am Abend, wenn es aus dem Tal zur Fütterung geht, die übrigens auch bei 90 Tieren stets friedlich abläuft.




















Sonntag, 16. Oktober 2016

Träumen sollte man folgen

Nein, ich meine jetzt nicht die Träume, die einen nachts begleiten, wobei das sicherlich ein interessantes Thema ist, wie ich aus eigener Erfahrung berichten kann. Mir geht es in diesem Beitrag um die Träume, die man für sein Leben, seine Zukunft und seine Leidenschaften entwickelt. Modern nennt man sowas wohl "Lebensentwurf", was mir allerdings schon wieder zu verkopft gilt, denn man kann sein Leben nicht am Reißbrett entwerfen, sofern man lebendig bleiben will.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man seinen Lebenstraum immer im Focus behalten sollte, egal was einem die Mitmenschen, Eltern oder Freunde auch dazu sagen. In einer Angstgesellschaft, in der wir zweifellos leben, werden Träume gerne als Gefahr angesehen, weil sie unrealistisch erscheinen und womöglich Gefahren bergen. Man könnte ja scheitern, der soziale Abstieg droht, das finanzielle Desaster ... usw. Deswegen ziehen es viele Menschen vor, die Träume der Jugend und des frühen Erwachsenenalters aufzugeben und sich lieber der "Vernunft" und dem "Soliden" hinzugeben. Logisch dass dann, in den späteren Jahren, Frust und Unzufriedenheit folgen, die bisweilen auch in wirklich unvernünftigen Reaktionen ihren Niederschlag finden. Fruist und Unzufriedenheit prägen daher auch unsere Gesellschaft, die Gesellschaft des Neids, des sich gegenseitig Niedermachens und der Abwerstens Anderer.

Mein Weg war das nicht. Ich hatte schon als Kind und Jugendlicher den Traum, in der Natur zu leben, war von der Pflanzen- und Tierwelt fasziniert und hasste Großstädte. Die Bücher von Jack London - "Ruf der Wildnis" oder "Wolfsblut" haben mich fasziniert. Ich habe die Bilder immer in meinem Kopf und meinem Herzen bewahrt und sie gepflegt, auch wenn mein Leben zuerst einmal einen ganz anderen Weg einschlug. Ich war Realist genug, um zu wissen, dass man nicht einfach nach Canada auswandern kann, eine Blockhütte bauen und dann Bären und Wölfe jagen. Derartiges scheitert bei mir schon daran, dass ich niemals ein Tier töten könnte. Naja und von einem veganen Biohof in der canadischen Wildnis hat man eher selten gehört. Es ist auch nicht entscheidend, ob man nun ganz genau dem nacheifert, was man mal gelesen oder im Film gesehen hat. Für mich war immer das Gefühl wichtig, das sich tief in mir an die Bilder knüpfte, denn letztlich sollte das Gefühl, die Leidenschaft und die Liebe zu etwas regieren und nicht Bilder aus Hollywood, die einem etwas sugerieren. Genau dieses Gefühl habe ich mein Leben lang im Herzen bewahrt, ohne zu wissen, wie es mich zu einer realen Umsetzung führen würde. Es war auch nicht wichtig, denn als fühlendes Wesen, sollte man sich weder von vorgefertigten Bildern Anderer leiten lassen, noch von den Meinungen der Mitmenschen. Bilder oder Szenarien aus Filmen sind letztlich doch der Ausdruck dessen, was ein anderer Mensch fühlt. Es mag sein, dass sich das in Teilen, ggf. auch in weiten Teilen, mit meinen eigenen Gefühlen deckt, letztlich aber kann es nie eine 100%ige Deckungsgleichheit geben. Wir sind allesamt Individuen, was leider gerne vergessen wird. Der Mensch ist kein "Massenphänomen" und kann/sollte auch nicht gleichgeschaltet werden, auch wenn es der aktuelle, politische und soziale Trend ist. Gefühle sind nur rudimentär in Worte zu fassen, vor allem aber sind sie absolut individuell und einzigartig bei jedem Menschen anders. Wenn 100 Naturliebhaber ein tolles Naturfoto gezeigt bekommen, verknüpfen sie dennoch 100 verschiedene Gefühle damit, abhängig von Erziehung, Erfahrungshorizont, Vorlieben und Wahrnehmungsfocus. Klar, am Ende werden sie alle sagen: "super, soooo schön, da möchte ich jetzt auch sein", aber das beschreibt nur ansatzweise ihre wahren Gefühle, die sich nun mal nicht in Worte fassen lassen.

Als der Tag kam, an dem sich mein Leben radikal verändern sollte und ich meinen Traum ausleben durfte, leiteten mich keine Bilder aus Jack Londons Romanen, sondern Gefühle. Ok, ich stand in der Wildnis mit meinem Geländemotorrad, irgendwo im Hinterland der Algarve, während eines Urlaubs. Dann aber sah ich etwas, in einem locker bewaldeten Tal und meine Gefühle brachen durch, verbanden sich mit dem realen Bild vor meinen Augen und ich wusste, dass ich angekommen war. Ich sah mein heutiges Zuhause, diesen uralten Bauernhof, sah ein wildromatisches Tal, zirkelte mein Motorrad über einen schmalen Bergpfad zu dem, in meinen Augen wunderschönen Haus und hatte das Ziel meines Traumes erreicht. Ich spürte, dass dies nicht nur mein Zuhause werden würde, sondern auch das Ziel all meiner Träume war: altes, historisches Gemäuer, eingebettet in eine ziemlich unberührte und wilde Natur.

Man sollte seine Träume bewahren, wie einen Schatz und sie solange mit sich herumtragen, bis das Schicksal eine Tür aufstößt und einem den Weg weist, sie zu erfüllen. Träume zu leben bedeutet für mich, zu fühlen wo der eigene Platz auf dieser Welt ist. Ich bin davon überzeugt, dass wirklich jeder seinen individuellen Platz finden kann, solange er tief im Herzen den Schatz seiner Träume schützt und ihn niemals vergisst. Letztlich machte es für mich keinen Unterschied ob Blockhütte in Canada oder historischer Bauernhof an der Algarve, denn mein Herz sagte mir, wo ich richtig war und genau da lebe ich bis heute.

Es war dann die logische Konsequenz, dass sich reichlich Tiere in mein Leben gesellten, die des Schutzes bedurften. Diese Welt besser zu machen, gehörte auch zu meinen Träumen und die dazu notwendige Opferbereitschaft ist wohl Teil meines Charakters.
Ok, dass genau dieser Teil auch zum Alptraum werden kann, gehört wohl dazu. Jedes Leben muss zwangsläufig aus zwei Seiten bestehen, denn unsere ganze Welt ist nun mal dual angelegt. Für mich war es der Alptraum, mehr Leid zu sehen, als ich mir bis dato vorstellen konnte. Erweitert wurde der Alptraum dann noch durch einen Blick in die Abgründe menschlichen Handelns. Ich muss zugeben, dass mich genau das sehr verändert hat. Auch wenn man weiß, dass nicht alle Menschen Engel sind, so ist man doch schockiert zu erleben, dass vor allem der "Normalo", Schatten in sich trägt und auch auslebt, die man für undenkbar gehalten hätte. Es ist eben ein Unterschied, ob man bestimmte Dinge im Fernsehen sieht oder selbst live erlebt. Mein Menschenbild hat sich gewandelt, obwohl ich noch immer an das Gute glaube, habe ich jede Naiviät abgelegt und auch mein Vertrauen in Menschen ist massiv geschwunden. Früher habe ich nie verstanden, wie jemand im KZ tagsüber hunderte Menchen misshandeln und töten konnte, um dann abends zuhause mit Frau, Kindern und Schäferhund gemütlich beim Abendessen sitzen und später den Kleinen eine Gutenachtgeschichte vorlesen konnte. Mittlerweile habe ich begonnen, diese Mechanismen zu begreifen, ohne sie wirklich zu verstehen, aber das will ich auch gar nicht.

Träume zu leben bedeutet bei Weitem nicht, das permanente, dauerhafte Glücklichsein, eher im Gegenteil. Es bedeutet in meinen Augen aber, dass man seinen tiefen inneren Gefühlen zum Durchbruch verhilft und authentisch lebt, fern von künstlicher, aufgesetzter Angepasstheit und Verlogenheit. Meine Träume zu leben, bedeutet für mich, mich einer grausamen Realität zu stellen, nicht wegzusehen und meine Pflicht gegenüber meinen Schützlingen zu erfüllen, egal wir hart das auch sein mag.



Donnerstag, 13. Oktober 2016

Zukunftsfragen

Wie Viele von Euch wissen, ist mein Alltag sehr vielschichtig, vor allem aber ist er von grundlegenden Fragen des Lebens geprägt, denen ich nicht ausweichen kann und auch nicht will. In zahlreichen Beiträgen auf diesem Blog habe ich mich ja bereits mit einigen Grundwerten des Lebens beschäftigt und meine Sicht der Dinge beschrieben. Es waren vor allem Themen, die meinen Alltag prägen und mit denen ich mich fast tagtäglich auseinandersetzen muss.

