Montag, 24. Oktober 2016

Heile Welt vs. Realität???

Dieses Thema fiel mir schon vor längerer Zeit auf die Füße, als die 2. Auflage meines Buches "Retro 2032 - Sie vergaßen das Gestern" auf den Markt kam. Ich bekam nicht wenige Zuschriften, die mein Buch zwar toll fanden und auch spannend, aber "viel zu realistisch und zu zeitnah". Vor allem jüngere Menschen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren meinten, sie wollten sich mit diesen hochaktuellen Themen lieber nicht beschäftigen, da sie ihnen Angst machen und man ja sowieso nix ändern könne, da die Politik eh macht, was sie will.

Zuerst war ich geschockt, musste unwillkürlich den Kopf schütteln und verstand diese Haltung nicht. Das änderte sich jedoch beim 2. Hinsehen.
Als ich das Buch 2012 schrieb, waren viele Ereignisse zwar vorhersehbar, aber noch nicht eingetreten. Die Leute lasen das Buch also als eine prickelnde Fiction, knapp an SiFi vorbei. Die 2. Auflage erschien dann 2015 und siehe da, es war kein SiFi mehr, sondern in Teilen bereits Realität, was ich so bald auch nicht erwartet hatte. Genau diese Realität, in der wir ja mittlerweile leben müssen, führt offenbar dazu, dass sich nicht wenige Menschen eher zurückziehen, die Augen verschließen und sich ihre eigene, kleine heile Welt basteln, in der sie leben wollen.

Ja, mir ist schon klar, dass es auch ganz viele Menschen aller Altersklassen gibt, die anders denken und das macht auch Mut. Außerdem sehe ich auch nicht unbedingt einen Widerspruch darin, sich seine eigene, kleine heile Welt zu bauen, in der man nach seinen ganz persönlichen ethischen Regeln lebt, ohne dabei den Blick auf die Realität zu verschließen bzw. sich ganz von ihr abzuwenden. Ich habe für mich Wege gefunden, beides miteinander zu verbinden, doch es war ein Lernprozess. In dem was wir/ich hier tun, können wir ja den Blick vor der Realität gar nicht verschließen, denn wir werden mit Grausamkeiten konfrontiert, die teilweise unvorstellbar sind. Das hat auch zur Folge, dass wir häufiger, als uns lieb ist, mit dem Tod umgehen müssen, eine Erscheinungsform der Realität, der letztlich niemand entkommen kann.

Mein Ziel war es schon immer "ein Zeichen zu setzen", um es mal modern auszudrücken. Dieses Zeichen galt vor allem unseren Schützlingen, denen ich eine heile Welt anbieten möchte, in der sie sich von den Traumata der Realität erholen und friedlich leben können. Natürlich gilt dieses sprichwörtliche Zeichen auch den Menschen, die das Leid verursachen und damit meine ich nicht nur Tierquäler, Sadisten oder unachtsame Autofahrer, die angefahrene Tiere einfach liegenlassen. Gemeint sind auch Menschen, die aus dem Leid Anderer (egal ob Mensch oder Tier) ihren persönlichen Profit ziehen und dabei in Kauf nehmen, dass sie das Leid vergrößern, statt es zu lindern.

Mit einem Wort: ich bin tagtäglich mit dem Spannungsfeld aus "Heiler Welt vs. Realität" befasst. Wir/ich haben uns hier eine heile Welt geschaffen, eine Welt mit ganz eigenen Regeln, vor allem mit einer Struktur im Zusammenleben von Mensch und Tier, die von sog. Fachleuten als unmöglich angesehen wurde. Ich habe stets an genau das geglaubt und es letztlich auch umsetzen können. Auf dem Bauernhof, also unserer Quinta, mit dem weitläufigen wilden "Tal der Raben", entstand eine kleine heile Welt, in der ein friedliches Miteinander möglich ist, in der die Natur den Respekt erfährt, den sie verdient und in der wir beiden Menschen selbst zu einem Teil der Natur geworden sind.

