Dienstag, 27. September 2016

Treue ein veralteter Wert???

Ich würde von mir nicht unbedingt behaupten, dass ich konservativ oder gar altmodisch bin, trotz meines Alters. Dennoch finde ich, dass es im Leben bestimmte Werte gibt, die nie wirklich altmodisch werden oder sich "totlaufen". Die Treue ist einer dieser Werte. Ich finde die Werthaltigkeit dieses Wortes sehr facettenreich und sehe sie als einen der Grundpfeiler unseres sozialen Zusammenlebens. Hier drei Beispiele aus unzähligen:

Treue zu sich selbst
Das ist in meinen Augen eine entscheidende Grundlage für das gesamte Leben. Wer sich selbst nicht treu bleibt und sein Fähnchen in den Wind hängt, der mag damit sogar vordergründig Erfolg haben, er verliert aber sich selbst und seine Identität. Im Laufe des Lebens - vor allem in den ersten zwanzig Jahren, findet man sich selbst, indem man sein Wertesystem definiert. Ok, bisweilen kann das auch länger dauern, denn die Lebenserfahrungen tragen ebenfalls viel dazu bei. Zweifellos korrigiert man auch bisweilen bestimmte Haltungen, doch das, was man tief in sich spürt, kann und sollte man nicht korrigieren. Der Charakter des Menschen setzt sich aus Werten zusammen, den Werten, die er spürt und die ihm nicht von außen aufgedrückt wurden.
Erziehung von Kindern besteht natürlich auch aus der Vermittlung von Werten, doch ich habe als Vater festgestellt, dass es vor allem darum geht, in seinem Kind das zu wecken, was es bereits mit der Geburt in dieses Leben mitgebracht hat. Es ist nicht einfach zu erkennen, was die kleine Seele bewegt und das Kind dabei zu unterstützen, genau das in sich zu erspüren und zu leben, was ohnehin in ihm schwingt. Kinder zum Oportunismus zu erziehen und das dann mit dem Begriff "realistisch" zu ummanteln, halte ich für wenig zielführend.
Ich habe versucht, meine Aufgabe als alleinerziehender Vater entsprechend umzusetzen. Heute ist Sarah 32 Jahre alt und ich denke, es ist mir gelungen. Mehr noch als das, hat Sarah auch mich inspiriert, mich Dingen zuzuwenden und meine Prioritäten so zu verlagern, dass das entstehen konnte, was heute hier als Naturschutzprojekt entstanden ist. Letztlich ist mein Kind sich treu geblieben und sie hat dafür gesorgt, dass ich es auch tue.
Mein Wertesystem war schon von Kind auf klar definiert. Es war nicht einfach, mich gegen die Werte meiner Eltern durchzusetzen, deren Weltbild komplett kontrovers zu meinem stand. Letztlich kehrte ich mit 17 meinem Elternhaus den Rücken und baute mir ein eigenes Leben auf, ohne Hilfe, aber auch ohne Bevormundung. Klar ... dabei gingen mir alle Vorzüge verloren, die man als Unternehmerkind so haben könnte, aber es war es mir wert und ich brach den Kontakt komplett ab. Es war mir wichtiger, mir selbst treu zu bleiben, auch wenn ich damals nicht wirklich in Worte kleiden konnte, was das wirklich bedeutet. Enstcheidend war, was ich fühlte und was ich als richtig und als falsch empfand. Das zog sich dann auch als roter Faden bis heute durch mein Leben.