Nun könnte man daraus schließen, dass ich letztlich nur um Themen kreise, die mich hautnah betreffen und mich immer wieder herausfordern, während mich alles Andere wenig berührt. Das Gegenteil ist der Fall. Als Vater und Großvater mache ich mir sehr viele Gedanken über die Zukunft der nächsten 50 bis 70 Jahre und darüberhinaus. Ok, ich werde keine 50 Jahre mehr leben, aber meine Tochter und mein Enkelchen, das letztens seinen 5. Geburtstag feierte, ganz sicher. In was für eine Welt wird die kleine Shantala hineinwachsen?

Mag sein, dass eine derartige Fragestellung für deutsche Bürger nicht so wirklich aufrüttelnd ist, weil sie in einer recht stabilen, konsumorientierten und sicheren Umgebung leben. Lebt man jedoch in einem sehr armen Land wie Portugal, wo man Armut als echte Armut kennenlernt, sieht man Vieles anders. Ich denke auch, dass die wirtschaftliche Gesundheit und Stabilität Deutschlands auf sehr wackeligen Beinen steht, auch wenn es nicht danach aussieht. Momentan mag noch alles im grünen Bereich sein, aber Deutschland ist auch genau deswegen erpressbar und angreifbar, wie man bereits sehen kann. Alles basiert auf einem ständig wachsenden Export, weswegen Deutschland in der EU auch auch Dinge wie CETA und TTIP vorantreibt. Dass dabei Demokratie, Verbraucher- und Umweltschutz auf der Strecke bleiben, interessiert erstaunlicherweise nicht einmal einen SPD Minister, selbst dann nicht, wenn die Gewerkschaften Sturm laufen. Solch eine Politik macht mir Angst, denn sie zeigt einmal mehr, dass es nicht um Ideale geht und um das Wohl der Menschen, sondern um reine Machtpolitik. Dass unser Verfassungsgericht schon lange keine übergeordnete Instanz mehr ist, hat es heute bewiesen, als CETA erst einmal durchgewunken wurde, nicht etwa weil es verfassungskonform ist, sondern mit der Begründuing, dass "außenpolitischer Schaden" abgewendet werden muss. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass eine Regierung einfach nur Fakten schaffen muss und das Verfassungsgericht nickt es ab. Ähnliches haben wir bereits im Umfeld der Eurokrise erlebt.

Politiker ohne ethisches Verantwortungsgefühl, die einfach nach den aktuellen Strömungen schielen und das tun, was gerade opportun erscheint, sind der Untergang unserer Demorkatie und damit unserer Kultur. Die EU wie auch die NATO verstehen sich als sog. "Wertegemeinschaft", was sie immer wieder betonen. Wo sich das zeigt, ist jedoch nicht zu erkennen, denn jedes Land verfolgt andere Werte, und letztlich werden die angeblichen Werte auf dem Altar der Machtpolitik geopfert. Es ist genau das Szenario, das die Welt schon einmal in einen massiven Krieg und Europa in eine fast totale Zerstörung geführt hat.

Vor diesem Hintergrund sehe ich dann in seriösen Reportagen, wie der Hunger Babys und Kleinkinder nicht nur quält, sondern tötet. Ich sehe Kinder und alte Leute, denen Arme und Beine fehlen, während sie in Flüchtlingslagern vor sich hin vegetieren und kaum Hilfe bekommen. Ich sehe afrikanische Flüchtlinge, die vor allem flüchten, weil die EU mit ihrer aggressiven Exportpolitik bis heute den Menschen in Afrika die Lebensgrundlage raubt. Natürlich kann der afrikanische Bauer mit den Dumpingpreisen für Nahrungsmitteln aus der EU nicht mithalten und sucht nach einem besseren Leben. Was den Fischfang angeht, sieht es nicht besser aus. Wenn dann unser Kanzlerin in Afrika herumreis und salbungsvolle Reden über die Bekämpfung von Fluchtursachen hält, muss man sich fragen, ob sie es nicht besser weiß, es nicht besser wissen will oder gegen besseres Wissen redet und handelt.

Wann immer ich abgemagerte, halbtote oder verstümmelte Kinder sehe, die man uns gerne präsentiert, um Spenden zu generieren, frage ich mich, warum vor allem das reiche Deutschland genau diesen Menschen nicht wirklich hilft. Was spricht dagegen, sie in ein Flugzeug zu setzen und zu uns zu holen, um ihnen eine Perspektive zu schenken. Stattdessen lässt man sie, wo sie sind. Es sind die wirklich armen Menschen, denen nicht geholfen wird, denn es sind auch die Menschen, die sich die enormen Kosten einer Flucht gar nicht leisten können. Wo also bleibt unsere Wertegemeinschaft und wo unsere "humane" Kanzlerin?

Dass der aktuelle Aufstieg eines völkermordenden Diktators im Osten der NATO einfach so hingenommen wird, egal ob Wertegemeinschaft oder nicht, will ich gar nicht erst vertiefen, erinnert es mich doch fatal an die 1930er Jahre und ihre Folgen. Auch da hat die Welt vor einem Dikator gekuscht ... bis es zu spät war.

Welche Folgen diese Politik sehr konkret für mein Enkelchen haben wird, kann ich mir ohne viel Phantasie leicht vorstellen und genau das macht mir Angst, Angst für sie und ihre Kinder. Ich selbst wuchs in einer stabilen Welt auf. Die 1950er waren vom Wiederaufbau geprägt, der kalte Krieg garantierte durch das Gleichgewicht der Kräfte eine relative Stabilität, die Globalisierung war noch nicht erfunden, ebensowenig wie die Maßlosigkeit multinationaler Konzerne. Ok, es gab auch keine politcal correctness und die unverheiratete Frau wurde als Fräulein begrüßt. Heute sind wir genderneutral mit Unisextoiletten, lassen aber die Menschen bzw. Kinder in Afrika kaltlächelnd verhungern. Nein, ich glorifiziere jetzt nicht die "Guten alten Zeiten", aber ich frage mich schon, welche Prioritäten wir eigentlich setzen. Die Prioritäten, die wir heute setzen, prägen die Zukunft unserer Kinder und Enkel. Da die Demokratie ja de facto abgeschafft ist und wir lediglich alle paar Jahre mal an die Urne laufen dürfen, haben wir da scheinbar wenig Gestaltungsmöglichkeiten ... oder etwa doch?

Ja, ich denke, wir haben noch immer alle Möglichkeiten und diese sollten wir in unserem Alltag nutzen. Wenn jeder Einzelne von uns, ein wenig von seiner Komfortzone aufgibt, auch mal den Mund aufmacht und sich mit den Dingen intensiver beschäftigt, kann er etwas verändern. Es sind Veränderungen im Kleinen, aber viele kleine Veränderungen ergeben letztlich die große Veränderung. Beginnen kann wirklich jeder in seinem Verbraucherverhalten, denn dieses ewige billig, billig, billig und Geiz ist geil Denken ist eine der wesentlichen Ursachen für Armut und wirkliches Leid in anderen Ländern. Letztlich basiert doch unser Luxus auf der Armut anderer. Früher waren es die Unternehmen, die ihrer Arbeiter ausgebeutet haben, heute sind es wir alle, die Verbraucher, die die Menschen der 3. Welt ausbeuten, weil wir vor lauter Preisvergleichen und herausquetschen des maximalen Rabattes vergessen, wer am Ende die Zeche bezahlt. Es nicht zu wissen, kann keiner Behaupten, denn es gibt genügend seriöse Reportagen zu diesen Themen, die aber kaum interessieren, während "Bauer sucht Frau", immer neue Quotenrekorde bricht ...

Ich bin mir sicher, dass Armut, globale Instabilität und Kriege die Welt in den kommenden 50 bis 100 Jahren prägen werden. Die Schuld dafür sollten wir in unserer eigenen Gier suchen, denn die Politik ist nur der Handlanger dessen, was wir im Alltag leben, fernab von jeglicher Ethik, wahrscheinlich auch fernab von jeglichem Hinterfragen und Nachdenken.

Die kleine Shantala wird die Folgen unseres Denkens und Handelns zu tragen haben und das finde ich unfair und tragisch. Warum also ändern wir es nicht, jeder in seinem Lebensumfeld und an dem Platz an den das Leben ihn gestellt hat.

Samstag, 8. Oktober 2016

Der Ökofreak???

Dass mein letztes Posting in diesem Blog über die 1%ige Chance Fragen über meine Person aufwerfen würde, hätte ich nicht gedacht. Ok, ich betreibe diesen Blog ja noch nicht sooo lange und bin auch noch keine halbe Ewigkeit auf Google+, sodass offenbar Fragen aufkommen können. Meine Fans auf Facebook kennen mich schon länger, aber gerade in letzter Zeit sind auch da viele neue Fans hinzugekommen und so will ich heute und evtl. in einigen weiteren Postings ein wenig über mich erzählen.

