Montag, 3. Oktober 2016

Die 1%ige Chance

Wie komme ich auf diese Überschrift? Eher durch Zufall, denn ich arbeite gerade am Band II von Himmelswölfe und bevor man losschreibt, ist es immer sinnvoll, sich eine Struktur zu überlegen, damit das Buch nicht ins Kraut schießt und am Ende den Leser mehr verwirrt als erreicht.

Ich war ja echt "geflasht" -  um´s mal in der Sprache der Zeit zu sagen - dass ich so viel positives FeedBack bekommen habe. Manche haben Band I in einem Ruck gelesen, Nächte damit zugebracht weil es sie nicht mehr losgelassen hatte. So soll es sein und da arbeitet man dann auch gerne an seinen Werken. Viele unterschätzen ja das Schreiben und meinen, es sei eine eher entspannende und leichte Tätigkeit. Ich muss sagen, dass es eine wirklich anstrengende Arbeit ist. Der Kopf, also das Denken, verbraucht extrem viel Energie und damit auch Kalorien. Ok, man möge bitte daraus jetzt keine Schlüsse über seine Mitmenschen ziehen!!!

Doch zurück zum Thema: Himmelswölfe basiert ja auf meiner Biographie, also dem was ich hier in Portugal seit 20 Jahren erlebe, wie ich mein Leben gestalte und eben auch das Projekt, für das ich "twentyfourseven" - wie man es modern ausdrückt - arbeite. Dass in meinem Leben, warum auch immer, sehr viele mystisch anmutende Aspekte eine Rolle spielen, spiegelt sich in meinen Büchern wieder. Mancher könnte sie in die Kategorie Fantasy einordnen und würde sie dennoch lieben. Aber die Geschichten, die ich zu erzählen habe, sind real, so passiert und Teil meines Lebens.

Der Kern dessen, was ich hier bewege - wobei ich das Wort Ich nicht mag, denn es ist ein Wir, ein Karin und ich, ohne das nichts ginge -, dreht sich ja um die Erhaltung von Natur und Leben. Das Leben an sich ist ein Wunderwerk und so komplex, dass es mir buchstäblich jeden Tag ein Staunen abnötigt. Klar ich lebe "volle Kanne" inmitten der Natur, sehe wunderbare Wildtiere, vom kleinsten Käfer bis zur Smaragseidechse, Schlangen, Mungos, Füchse, Wildschweine usw. Komischerweise zeigen sie sich auch und verstecken sich nicht, wenn ich in unserem einsamen Tal arbeite. Selbst die Hunde respektieren die anderen Tiere, jagen sie nicht, töten sie nicht, verletzten sie nicht. Letztens brachte Alphahünding Rosa mir ein totes Häschen und sah mich dabei ganz traurig an. Das Kleine war an Myxomatose gestorben, offenbar wollte Rosa, dass ich es beerdige, was ich getan habe.

Die Natur hat ihre Regeln. Bisweilen sind es Regeln, die auch ich nicht auf den ersten Blick verstehe. Dennoch muss man sich nur ein wenig einfühlen, schon öffnet sich das Buch der Naturgesetze  und man hat kein Problem dem Handlungsfaden zu folgen.
Ein Prinzip in der Natur ist die 1%ige Chance, die jedes Lebewesen, jede Art bekommt, etwas Neues aufzubauen, sich fortzupflanzen, sich zu behaupten. Welche Chance hatte denn unser Planet vor Millionen Jahren, als es keine Atmosphäre gab, alles wüst und leer war??? Ich denke, es war weniger als die 1%ige Chance, dass ausgerechnet hier Leben entstehen konnte, doch es entstand und förderte eine Vielfalt zutage, die mich jeden Tag auf´s Neue fasziniert.

Wenn man sich dieses 1% Prinzip zu eigen macht, kann man einiges bewegen. Ok, manchmal braucht man die Hilfe von Kräften und Wesen, die sich nur schwer fotografieren, geschweige denn anfassen lassen. Letztlich ist es der Glaube an die 1%ige Chance, die mich tagtäglich für das Leben kämpfen lässt. Wir sind ja mittlerweile bekannt dafür, dass wir uns um die aussichtslosen Fälle kümmern, dass wir für die da sind, die ansonsten durch´s Raster fallen. Die Meisten unserer Schützlinge hatten nur eine 1%ige Chance und genau auf dieses 1 Prozent kommt es an. Glaubt man daran, schafft man es und es gelingt die anderen 99% beiseite zu schieben.

Doch ich denke, dass man dieses Prinzip auch für seinen gesamten Lebensentwurf anwenden sollte. Man kann das angebliche Unmögliche nur möglich machen, wenn man an das 1% glaubt und sich auf den Weg macht, es zu finden. Ich habe gelernt, dass man genau dann, wenn man es wirklich will und alles daransetzt auch die Hilfe von besagten Wesen und Kräften bekommt, die man braucht, um seine Ziele zu erreichen. Früher stand ich solchen Gedanken eher skeptisch gegenüber. Sicherheit ging mir über alles, Risiko war ok, aber nur im überschaubaren Rahmen. Warum das so war??? Einfach weil mir der Glaube an dieses Prinzip fehlte, ich es nicht kannte und stattdessen die Angst vor dem Misserfolg mein Leben prägte. Ich hatte zwar als Unternehmer einiges erreicht, aber stets auf dem Boden der Sicherheit und absoluter Ratio. Mit Ratio und Sicherheitsdenken, mit Angst vor dem Scheitern jedoch erreicht man wenig, wenn man wirklich Leben retten will und sein Leben dem Erhalt der Natur gewidmet hat. Für ist der Glaube an das 1% bestimmend für mein tägliches Handeln. Ich bin damit in den letzten 20 Jahren weitergekommen, als in den 43 Jahren davor und diese Tatsache schenkt mir die Kraft, genau diesen Weg auch weiterhin zu beschreiten.

Auf dem Foto seht Ihr unsere Paula. Vor Jahren fand man sie auf einer Müllhalde. Sie konnte nicht laufen, war schon alt, hatte schwere Arthrose in den Gelenken und den Bauch voller Babys, die zum Teil bereits tot waren. Wir kämpften um ihr Leben. Sie lernte, wieder zu laufen, Spaß am Leben zu finden und integrierte sich in unser großes Rudel. Sie wurde zur Respektsperson und führte ein fröhliches, freies Leben. Es war ein langer Weg, bis es soweit war, aber wir glaubten an genau dieses 1% Chance, dass sie noch schöne Jahre bei uns haben würde und so kam es auch.


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