Treue zu einem gegebenen Wort
Das ist etwas, was scheinbar ziemlich aus der Mode gekommen zu sein scheint. Die Politiker leben es uns vor, sprechen aber von einer Wertegemeinschaft, die Europa zusammenhalten soll. Heute einen Standpunkt zu haben, der morgen schon wieder nicht gilt ... das kann´s meiner Meinung nach nicht sein.
Auch im privaten Bereich zählt häufig das gegebene Wort nichts mehr. Ich habe es sehr oft erlebt, dass jemand etwas versprochen hat und es letztlich nicht hielt. Im Falle unseres Projektes hatte das bisweilen fatale Folgen, weil wir uns auf ein gegebenes Wort verlassen haben, entsprechend planten und plötzlich löste sich alles in Luft auf, während wir im Regen standen.
Dennoch hat es weder meine Frau Karin, noch meine Tochter Sarah, noch mich davon abgebracht unseren Weg zu gehen, egal wie schwierig es auch gewesen sein mochte. Wir haben mit dem Projekt ebenfalls ein Wort gegeben und zwar der Natur und den Tieren und dieses halten wir auch, komme was da wolle.
Als besonders schwierig erwies sich dieser Kurs, wenn es darum ging, zu definieren was Tier- und Naturschutz wirklich bedeutet. Dass ich/wir dem "üblichen" Tierschutz sehr kritisch gegenüberstehen, hat sich ja mittlerweile herumgesprochen. Warum das so ist??? Nun es hat einerseits mit der Treue zu sich selbst und den eigenen Werten zu tun und zum Anderen mit dem gegebenen Wort. Jedes Lebewesen, dass bei uns Schutz sucht, bekommt ihn auch und damit ein Versprechen, dass wir für es sorgen werden, bis zu seinem natürlichen Gang über die Regenbogenbrücke. Wir schätzen das Leben als höchsten Wert ein, wie ich es bereits an anderer Stelle beschrieben habe. Das ist einer der Werte, dem wir die Treue halten und damit unseren Tieren Schutz, Geborgenheit, Liebe und Würde schenken können.
Mit so einer Einstellung macht man sich unter sog. "Tierschützern" nicht gerade beliebt, aber auch die Unterstützer/Spender/Paten, auf die auch wir angewiesen sind, werden häufig davon abgeschreckt. Natürlich ist es aus der Ferne oft schwer zu verstehen, was man fühlt und wie man tickt, wenn man mit so vielen Tieren in freier Natur wirklich zusammenlebt und alles mit ihnen teilt - also ich meine damit Freude und Leid, Angst und Mut, Trauer und Neugierde.
Es wäre auch für uns wesentlich bequemer auf den Zug aufzuspringen, dem Erlösungswahn mit der Todesspritze zu folgen, leidvolle Bilder zu posten und gutes Entertainment zu bieten. Die Spenden würden fließen und wir wären im Mainstream. Damit aber würden wir uns selbst untreu und würden das Wort brechen, dass wir allen Lebewesen hier gegeben haben.
 
Treue zum Partner
Das ist natürlich das naheliegenste Thema und es ist genau das Thema, das mir dann eben doch zeigt, dass ich irgendwie alt geworden bin. Ich stehe nach wie vor dazu, sehe im OneNightStand keinen Sinn und in WebSiten wie "Fremdgehen24" oder "Abenteuer18" wenig Werthaltiges. Nein, ich bin nicht prüde, auch nicht verschroben, eher im Gegenteil, aber ich sehe auch nicht, warum man nicht treu sein kann und gleichzeitig aufgeschlossen. Die Treue zum Partner basiert auf Vertrauen und dem gegebenen Wort, egal ob auf dem Standesamt oder bei einem romantischen Abendessen mit anschließender erster Liebesnacht.
Wenn ich meinem Partner treu bin, dann bin ich auch mir selbst und meinem Versprechen treu. Damit schließt sich der Kreis in meinen Augen. Ich sage damit nicht, dass Beziehungen nicht auch auseinander gehen können. Die Frage ist nur wie? Trennung wegen Untreue ist in meinen Augen inakzeptabel und verletztend. Es gibt ehrliche Wege, sich über den Status klarzuwerden und entsprechend fair zu agieren, ohne sich selbst und seine Werte zu verraten. Allerdings denke ich auch, dass es extrem wichtig ist, sich genau zu überlegen, was man verspricht und zu prüfen, ob man auch halten kann, was man da von sich gibt.
Was die Treue -auch zum Partner - angeht, so sieht es meine Tochter Sarah genauso wie ich. Das Erstaunliche allerdings ist, dass ich sie nie in diese Richtung bewusst erzogen habe. Sie hat ihren eigenen Weg gefunden, dem sie treu bleibt. Umso schöner für mich fühlt es sich an, dass er sich mit meinem Weg deckt.

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