Die Frage, ob ich ein Ökofreak sei, wurde mir genauso direkt gestellt. Nun ist sie leider nicht mit einem simplen Ja oder Nein zu beantworten, weil es keine allgemeingültige Definition eines "Oköfreaks" gibt, jedenfalls war auf Wikipedia nichts dazu zu finden ... aber der Duden äußert sich und meint - Zitat: "jemand, der sich engagiert mit Umweltfragen auseinandersetzt und besonders umweltbewusst lebt"
Was den Begriff Freak angeht, klaffen die Definitionen weit auseinander. Am besten gefällt mir noch die Beschreibung: "eine Person, deren Lebensweise von dem als normal empfundenen abweicht".
Das stellt sich natürlich gleich die Frage, was wer wie und wo als normal empfindet und was nicht. Nach meiner Erfahrung lässt sich das nicht wirklich einheitlich definieren. Innerhalb Europas und selbst innerhalb Deutschlands gehen die Definitionen des "Normalen" ja schon weit auseinander. Ich stütze mich also besser auf meine ganz persönliche, subjektive Wahrnehmung des Begriffs und arbeite ihn bezogen auf meine Person ab.

Ganz sicher passe ich nicht in das Klischee des typischen "Aktivisten" mit ökologisch korrekter Kleidung, der mit verbissenem Blick morgens schon im Empörungsmodus aus dem Bett steigt und als Robin Hood gegen die Bösen dieser Welt kämpft. Die Zeiten, in denen man mit Schwert, Pfeil und Bogen etwas verändern konnte sind ohnehin vorüber - ich gebe zu, dass ich das bisweilen bedauere. Mein Weg ist eher, wenn auch nur im Kleinen, konkret etwas anzupacken und das ohne der Illusion zu verfallen, ich hätte jetzt die Welt oder ein Stück von ihr gerettet.

Wie sieht mein Leben aus???

Also ich stehe, eher müde und bestenfalls über den Wecker empört, morgens auf und bitte meine zahlreichen Mitbewohner im Haus und um das Haus herum, mich nicht gleich mit lauten Freudengeheul und Bellen zu begrüßen. Krach am Morgen ist der Supergau für mich, aber Teil meines Alltags. Ich bzw. wir - also meine liebe Frau Karin und ich - leben inmitten eines großen Hunderudels von aktuell knapp 50 fidelen Vierbeinern - wobei manche leider nur 3 Beine ihr Eigen nennen, was ihrer Lebenslust aber keinen Abbruch tut. Hinzu kommen noch Pferde und Schweine, sowie andere Kleintiere, deren Schicksal sie allesamt, als letzte Rettung vor dem Tod, zu uns geführt hat.
Es folgt die Erfüllung eines strammen Ablaufplans, der unser Leben an 7 Tagen in der Woche bestimmt. Anders gesagt: unsere Tiere können nicht lesen, wissen nicht was ein Kalender ist und Feiertage bzw. Wochenenden sind ihnen fremd. Sie brauchen verlässliche Betreuung und Pflege, vor allem, wenn sie älter werden und bei uns werden Tiere immer sehr sehr alt, bevor sie den Weg alles Irdischen gehen. Betreuung bedeutet allerdings nicht nur füttern, streicheln und betütern, sondern vor allem medizinisch versorgen bzw. Pflege- und Behandlungspläne erstellen. Genau das ist eine meiner Kerntätigkeiten. In Zusammenarbeit mit unseren Ärzten kümmere ich mich um die Planung passender Therapien und die Kontrolle der Fortschritte. In den letzten 20 Jahren habe ich mich, zugegebenermaßen unfreiwillig, in die wesentlichen medizinischen Grundlagen der Tiermedizin eingearbeitet, sehr viel gelernt, Erfahrungen gesammelt und meinen eigenen Weg zu einer ganzheitlichen Medizin gefunden. Hilfreich war sicherlich auch, dass ich Anfang der 1990er eine Heilpraktikerschule besucht habe, was bis heute der Grundstein meiner Arbeit ist. Ich vertraue Tierärzten nur sehr bedingt, was weniger auf der allgemein praktizierten Ärztekritik basiert, als auf unzähligen negativen Erfahrungen, die ich machen musste. Glücklicherweise hat meine kritische, hinterfragende Haltung dazu geführt, dass wir heute mit einem Ärzteteam zusammenarbeiten, das nicht nur fachlich extrem kompetent ist, sondern auch ethisch genau das vertritt, was die Basis unseres Projektes ist. Sie sehen, wie auch wir, die Todesspritze in 99% aller Fälle als NoGo.
Kurzum befasse ich mich also intensiv mit allem, was es rundum Tiermedizin und Pharmakologie zu wissen gilt. Dabei ist das Internet natürlich extrem hilfreich, sofern man nicht in irgendwelche Foren gerät, wo keiner wirklich was weiß, aber alle schwätzen und sich gegenseitig attackieren.

Nun machen viele lebenslustige Tiere auch sehr viel kaputt, keine Ahnung wieso, aber die Halbwertzeit von Toren, Schläuchen, Wasserleitungen, Wasserhähnen, Holzhütten, Eimern, Näpfen etc. ist bei uns leider kürzer als die übliche Lebensdauer derartiger Gegenstände. Hinzu kommen natürlich die extremen Witterungsbedingungen, die allen Materialen, die außerhalb des Hauses eingesetzt werden, sehr zusetzen. Die Sonne laugt alles aus, die Luft ist sehr salzhaltig (bedingt durch die Nähe zum Atlantic), der Winter extrem feucht und warm, sodass Schimmel auch im Außenbereich ein Dauerthema ist. Also besteht ein wichtiger Teil meiner täglichen Arbeiten in handwerklichem Treiben. Es ist nur ein Glück, dass ich in meiner Jugend mal Maschinenschlosser gelernt habe. Unser Bauernhof ist weder an die öffentliche Wasserversorgung noch an eine Kanalisation angeschlossen. Somit hängt alles an einem selbst erstellten Tiefbrunnen, einer 200 Jahre alten Zisterne und einer Biokläranlage, die ich auch selbst gebaut habe. Das, was in Deutschland üblicherweise die Stadtwerke erledigen, muss ich hier selbst in die Hand nehmen. Wasserpumpen brauchen Wartung und müssen auch immer mal wieder ausgetauscht werden, die Kläranlage braucht intensive Pflege. Spezielle Bakterienkulturen gepaart mit diversen Wasserpflanzen unterschiedlicher Eigenschaften sorgen für ein entsprechendes Recycling des Wassers, das hier, insbesondere im heißen Sommer, sehr knapp wird. Was den Strom angeht ... wir haben zwar einen Stromversorger, aber Versorgung kann man das nicht nennen, wenn der Strom laufend ausfällt. Da unsere Pumpen ohne Strom kein Wasser liefern, haben wir Generatoren im Einsatz, die ebenfalls Pflege und Wartung fordern, wenn sie zuverlässig arbeiten sollen.

Dann gibt es da noch die 10 Ha Land, die wir tatsächlich ökologisch bewirtschaften - also doch Ökofreak. Im vorderen Teil finden sich zahlreiche Olivenbäume, diverse Obstbäume der typisch südlichen Fauna und ein Weinberg, der bereits vor über 100 Jahren angelegt wurde. Die diversen Bäume und andere Pflanzen müssen regelmäßig geschnitten und gepflegt werden.
Der hintere, größere Teil des Grundstücks ist in ein wildes Tal eingebettet, mit Schluchten und Wald. Hier genießen die Tiere eine unberührte Natur und wir sorgen dafür, dass auch Wildtiere hier ein Refugium beziehen können, wo ihnen keine wildgewordenen Jäger den Garaus machen. Ein Grenzzaun leistet dabei gute Dienste, aber der muss auch gewartet werden. In den letzten Jahren hat sich hier ein echtes Biotop gebildet, mit einer reichhaltigen Vogelwelt, seltenen Reptilien und, besonders wichtig, mit vielen Wildbienen. Klar, Chemie gibt es bei uns nicht, weder Pflanzenschutz noch chemischer Dünger, geschweige denn irgendwelche Gentechnik.

Um an die Definitionen zu Beginn dieses Postings anzuknüpfen: ich finde mein Leben normal und kann mir kaum ein anderes Leben mehr vorstellen, obwohl ich, wie die Leser von "Himmelswölfe" ja wissen, früher einmal ganz anders gelebt habe.

Im nächsten Posting berichte ich dann, was mich sonst noch so umtreibt und was ich nachts tue, wenn Andere schlafen. Auf dem Foto seht ihr mich beim Schneiden der Olivenbäume, die allesamt runde 150 Jahre alt sind und viel Pflege brauchen.

Montag, 3. Oktober 2016

Die 1%ige Chance

Wie komme ich auf diese Überschrift? Eher durch Zufall, denn ich arbeite gerade am Band II von Himmelswölfe und bevor man losschreibt, ist es immer sinnvoll, sich eine Struktur zu überlegen, damit das Buch nicht ins Kraut schießt und am Ende den Leser mehr verwirrt als erreicht.

