Nein, nicht das, was Ihr auf dem Foto seht, denn das ist ein echter Grund zur Freude und zum Jubeln!!!
Für alle diejenigen, die womöglich denken, ich hätte da ein Foto vom Weltraumteleskop Hubble gepostet .... nein, es ist kein Foto aus dem All, aber aus dem Universum ist es schon, nur eben aus einem kleinen Universum, nämlich dem Universum, das neues Leben hervorbringt.
Kurzum ... mein Enkelchen Shantala bekommt ein Geschwisterchen, dem wir mal den vorläufigen Namen Pedro gegeben haben. Klar wissen wir noch nicht, was es wird, aber ein Junge wäre schon cool, finde ich ... im Gegensatz zu meiner Tochter Sarah, die lieber ein Mädchen hätte, weil sie schließlich noch alle Sachen für Mädchen hat. Für einen Pedro müsste sie alles neu kaufen und das ist, zugegebenermaßen, etwas schade. Dennoch, ein Bub wäre schon klasse, weil ich halt auch viele Sachen für Jungs habe, z.B. eine riesige Carrera Bahn, die ich seit meiner Kindheit rumschleppe und immer wieder erweitert hatte. Das Tolle ist, dass Carrera zwar modernisiert hat, aber die uralten Sachen noch immer funktionieren und kompatibel sind. Mangels Zeit staubt sie allerdings ein und ich erinnere mich gar nicht mehr dran, wann ich zuletzt gespielt habe. Anderes Spielzeug für echte Jungs habe ich auch noch, aber ich sollte nicht schreiben, was es ist, sonst meint Ihr womöglich noch, ich sei ein Macho ...
Befremdlich fand ich das Ansinnen des Arztes nach der ersten Untersuchung. Das Herzchen des neuen Lebens hat gerade angefangen selbständig zu schlagen und damit ist auch klar, dass hier ein eigenständiges Leben heranwächst. Nun riet der Arzt - ohne besonderen Grund oder irgendwelche Anhaltspunkte - zu einem Gentest, um zu prüfen, ob das neue Leben vielleicht nicht ganz so perfekt ist, wie man es sich wünschen würde. U.a. sollte ein Down Syndrom ausgeschlossen werden, denn falls irgendwas nicht stimmen würde, könne man jetzt ja noch "eingreifen" ... will sagen, man kann es noch entsorgen ...
Ich habe mich in meinem Buch "Retro 2032 - Sie vergaßen das Gestern", sehr intensiv mit der Gentechnik beschäftigt und weiß daher, was heute schon möglich ist. In einem Roman kann man derartige Dinge aufgreifen, ggf. anprangern und Positionen beziehen, anhand einer fiktiven Geschichte. Wenn diese Geschichte dann aber nicht mehr fiktiv ist, sondern real, wird´s echt erschreckend. Logischerweise hat Sarah jegliche Gentests abgelehnt und klar gesagt, dass sie das Kind auf jeden Fall bekommen würde, egal ob ein "Defekt" vorläge oder nicht. Meine Tochter und ich denken da absolut gleich. Es geht hier um ein lebendiges Wesen und nicht um einen Gebrauchtwagen.
Befremdlich fand ich auch, dass es hier absolut üblich ist, diese Tests zu machen und danach eben zu entscheiden ob Mülleimer oder nicht. Portugal ist ein extrem katholisches Land und bisher dachte ich immer, dass diese Religion vor allem das Leben schützt ... Es scheint zwar so in den Lehrbüchern zu stehen, aber im Alltag wird es wohl anders gehandhabt, trotz voller Kirchen. Irgendwie finde ich es erschreckend, dass es wieder einmal einen Trend gibt, zwischen wertem und unwertem Leben zu differenzieren. Ok, heute macht man das etwas subtiler, als vor 75 Jahren, aber dadurch wird es ja nicht besser. Ich staune immer wieder, wie wenig die Menschheit - trotz gegenteiliger Beteuerungen - aus der Vergangenheit lernt. Eugenik ist weiter verbreitet, als man vermutet und es hat eine regelrechte Zucht begonnen, indem man bereits ungünstige Gene vermeidet und neues Leben, das evtl. solche Gene in sich trägt, gleich mal entsorgt. Irgendwie denkt man immer, das gäbe es nur in den USA und in Südkorea, aber doch nicht in der mega Wertegemeinschaft Europa, wo wir doch alle vor lauter Werten nur so triefen und mahnend, als Oberlehrer der Welt, den Finger erheben, wenn es woanders so aussieht, als habe man andere Werte. Ok, um Werte geht es in Wirklichkeit nur sehr selten, dafür aber um Macht und wirtschaftliche Interessen, wie man am Verhalten der EU gegenüber der Türkei sehen kann.
Ich finde es ein Unding, einer jungen, werdenden Mutter gleich mal mit der potentiellen Entsorgung unwerten Lebens zu kommen, obwohl es nicht mal den kleinsten Anhaltspunkt gibt. Selbst wenn es Anhaltspunkte gäbe, fände ich es fragwürdig. Sarah freut sich auf ihr Baby und diese Freude sollte nicht durch künstlich geschürte Ängste getrübt werden ... ihr Frauenarzt ist übrigens Deutscher ... lebt aber schon ewig hier .... Eigentlich ist es ein netter Kerl, hat auch Shantala gut auf die Welt gebracht, aber dennoch hat er sich angepasst und ich sitze kopfschüttelnd da und frage mich, in welcher Welt ich eigentlich lebe.
Überall wird gegen Ausgrenzung, gepredigt, Inclusion ist zum Trend geworden (berechtigterweise!!!), Barrierefreiheit wird angestrebt, aber gleichzeitig sortiert man schon kräftig aus und sieht zu, dass nur die "guten Gene" sich durchsetzen. Irgendwie erinnert mich das an jemanden, den wir alle sehr gut kennen und von dem alle behaupten ... es dürfe nie wieder passieren ... aber es passiert und zwar hier und jetzt, in unserem Alltag. Ich kann sagen, dass Tests und Aussortieren zumindest in Portugal echt trendy sind ... erschreckend, oder???

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