Ich war ja echt "geflasht" -  um´s mal in der Sprache der Zeit zu sagen - dass ich so viel positives FeedBack bekommen habe. Manche haben Band I in einem Ruck gelesen, Nächte damit zugebracht weil es sie nicht mehr losgelassen hatte. So soll es sein und da arbeitet man dann auch gerne an seinen Werken. Viele unterschätzen ja das Schreiben und meinen, es sei eine eher entspannende und leichte Tätigkeit. Ich muss sagen, dass es eine wirklich anstrengende Arbeit ist. Der Kopf, also das Denken, verbraucht extrem viel Energie und damit auch Kalorien. Ok, man möge bitte daraus jetzt keine Schlüsse über seine Mitmenschen ziehen!!!

Doch zurück zum Thema: Himmelswölfe basiert ja auf meiner Biographie, also dem was ich hier in Portugal seit 20 Jahren erlebe, wie ich mein Leben gestalte und eben auch das Projekt, für das ich "twentyfourseven" - wie man es modern ausdrückt - arbeite. Dass in meinem Leben, warum auch immer, sehr viele mystisch anmutende Aspekte eine Rolle spielen, spiegelt sich in meinen Büchern wieder. Mancher könnte sie in die Kategorie Fantasy einordnen und würde sie dennoch lieben. Aber die Geschichten, die ich zu erzählen habe, sind real, so passiert und Teil meines Lebens.

Der Kern dessen, was ich hier bewege - wobei ich das Wort Ich nicht mag, denn es ist ein Wir, ein Karin und ich, ohne das nichts ginge -, dreht sich ja um die Erhaltung von Natur und Leben. Das Leben an sich ist ein Wunderwerk und so komplex, dass es mir buchstäblich jeden Tag ein Staunen abnötigt. Klar ich lebe "volle Kanne" inmitten der Natur, sehe wunderbare Wildtiere, vom kleinsten Käfer bis zur Smaragseidechse, Schlangen, Mungos, Füchse, Wildschweine usw. Komischerweise zeigen sie sich auch und verstecken sich nicht, wenn ich in unserem einsamen Tal arbeite. Selbst die Hunde respektieren die anderen Tiere, jagen sie nicht, töten sie nicht, verletzten sie nicht. Letztens brachte Alphahünding Rosa mir ein totes Häschen und sah mich dabei ganz traurig an. Das Kleine war an Myxomatose gestorben, offenbar wollte Rosa, dass ich es beerdige, was ich getan habe.

Die Natur hat ihre Regeln. Bisweilen sind es Regeln, die auch ich nicht auf den ersten Blick verstehe. Dennoch muss man sich nur ein wenig einfühlen, schon öffnet sich das Buch der Naturgesetze  und man hat kein Problem dem Handlungsfaden zu folgen.
Ein Prinzip in der Natur ist die 1%ige Chance, die jedes Lebewesen, jede Art bekommt, etwas Neues aufzubauen, sich fortzupflanzen, sich zu behaupten. Welche Chance hatte denn unser Planet vor Millionen Jahren, als es keine Atmosphäre gab, alles wüst und leer war??? Ich denke, es war weniger als die 1%ige Chance, dass ausgerechnet hier Leben entstehen konnte, doch es entstand und förderte eine Vielfalt zutage, die mich jeden Tag auf´s Neue fasziniert.

Wenn man sich dieses 1% Prinzip zu eigen macht, kann man einiges bewegen. Ok, manchmal braucht man die Hilfe von Kräften und Wesen, die sich nur schwer fotografieren, geschweige denn anfassen lassen. Letztlich ist es der Glaube an die 1%ige Chance, die mich tagtäglich für das Leben kämpfen lässt. Wir sind ja mittlerweile bekannt dafür, dass wir uns um die aussichtslosen Fälle kümmern, dass wir für die da sind, die ansonsten durch´s Raster fallen. Die Meisten unserer Schützlinge hatten nur eine 1%ige Chance und genau auf dieses 1 Prozent kommt es an. Glaubt man daran, schafft man es und es gelingt die anderen 99% beiseite zu schieben.

Doch ich denke, dass man dieses Prinzip auch für seinen gesamten Lebensentwurf anwenden sollte. Man kann das angebliche Unmögliche nur möglich machen, wenn man an das 1% glaubt und sich auf den Weg macht, es zu finden. Ich habe gelernt, dass man genau dann, wenn man es wirklich will und alles daransetzt auch die Hilfe von besagten Wesen und Kräften bekommt, die man braucht, um seine Ziele zu erreichen. Früher stand ich solchen Gedanken eher skeptisch gegenüber. Sicherheit ging mir über alles, Risiko war ok, aber nur im überschaubaren Rahmen. Warum das so war??? Einfach weil mir der Glaube an dieses Prinzip fehlte, ich es nicht kannte und stattdessen die Angst vor dem Misserfolg mein Leben prägte. Ich hatte zwar als Unternehmer einiges erreicht, aber stets auf dem Boden der Sicherheit und absoluter Ratio. Mit Ratio und Sicherheitsdenken, mit Angst vor dem Scheitern jedoch erreicht man wenig, wenn man wirklich Leben retten will und sein Leben dem Erhalt der Natur gewidmet hat. Für ist der Glaube an das 1% bestimmend für mein tägliches Handeln. Ich bin damit in den letzten 20 Jahren weitergekommen, als in den 43 Jahren davor und diese Tatsache schenkt mir die Kraft, genau diesen Weg auch weiterhin zu beschreiten.

Auf dem Foto seht Ihr unsere Paula. Vor Jahren fand man sie auf einer Müllhalde. Sie konnte nicht laufen, war schon alt, hatte schwere Arthrose in den Gelenken und den Bauch voller Babys, die zum Teil bereits tot waren. Wir kämpften um ihr Leben. Sie lernte, wieder zu laufen, Spaß am Leben zu finden und integrierte sich in unser großes Rudel. Sie wurde zur Respektsperson und führte ein fröhliches, freies Leben. Es war ein langer Weg, bis es soweit war, aber wir glaubten an genau dieses 1% Chance, dass sie noch schöne Jahre bei uns haben würde und so kam es auch.


Dienstag, 27. September 2016

Treue ein veralteter Wert???

Ich würde von mir nicht unbedingt behaupten, dass ich konservativ oder gar altmodisch bin, trotz meines Alters. Dennoch finde ich, dass es im Leben bestimmte Werte gibt, die nie wirklich altmodisch werden oder sich "totlaufen". Die Treue ist einer dieser Werte. Ich finde die Werthaltigkeit dieses Wortes sehr facettenreich und sehe sie als einen der Grundpfeiler unseres sozialen Zusammenlebens. Hier drei Beispiele aus unzähligen:

Treue zu sich selbst
Das ist in meinen Augen eine entscheidende Grundlage für das gesamte Leben. Wer sich selbst nicht treu bleibt und sein Fähnchen in den Wind hängt, der mag damit sogar vordergründig Erfolg haben, er verliert aber sich selbst und seine Identität. Im Laufe des Lebens - vor allem in den ersten zwanzig Jahren, findet man sich selbst, indem man sein Wertesystem definiert. Ok, bisweilen kann das auch länger dauern, denn die Lebenserfahrungen tragen ebenfalls viel dazu bei. Zweifellos korrigiert man auch bisweilen bestimmte Haltungen, doch das, was man tief in sich spürt, kann und sollte man nicht korrigieren. Der Charakter des Menschen setzt sich aus Werten zusammen, den Werten, die er spürt und die ihm nicht von außen aufgedrückt wurden.
Erziehung von Kindern besteht natürlich auch aus der Vermittlung von Werten, doch ich habe als Vater festgestellt, dass es vor allem darum geht, in seinem Kind das zu wecken, was es bereits mit der Geburt in dieses Leben mitgebracht hat. Es ist nicht einfach zu erkennen, was die kleine Seele bewegt und das Kind dabei zu unterstützen, genau das in sich zu erspüren und zu leben, was ohnehin in ihm schwingt. Kinder zum Oportunismus zu erziehen und das dann mit dem Begriff "realistisch" zu ummanteln, halte ich für wenig zielführend.
Ich habe versucht, meine Aufgabe als alleinerziehender Vater entsprechend umzusetzen. Heute ist Sarah 32 Jahre alt und ich denke, es ist mir gelungen. Mehr noch als das, hat Sarah auch mich inspiriert, mich Dingen zuzuwenden und meine Prioritäten so zu verlagern, dass das entstehen konnte, was heute hier als Naturschutzprojekt entstanden ist. Letztlich ist mein Kind sich treu geblieben und sie hat dafür gesorgt, dass ich es auch tue.
Mein Wertesystem war schon von Kind auf klar definiert. Es war nicht einfach, mich gegen die Werte meiner Eltern durchzusetzen, deren Weltbild komplett kontrovers zu meinem stand. Letztlich kehrte ich mit 17 meinem Elternhaus den Rücken und baute mir ein eigenes Leben auf, ohne Hilfe, aber auch ohne Bevormundung. Klar ... dabei gingen mir alle Vorzüge verloren, die man als Unternehmerkind so haben könnte, aber es war es mir wert und ich brach den Kontakt komplett ab. Es war mir wichtiger, mir selbst treu zu bleiben, auch wenn ich damals nicht wirklich in Worte kleiden konnte, was das wirklich bedeutet. Enstcheidend war, was ich fühlte und was ich als richtig und als falsch empfand. Das zog sich dann auch als roter Faden bis heute durch mein Leben.


Treue zu einem gegebenen Wort
Das ist etwas, was scheinbar ziemlich aus der Mode gekommen zu sein scheint. Die Politiker leben es uns vor, sprechen aber von einer Wertegemeinschaft, die Europa zusammenhalten soll. Heute einen Standpunkt zu haben, der morgen schon wieder nicht gilt ... das kann´s meiner Meinung nach nicht sein.
Auch im privaten Bereich zählt häufig das gegebene Wort nichts mehr. Ich habe es sehr oft erlebt, dass jemand etwas versprochen hat und es letztlich nicht hielt. Im Falle unseres Projektes hatte das bisweilen fatale Folgen, weil wir uns auf ein gegebenes Wort verlassen haben, entsprechend planten und plötzlich löste sich alles in Luft auf, während wir im Regen standen.
Dennoch hat es weder meine Frau Karin, noch meine Tochter Sarah, noch mich davon abgebracht unseren Weg zu gehen, egal wie schwierig es auch gewesen sein mochte. Wir haben mit dem Projekt ebenfalls ein Wort gegeben und zwar der Natur und den Tieren und dieses halten wir auch, komme was da wolle.
Als besonders schwierig erwies sich dieser Kurs, wenn es darum ging, zu definieren was Tier- und Naturschutz wirklich bedeutet. Dass ich/wir dem "üblichen" Tierschutz sehr kritisch gegenüberstehen, hat sich ja mittlerweile herumgesprochen. Warum das so ist??? Nun es hat einerseits mit der Treue zu sich selbst und den eigenen Werten zu tun und zum Anderen mit dem gegebenen Wort. Jedes Lebewesen, dass bei uns Schutz sucht, bekommt ihn auch und damit ein Versprechen, dass wir für es sorgen werden, bis zu seinem natürlichen Gang über die Regenbogenbrücke. Wir schätzen das Leben als höchsten Wert ein, wie ich es bereits an anderer Stelle beschrieben habe. Das ist einer der Werte, dem wir die Treue halten und damit unseren Tieren Schutz, Geborgenheit, Liebe und Würde schenken können.
Mit so einer Einstellung macht man sich unter sog. "Tierschützern" nicht gerade beliebt, aber auch die Unterstützer/Spender/Paten, auf die auch wir angewiesen sind, werden häufig davon abgeschreckt. Natürlich ist es aus der Ferne oft schwer zu verstehen, was man fühlt und wie man tickt, wenn man mit so vielen Tieren in freier Natur wirklich zusammenlebt und alles mit ihnen teilt - also ich meine damit Freude und Leid, Angst und Mut, Trauer und Neugierde.
Es wäre auch für uns wesentlich bequemer auf den Zug aufzuspringen, dem Erlösungswahn mit der Todesspritze zu folgen, leidvolle Bilder zu posten und gutes Entertainment zu bieten. Die Spenden würden fließen und wir wären im Mainstream. Damit aber würden wir uns selbst untreu und würden das Wort brechen, dass wir allen Lebewesen hier gegeben haben.
 
Treue zum Partner
Das ist natürlich das naheliegenste Thema und es ist genau das Thema, das mir dann eben doch zeigt, dass ich irgendwie alt geworden bin. Ich stehe nach wie vor dazu, sehe im OneNightStand keinen Sinn und in WebSiten wie "Fremdgehen24" oder "Abenteuer18" wenig Werthaltiges. Nein, ich bin nicht prüde, auch nicht verschroben, eher im Gegenteil, aber ich sehe auch nicht, warum man nicht treu sein kann und gleichzeitig aufgeschlossen. Die Treue zum Partner basiert auf Vertrauen und dem gegebenen Wort, egal ob auf dem Standesamt oder bei einem romantischen Abendessen mit anschließender erster Liebesnacht.
Wenn ich meinem Partner treu bin, dann bin ich auch mir selbst und meinem Versprechen treu. Damit schließt sich der Kreis in meinen Augen. Ich sage damit nicht, dass Beziehungen nicht auch auseinander gehen können. Die Frage ist nur wie? Trennung wegen Untreue ist in meinen Augen inakzeptabel und verletztend. Es gibt ehrliche Wege, sich über den Status klarzuwerden und entsprechend fair zu agieren, ohne sich selbst und seine Werte zu verraten. Allerdings denke ich auch, dass es extrem wichtig ist, sich genau zu überlegen, was man verspricht und zu prüfen, ob man auch halten kann, was man da von sich gibt.
Was die Treue -auch zum Partner - angeht, so sieht es meine Tochter Sarah genauso wie ich. Das Erstaunliche allerdings ist, dass ich sie nie in diese Richtung bewusst erzogen habe. Sie hat ihren eigenen Weg gefunden, dem sie treu bleibt. Umso schöner für mich fühlt es sich an, dass er sich mit meinem Weg deckt.

Mittwoch, 21. September 2016

Ganzheitlichkeit

Gesundheit ist ein Thema, das mich nun schon seit fast 20 Jahren begleitet und komplett in meinem Focus steht. Bisher betraf es allerdings vor allem unsere Schützlinge. Ich muss mir tagtäglich darüber Gedanken machen, ob es allen gutgeht, sie gesund sind oder weiterhin spezielle Unterstützung benötigen. Wir betreuen in unserem Projekt ja fast nur Lebewesen, die in irgendeiner Form gesundheitlich beeinträchtigt - oder besser gesagt: schwer geschädigt - zu uns kamen und kommen.

Nun sehe ich das Thema Gesundheit nicht nur auf den Körper bezogen, sondern betrachte alle Lebewesen unter einem ganzheitlichen Aspekt. Ganzheitlichkeit war lange Zeit ein Modewort, wurde aber durch andere Modeworte dann wieder abgelöst, wie das eben halt so ist, wenn ein Trend den anderen ablöst. Ich habe hier gelernt, was Ganzheitlichkeit wirklich bedeutet und das nicht erst seit es ein Modewort geworden ist. Wenn ein Lebewesen schwer krank und/oder verletzt zu uns kommt, so ist zwar die medizinische Versorgung das Allererste, was erledigt sein muss, die wirkliche Genesung jedoch, kann der beste Arzt nicht bewirken, wenn die Psyche nicht ebenso intensiv betreut wird.

Ich habe die traurige Erfahrung gemacht, dass dieser Aspekt bei vielen Menschen, die mit kranken Tieren zu tun haben - und sei es nur der eigene Hund, Katze, Pferd, Meerschweinchen etc. - vor allem auf die Ärzte bauen und sich von ihnen dann das Wunder der Genesung erwarten. Dazu muss ich kritisch anmerken, dass Tierärzte oft heillos überfordert sind und die Anzahl der Fehldiagnosen bei weitem die der Humanmedizin übersteigt. Es mag an der Ausbildung liegen, denn ein Tierarzt durchläuft, den er muss sich mit wirklich allem auskennen, vom Hund über die Schlange, den Papagei bis hin zum Meerschweinchen. In der Humanmedizin gibt es wesentlich bessere Spezialisierungen, und der Arzt hat es immer nur mit einer einzigen Spezies zu tun. Wie kann also ein Tierarzt stets die richtigen Diagnosen treffen und die passende Behandlung verordnen? Natürlich gibt es auch in diesem Bereich Spezialisten, aber der normale Haustierarzt ist eben ein Allrounder und genau das ist das Problem.

Wichtiger jedoch als dieser Aspekt ist die Betrachtung der Psyche eines erkrankten Wesens. Jedes Lebewesen besitzt Selbstheilungskräfte, die letztlich stärker sind als alle Chemie in Medikamenten. Selbstheilungskräfte hat die Natur eingerichtet, damit ein Tier in der Wildnis - und da kommen ja alle Tiere her -, überhaupt wieder gesund werden kann, wenn es sich verletzt hat oder erkrankt ist. Diese Kräfte werden durch den Überlebenstrieb und damit durch die Perspektive auf die Rückkehr zum gewohnten Leben geweckt. So kann z.B. der Wolf sich ein verletztes, entzündetes Bein selbst amputieren (=abbeißen), um eine Blutvergiftung und damit seinen Tod zu verhindern. Welch psychsiche Kraft hinter so einer Fähigkeit stehen muss, kann man sich leicht vorstellen. Wir haben es also mit einer enormen Energie zu tun, die in jedem Tier schlummert. Somit ist es unsere Aufgabe als Beschützer der Kreaturen, die mit uns leben, neben der zweifellos wichtigen medizinischen Versorgung, vor allem diese Energien in unseren Tieren zu wecken.

Ein Vergleich anhand eines Beispiels

Man nehme zwei Hunde gleicher Rasse, gleichen Alters, gleichen Allgemeinzustandes, die an einer Krankheit, wie z.B. Leishmaniose (im Süden sehr häufig) leiden. Man behandele beide Hunde mit exakt denselben Medikamenten. Hund A hält man isoliert in einem Zwinger, Hund B lässt man frei mit Artgenossen weiter leben (zur Info: Leishmaniose ist nicht ansteckend). Hund A bekommt täglich Besuch und wird extrem bedauert und mit Sätzen wie "ach Du Armer, es wird schon wieder ...", während Hund B mit Worten aus dem Rudel gerufen wird: "Hey Du Springinsfeld, komm mal her ... Zeit die Medis zu nehmen".
Nun dürft Ihr mal raten, welcher Hund am Ende diese Krankheit überwinden kann, wobei man wissen muss, dass unter Medizinern die Leishmaniose als Todeurteil gilt und grundsätzlich Panik bei Besitzern auslöst, bis hin zur Todesspritze, falls der Hund irgendwelchen Tierschützern in die Finger gerät. (Ja, ich weiß, dass das recht bitter ausgedrückt ist, aber leider wahr, denn die Ausnahmen sind eher selten.)

Das hier ist nur ein Beispiel unter unzähligen anderen. Ob es nun um angeblich unheilbare Krankheiten geht oder um schwerste, angeblich inoperable Verletzungen, entscheidend für eine Genesung ist nach meiner langjährigen Erfahrung immer die Psyche. Daher nutzt es auch nichts, tränenüberströmt vor seinem kranken Tier zu sitzen und es zu bedauern, denn damit weckt man diese innere Selbstheilungskraft keinesfalls. Ok, mir war in all den Jahren oft genug zum Weinen zumute und ich hab es auch getan, aber niemals im Beisein des Patienten. Wenn wir unsere eigenen Ängste und die Trauer auf das Tier projizieren, lähmen wir es und verlagern unsere persönlichen Probleme auf den Patienten.

Man hat uns mit unserem Projekt nicht selten für verrückt gehalten, wenn wir sog. unheilbare Wesen bei uns aufgenommen und versorgt haben. Letztlich hatten wir so gut wie immer Erfolg. Misserfolge stellten sich ein, immer dann leider, wenn es einfach zu spät war und Andere bereits erfolglos an dem Tier herumgedoktort haben.
Man kann Unmögliches möglich machen, wenn man das anvertraute Wesen als Ganzheit aus Körper und Psyche sieht. Das Eine geht nicht ohne das Andere. Lebensbedingungen und Perspektiven sind dabei ausschlaggebend, weswegen ich mich schon 1996 - zu Beginn des Projektes - dazu entschlossen habe, alle unsere Notfälle frei und artgerecht zu halten. Nein, damals hatte ich noch keine Ahnung von Tieren, ledigllich einen Hund namens Jule, der mit meiner Tochter Sarah und mir auf der Quinta lebte. Dennoch entsprang es meinem innersten Empfinden, dass man Tiere nur so und nicht anders halten und auch wieder "gesund machen" kann. Gesundheit ist die Integration von Körper, Geist und Seele zu einem harmonischen Ganzen. Gelingt das, so gewinnt man 90% aller Kämpfe gegen Siechtum und Tod.

Was mich persönlich angeht, so spüre ich das jeden Tag an mir selbst. Ich bin körperlich wahrlich nicht gesund, die Ärzte sind ratlos (obwohl ich zu Humanmedizinern gehe), doch ich muss zusehen, wie ich meiner Verantwortung für Frau, Kind und so viele Tiere gerecht werde. Meine Kopf weiß, warum ich das hier alles tue, mein Herz gibt mir die Kraft, auch in den kommenden 15 Jahren nicht nachzulassen, selbst wenn ich mir im gesetzten Alter von aktuell 63 kaum vorstellen kann, mit 75 immer noch zu tun, was ich tue, aber ok ... so ist es nun mal. Mein Überlebenstrieb manifestiert sich in meiner Berufung, die ich damals gespürt habe, intuitiv und gegen anfängliche Widerstände in mir selbst. Ich hab´s in meiner Biographie "Himmelswölfe" ausführlich geschildert. Diese Kraft treibt mich tagtäglich an, nicht nachzulassen, auch wenn ich morgens nicht selten glaube, den Tag unmöglich schaffen zu können ...

Auf dem Foto seht Ihr unseren Socke (eigentlich heißt er Socrates). Er hatte Leishmaniose in einem Stadium, in dem er dem Tod näher war, als dem Leben. Heute ist es 100%ig genesen, hat perfekte Blutwerte, braucht keinerlei Medikation mehr und wurde in diesem Jahr zehn Jahre alt. Er lebt im großen Clan, ist sogar Chef seines eigenen Rudels und hat täglich Spaß. Während seiner Krankheit lebte er nicht ander, also mit seinem Rudel zusammen und bekam seine Medikamente und Spritzen immer draußen, wo er lebte. Wir haben ihm nie das Gefühl gegeben, ein "armer, kranker Hund" zu sein, sondern er lebte sein ganz normales Leben, obwohl es ihm zeitweise nicht wirklich gut ging. Letztlich war das der Schlüssel zur Heilung. Socke ist ein Beispiel von vielen ...



Sonntag, 18. September 2016

Persönlichkeit klonen???

Eigentlich hat ein Bericht auf RTL dazu geführt, dass ich mich einmal mehr dem Thema Gentechnik und Kloning widmen wollte. In meinem Roman "Retro 2032 - Sie vergaßen das Gestern" habe ich das Thema intensiv aufbereitet und in die aktuelle politische Entwicklung bzgl. der Globalisierung eingebettet. Die gestrigen Demonstrationen zu TTIP zeigen recht deutlich, dass den Bürgern die Gentechnik doch recht suspekt ist, ja vielen sogar Angst macht.

Keine Angst, ich will jetzt nicht über die USA philosophieren und die wackelige EU. Vielmehr geht es mir um das, was uns im Alltag betrifft, wenn wir über das Kloning nachdenken, so wie dieses Ehepaar in England, das seinen toten Boxer hat klonen lassen, weil sie seinen Tod nicht verschmerzen konnten. Südkorea besitzt ja eine regelrechte Kloningindustrie, vor allem für Tiere, weil es ja noch verboten ist, Menschen zu klonen. Es gibt allerdings genug Belege dafür, dass man mit Menschen auch bereits experimentiert, wenn auch verbotener Weise.

Wer also 80.000.-€ oder mehr übrig hat, kann sein geliebtes Haustier wieder auferstehen lassen. Interessant bei dem RTL-Bericht fand ich, dass die geklonten Boxerzwillinge zwar äußerlich identisch zu dem Verstorbenen waren, im Charakter jedoch untereinander schon sehr verschieden waren und bezogen auf den verstorbenen Hund ohnehin.

Genau das ist in meinen Augen der entscheidende Punkt. Die Persönlichkeit eines Lebewesens kann man eben doch nicht klonen. Selbst Zwillinge bilden, bei aller Gleichheit des genetischen Materials, unterschiedliche Persönlichkeiten aus, sind und bleiben also Individuen. Es mag Ähnlichkeiten geben, aber die gibt es bei Lebewesen generell, weil es eben Typen gibt. Beim Menschen ist das sehr genau erforscht und die Psychologie hat die Typenlehre entwickelt. Soetwas ist zweifellos hilfreich, wenn es um Lebenshilfe u.ä. geht. Dennoch bleibt die Tatsache unangefochten, dass jedes Lebewesen, ob Mensch oder Tier, eine absolut einzigartige und nur einmal vorkommende Persönlichkeit besitzt. Das ist in meinen Augen eines der großen Wunder der Schöpfung. Die Weltbevölkerung umfasst aktuell etwas mehr als sieben Milliarden Menschen und das sind sieben Milliarden Individuen.

Gleiches gilt für die Tierwelt und ich behaupte, dass es auch für die Pflanzenwelt gilt. Leider hat sich das bei den Menschen noch nicht so ganz herumgesprochen. Insbesondere Hunde werden gerne in Rassen kategorisiert und dann wird nur noch auf Rassenmerkmale geschaut, sprich ein Hund wird abgestempelt. Klar gibt es rassische Gemeinsamkeiten. Herdenschutzhunde z.B. agieren grundsätzlich alle sehr ähnlich, Jagdhunde ebenfalls, naja und die sogenannten Kampfhunde sind ja eh in aller Munde als gefährliche Biester, die ganz schnell auf Verbotslisten landen. Ich glaube, Menschen lieben es, zu kategorisieren und ihre Welt in Schubladen zu organisieren, weil es die Welt einfacher und begreifbarer macht.

Was nun dieses Ehepaar aus England angeht, so kann ich durchaus verstehen, dass sie in ihrer Trauer nicht loslassen wollten/konnten. Ich werde hier leider laufend mit dem Tod und dem Loslassen konfrontiert und es schmerzt jedes Mal auf´s Neue. Man sollte sich nicht über Menschen erheben oder mit dem Finger auf sie zeigen, wenn sie ungewöhnliche Wege gehen, mit ihrer Trauer fertig zu werden.

Ich habe in den letzten 20 Jahren gelernt, dass es wichtig ist, jedem geliebten Wesen - Mensch oder Tier - einen festen Platz in seinem Herzen zu geben, zu Lebzeiten ebenso wie nach dem Tod. Dieser Platz in unseren Herzen ist unsterblich, solange wir ihn hegen und pflegen. Ich meine damit nicht, dass wir täglich in Tränen und Depressionen ausbrechen sollten, weil ein geliebtes Wesen gegangen ist, im Gegenteil sollten wir mit Freude und einem Lächeln an die schönen Momente zurückdenken, die wir mit ihm erleben durften. Sie sind und bleiben einmalig, nicht wiederholbar. Entscheidend ist, dass unser Andenken stets von tiefer Liebe begleitet wird, denn genau diese Energie erreicht auch die unsterbliche Seele und verbindet sie mit unserer Seele, ohne dass wir denjenigen soz. zwangweise festhalten und nicht loslassen wollen.

Das Individuum kann man nicht klonen, ebensowenig wie man seine Liebe klonen kann. Die Art und Weise, wie wir jemanden lieben ist ebenso individuell, wie das geliebte Wesen selbst.

Auf dem Foto seht ihr meinen lieben Cascas. Er war ein echter Kampfhund, wurde von einem Polizisten gerettet und zu uns gebracht, obwohl eigentlich die Todesspritze anstand. Er galt als hoch aggressiv, bösartig und kaum zu bändigen. Er hat auch mich zu Beginn zwei Mal ernsthaft angegriffen. Dennoch habe ich an ihn geglaubt, mich nicht beirren lassen und ihm mein Vertrauen und meine Liebe geschenkt. Wir wurden beste Freunde, unzertrennlich und jeder konnte sich auf den Anderen verlassen. Er entwickelte hohe soziale Kompetenz und war mit unseren anderen, zahlreichen Hunden absolut verträglich. Er lebte hier ein Leben ohne Zwang und in Freiheit, so wie es jedem Lebewesen zusteht.

Es war ein echtes Drama, als ich ihn damals wegen eines inoperablen Hirntumors gehen lassen musste, denn er war noch jung. Es kam völlig unerwartet. Cascas war eine Persönlichkeit, ein Freund und ein verlässlicher Partner. Er hat einen festen Platz in meinem Herzen, aber ich weiß auch, dass er einzigartig war. Was wir gemeinsam durchlebt haben, lässt sich nicht klonen, nicht wiederholen. So bleibt mir nur die Freude über wunderschöne Jahre mit ihm, tolle Erlebnisse und ein warmes Gefühl, wenn ich an ihn denke, was ich tagtäglich tue.

Mittwoch, 14. September 2016

Schlagwort Nachhaltigkeit

Der Begriff der Nachhaltigkeit ist ja heutzutage in aller Munde. Bisweilen habe ich den Eindruck, dass er zu einer leeren Worthülse verkommen ist, die dazu dient, dass verschiedene Interessengruppen und politische Strömungen ihn sich um die Ohren hauen.
Umso wundersamer ist es, dass die Zahl der Menschen, die in den diversen Bereichen auf Nachhaltigkeit Wert legen, nach wie vor sehr gering ist. Ob es sich um soziale Gerechtigkeit handelt, ökologisch vertretbaren Umgang mit Ressourcen, Generationengerechtigkeit oder eines der vielen anderen Themen, auf die der Begriff angewendet werden kann, man spricht darüber, ja man fordert es sogar ein, verhält sich selbst jedoch genau gegenteilig, in seinen persönlichen Gewohnheiten.

Es klafft eine tiefe Kluft zwischen der Empörung über Kinderarbeit in Indien, Bangladesh oder anderen Ländern der 3. Welt und den eigenen Einkaufsgewohnheiten. Es ist in meinen Augen absurd, sich voller Empörung Dokumentationen über ausgebeutete Kinder und verarmte Familien in Slums anzusehen und dann am nächsten Tag bei KiK, Primark oder sonstwo billigste Kleidung einzukaufen. Genauso absurd ist es, im Ökopulli zum Bioladen zu rennen, dort angebliche FairTrade Produkte zu kaufen (ohne wirklich zu wissen, welche Ausbeutung dahintersteckt) und der Gatte fährt im Porsche, Audi Q7 oder sonstigem SUV zu seinem Managerjob, wobei er bedenkenlos die Umwelt mit einem unnötigen Statussymbol vergiftet, logisch, dass der sich kein E-Auto kauft. Logisch auch, dass man die Grünen wählt, einfach schon, um sich ein gutes Gewissen zu besorgen, weil man ja zu gut verdienenden Mittelschicht gehört, denn nur die kann sich die gesalzenen Preise im Bioladen samt dem SUV überhaupt leisten.

Warum schreibe ich das???

Nun, mein Tätigkeitsfeld ist seit 20 Jahren der Natur- und Tierschutz, wie die Meisten meiner Leser ja wissen. Ich behaupte von unserem Projekt, dass wir sehr konsequent nachhaltig arbeiten. Für uns bedeutet es, gem. der ursprünglichen Definition "den nach langfristig angelegten, verantwortungsbewussten Umgang mit dem Objekt der eigenen Tätigkeit".  Zweifellos ist die eine etwas sperrige Definition, aber sie trifft den Kern. Nun müsste man meinen, dass gerade im Bereich Natur- und Tierschutz die Nachhaltigkeit eine Selbstverständlichkeit ist, weil es ansonsten ja keinen Sinn machen würde. Leider habe ich in den letzten 20 Jahren zahllose andere Erfahrungen machen müssen, insbesondere im Bereich Tierschutz. Aber auch da sollte man die Schuld nicht primär bei denen suchen, die sich um Tiere kümmern, sondern bei den "Verbrauchern", wobei dieser Begriff eher durch das Wort "Unterstützer/Spender" ersetzt werden müsste, denn das o.a. Objekt der Tätigkeit sind ja Lebewesen. Speziell im Tierschutz haben sich die meisten Organisationen dem "Markt" angepasst und ihre Arbeit auf Maximierung der Gewinne = "Spenden" ausgelegt, anstatt auf Optimierung und Nachhaltigkeit in der Hilfe für Tiere, meist Hunde, Katzen und Pferde.

Letztlich rührt es aus dem Sensationsbedürfnis der Menschen her, dass sich im Bereich nachhaltiger Arbeit einiges in Schieflage befindet. Klar, eine Doku über glückliche, gut verdienende Frauen in indischen Nähereien würde niemanden interessieren. hungrige Kinderaugen, ausgebeutete Frauen dagegen schon. Ok, die Empörung hält nicht lange, weil einem das krankhaft geizige Sparen wichtiger ist, als die menschlichen Schicksale in zig Tausend Kilometern Entfernung.

Nicht anders ist es im Tierschutz. Bilder von geretteten und gesunden, glücklichen Tieren sind nicht wirklich spektakulär und wenig interessant. Abgemagerte, halbtote, gequälte Kreaturen hingegen kommen sehr gut an. Dann sitzt der Geldbeutel locker. Was danach aus diesen, wie ich sie nenne, "Spendenmagneten" wird, interessiert niemanden. Eigentlich ist das widersinnig, denn wenn ich etwas spende, möchte ich doch wissen, was mit meinem Geld passiert. So denken die meisten Spender jedoch nicht. Sie lieben gruselige Geschichten von armen Hunden und Katzen, fernab der Heimat, lassen sich gerne auch in den sozialen Netzwerken für ihre Spenden feiern, interessieren sich aber in keiner Weise für nachhaltige Konzepte. Tierelend ist zum Verbrauchs- und Entertainmentartikel geworden, heute gesehen, kurz gegruselt und morgen schon vergessen, denn man sucht nach dem nächsten Drama, Facebook & Co. zeigen ja ein reichhaltiges Angebot.

Kein Wunder also, dass sich mittlerweile eine regelrechte Tierschutzmafia gebildet hat, die genau diesen Effekt auszunutzen weiß. Dass man zum Spendensammeln einen anerkannten, gemeinnützigen Verein haben muss, interessiert niemanden. Auf Privatkonten werden Gelder für angebliche Notfälle gesammelt, die niemand überprüft und deren Verbleib keinen interessiert.

Wenn man anders arbeitet und sich auch noch nach zehn oder fünfzehn Jahren um die selben Tiere kümmert, denen man irgendwann einmal Hilfe und Schutz versprochen hat, interessiert das niemanden. Im Gegenteil ist ein Projekt, wie das Unsere schlicht langweilig, weil ja nicht jeden Tag Dramen passieren. Unseren Tieren geht es gut. Warum das so ist, will man erst gar nicht wissen, ist ja nicht gruselig genug ... Dass todgeweihte Kreaturen ein neues Leben bekommen haben, interessiert kaum noch und dass dieses neue Leben die Verantwortlichen, also in unserem Fall meine Frau Karin und mich, über einen sehr langen Zeitraum total bindet, kann kaum jemand nachvollziehen.

Warum ist das so???
Einfach weil sich kaum jemand wirklich den Begriff Nachhaltigkeit in seiner ganzen Tiefe und Konsequenz zu eigen macht. Die glückliche, gut bezahlte Näherin in Indien interessiert ebensowenig, wie der Hund, die Katze oder das Pferd, die ein artgerechtes Leben in Gesundheit und Freiheit führen dürfen, nachdem sie der Todesspritze nur mit knapper Not entkommen sind.

Wir werden unseren Weg der Nachhaltigkeit weitergehen und das ohne Kompromisse. Ich bin jetzt 63 Jahre alt und weiß, dass ich mich um meine/unsere Schützlinge noch mindestens 15 Jahre kümmern muss, 7 Tage/Woche und 365 Tage/Jahr, ohne Urlaub, ohne echte Freizeit. Das Meer ist nur 10km entfernt von unserer Quinta, doch ich erinnere mich nicht mehr, wann ich zuletzt am Strand war. Mit ungefähr 78 werde ich mir dann Handtuch und Luftmatratze schnappen und mich in den Sand legen, falls ich es noch kann. Das verstehen Karin und ich unter Nachhaltigkeit, oder mit den Worten meiner Oma ausgedrückt: "Wer 'A' sagt, muss auch 'B' sagen".

Auf dem Foto seht Ihr Coco und Diana, dem Tod geweiht, geboren mit nur 50% Hirnmasse und ohne Kleinhirn, kamen sie als 2 Tage alte Welpen zu uns, im Müll gefunden ... es war viel Arbeit, wir haben es geschafft und werden für sie da sein, bis sie irgendwann einen natürlichen Tod sterben, nach einem glücklichen Leben. Das sind für uns die wahren Werte des Lebens und der Nachhaltigkeit.

Donnerstag, 8. September 2016

Was bedeutet Freundschaft?

Heute ist hier kein guter Tag, denn ganz in unserer Nähe wütet ein riesiger Waldbrand und wir müssen fürchten, dass er zu uns kommt. Es wäre nicht das erste Mal. Vor Jahren haben wir schon einmal fast alles verloren und zwei Jahre später beinahe noch einmal. Sowas vergisst man nicht. Bleibt zu hoffen, dass es sich nicht wiederholt.

Ich will aber auch nicht in Angst erstarren, denn momentan können wir nichts tun, außer zu hoffen. Wir sind auf alles vorbereitet, haben einen Plan, wie wir unsere Tiere schützen können, wobei uns die Erfahrungen der vorangegangenen Katastrophen helfen. Dennoch sind wir alleine, denn auch unsere Tochter Sarah mit ihrer Quinta und vielen Tieren ist bedroht. Das Feuer ist gestern Abend ganz in ihrer Nähe ausgebrochen. Die Polizei wollte Sarah nicht einmal mehr zu ihrem Haus lassen, als sie spät nachts von der Arbeit kam. Durch einen Bekannten bei der Feuerwehr hat es dann doch noch geklappt. So können wir uns nicht einmal gegenseitig helfen, denn die einzige Straße, die in dem bergigen Gebiet zu Sarah führt, ist vom Feuer komplett eingeschlossen und gesperrt. Ist alles nicht wirklich toll, aber wir hoffen, dass sich der Wind nicht dreht und wir alle verschont bleiben.

Ich habe eine schlaflose Nacht hinter mir, auch wenn ich nicht viel machen konnte, außer den feuerroten Nachthimmel zu beobachten und nach der Windrichtung zu sehen. In so einer Nacht gehen einem viele Gedanken durch den übermüdeten Kopf. Unter anderen kamen mir plötzlich Freunde und Freundschaften in den Sinn. Ich erinnerte mich an 2001, als nachmittags unzählige Portugiesen kamen, um uns bei der Evakuierung der Tiere zu helfen und mit anzupacken. Das hat wirklich geholfen. Glücklicherweise sind wir sehr gut integriert und bei den Einheimischen auch akzeptiert. Das war ein Stück Arbeit, denn üblicherweise präsentiert sich der deutsche Auswanderer an der Algarve nicht gerade als Integrationswunder. Man gibt hier eher den Aussteiger, der vergammelt rumläuft und sich mit irgendwelchen illegalen Deals innerhalb der deutschen Community über Wasser hält. Ok, nicht alle Deutschen hier sind so, aber 90% und diese 90% werden eben auch so von den Einheimischen wahrgenommen.

Wie auch immer ... ich hab mich gefragt, welche Menschen in meinem langen Leben letztlich als echte Freunde übrig geblieben sind. Klar, Freundschaft definiert sich heute über eine Sammlung von Likes und Plus in den sozialen Netzwerken. Hat man derer nicht ausreichend, ist man uncool und out. Doch das sind nicht die Freunde, die ich meine. So oder so bleibt am Ende bestenfalls ein Dutzend Menschen, die einem freundschaftlich verbunden sind, sei es der virtuellen Realität des Social Networking oder in der materiellen Realität.

Betrachte ich mir die verbliebenen Freundschaften, dann drängt sich mir die Frage nach den Menschen auf, die ich nicht mehr zu unseren Freunden zählen kann. In der Folge macht es also Sinn, den Begriff Freundschaft für sich ganz persönlich und ganz individuell zu definieren. Ich denke nicht, dass man da allgemeingültige Parameter aufstellen kann. Wir sind alle Individuen und haben sehr wahrscheinlich auch recht individuelle Vorstellungen von Freundschaft und den Werten, die eine solche auszeichnen.
Was mich angeht, so sind vor allem Loyalität und Ehrlichkeit fundamentale Faktoren. Menschen, die solange meine Freunde sind, wie sie von mir/uns bespaßt werden, sich aber lautlos abwenden, wenn der Funfaktor fehlt, sind in meinen Augen keine Freunde. Ich kann es problemlos akzeptieren, wenn mir jemand die Freundschaft aufkündigt und sagt: "Nee, ich will mit Dir nicht mehr befreundet sein, weil es einfach nicht mehr passt." Das ist ehrlich, klar und ok. Wer aber vordergründig so tut, als wäre alles wie immer und hinten herum das Gegenteilt tut, dem fehlt es schlicht an Mut, zu dem zu stehen, was er denkt und möchte. Das finde ich traurig und unwürdig.

Freunde sind für mich die Menschen, die immer zu mir stehen, egal ob es mir gutgeht oder schlecht, ob ich gerade cool bin oder eher nicht. Es sind die Menschen, bei denen ich nicht jedes gesprochene Wort zwei Mal anschauen muss, um sicher sein zu können, dass ich das herausgehört habe, was sie wirklich meinten. Deutsch ist keine so schwere Sprache, als dass sie klare Ausdrucksweisen unmöglich macht. Ich möchte meinen Freunden vertrauen können und ihre Worte so nehmen, wie sie gesagt wurden. Sie sind die Menschen, bei denen ich keine Hintergedanken vermuten muss und mich nicht durch eine Wand falscher Freundlichkeit kämpfen muss. Ein wahrer Freund sagt mir, was er denkt, hilft mir, meine eigenen Fehler zu erkennen, mich zu verbessern und innerlich zu wachsen. Dieses Wachstum ist nun mal ein lebenslanger Prozess. Wahre Freunde können sich gegenseitig dabei helfen, ihn erfolgreich zu absolvieren, indem sie füreinander da sind, ehrlich zueinander sind und verlässlich.
Der Mensch kann sich nur in seinem sozialen Umfeld entwickeln und verbessern. Wir sind nun mal soziale Wesen und brauchen einander. Die Basis aber muss Ehrlichkeit und Offenheit, aber auch Respekt sein. Ich bin dankbar dass wir moderne Medien haben, die uns nicht zwingen, Freundschaften per Brief aufrecht zu erhalten, gerade wenn man, so wie wir, runde 2.500km von zuhause weg wohnt. Ich sehe diese Medien aber als Hilfsmittel und nicht als Ersatz für Freundschaft und glaube auch, dass man ganz selten über diese Medien wahre Freunde finden kann. Ein Ersatz sind sie für mich auf keinen Fall, zumal sich die Teilnehmer ja sehr gerne hinter obskuren Pseudomymen verstecken, was wohl das größte Problem im Social Networking ist. Jeder kann völlig losgelöst von ethischen Grundsätzen tun und lassen was er will, ohne Konsequenzen.

Wir sind glücklich und dankbar, für die wenigen echten Freunde, die seit ewigen Zeiten hinter uns stehen, uns Mut machen und immer da sind, wenn man einen wahren Freund zum Herzausschütten braucht. Dies ist für mich das höchste Gut zwischenmenschlichen Seins und ich bin dankar dafür, es gefunden zu haben, vor allem aber den ganz wenigen Menschen, denen ich 100%ig vertrauen kann, es ist nicht mal eine Handvoll, aber das ist mehr, als mancher mit seinen hunderten Freunden in den sozialen Netzwerken hat.

Auf dem Foto seht Ihr unsere behinderte Coco mit ihrem allerbesten Freund für´s Leben, dem BabyBub. Das untere Foto habe ich gerade aufgenommen ...