Was wird aus Menschen, die so leben???
Nun, ich bin nicht der vollbärtige, ungewaschene und wortkarge Einsiedler, der abends am Kamin seine Pfeife raucht und selbstgebrannten Fusel trinkt, während er tiefsinnig in die Flammen starrt. Meine Frau Karin ist auch nicht die schmuddelige Einsiedlerin im langen Kleid, dem selbstgestrickten Pulli und den schlampig zusammengebundenen Haaren, die ihren Hippiejahren in den 70ern nachtrauert.
Im Gegenteil sind wir weltoffene Menschen, die sich keineswegs angewidert wegdrehen, wenn die Politik mal wieder völlig daneben ist und Dinge tut, die der normal denkende Mensch kaum nachvollziehen kann. Wir sind gut informiert und engagiert, wir haben klare Standpunkte, beschäftigen uns mit den aktuellen Themen, belassen es aber nicht beim Meckern am Stammtisch, sondern versuchen, etwas zu verändern, wenn auch im Kleinen, denn zwei relativ alte Menschen können sicher nicht die Welt aus den Angeln heben.

Unsere Arbeit ist kräfteraubend, körperlich sicherlich auch, aber vor allem die Psyche leidet doch sehr, angesichts des Leids, mit dem wir konfrontiert werden. Sieht man dann Leid im Fernsehen, so trifft es einem umso tiefer, denn man kennt das, was Helfer in der 3. Welt berichten, die sich um hungernde, kranke Menschen/Kinder kümmern. Menschliche Armut und Leid erleben wir auch hier  am laufenden Band, nur leider interessiert es niemanden und es wird kaum darüber berichtet. Selbst die Berichte über die Armut in Griechenland sind ja von Brexit, Türkei, IS & Co verdrängt worden. Wir kennen erst recht die Gefühle der Menschen, die z.B. in Afrika gegen das Abschlachten von Nashörnern und Elefanten kämpfen und immer wieder mit verstümmelten und geschundenen Kadavern konfrontiert werden. Aktuell wird wieder gegen das Abschlachten von Walen gekämpft, doch ausgerechnet das politisch korrekte und umweltbewusste Norwegen stellt sich mit aller Kraft gegen dieses sinnlose und grausame Töten.
All das und noch Vieles mehr prägt die Realität um uns herum, die wir nicht ignorieren sollten, denn wir können sie nur verändern, wenn wir informiert sind, die Fakten kennen und nicht einfach irgendwelchen Sprücheklopfern hinterher rennen. Letztlich liegt es doch an uns, die Welt so zu gestalten, wie wir in ihr leben wollen. Wir müssen eben nur informiert sein, um wirklich den eigenen Standpunkt definieren zu können. Bisweilen kommt es mir so vor, als seien Medien und Internet kontraproduktiv zur Informationsvielfalt, denn Versimplifizierungen, populistische Reduzierungen komplexer Zusammenhänge nehmen zu, obwohl es ein Leichtes geworden ist, sich umfassend zu informieren. Damit wären wir wieder bei dem, was ich zu Beginn dieses Posts geschildert habe.

Genau deswegen ist es so wichtig, dass jeder sich seine eigene kleine heile Welt schafft, die ihm Kraft gibt, die ihm eine Rückzugsmöglichkeit schenkt und die er ganz nach seinen Vorstellungen gestalten kann. Hier können wir uns selbst am besten definieren, herausfinden, was wir wirklich für unsere Welt wollen. Erst dann können wir den Kopf wenden und der Realität ins Auge sehen, um sie umzugestalten. Meine heile Welt besteht aus 2 Elementen:
1. meine Familie, bestehend aus den klassischen Komponenten Frau, Kind, Hund, Enkelchen und Schwiegersohn
2. mein Zuhause bestehend aus reichlich Natur, einem wild lebenden Hundeclan mit 4 Rudeln, nebst anderen Tieren, die aus Notsituationen zu uns gekommen sind und vielen Gumminasen, die tagtäglich unserer Unterstützung und Pflege bedürfen, weil sie alt und krank sind.

Naja und das Schreiben ist eben meine zweite Berufung, ebenso wie die meiner Frau Karin. Wir wollen das, was wir erleben, denken und fühlen, mit der Welt teilen und auch über das Wort dazu beitragen, dass sich die Dinge ändern. Mag sein, dass an einem fernen Tag die heile Welt und die Realität keine Gegensätze mehr sind. Daran zu glauben, sollte man nie aufgeben.

P.S. Die Fotos zeigen einen Teil unseres Hundeclans am Abend, wenn es aus dem Tal zur Fütterung geht, die übrigens auch bei 90 Tieren stets friedlich abläuft.




















Sonntag, 16. Oktober 2016

Träumen sollte man folgen

Nein, ich meine jetzt nicht die Träume, die einen nachts begleiten, wobei das sicherlich ein interessantes Thema ist, wie ich aus eigener Erfahrung berichten kann. Mir geht es in diesem Beitrag um die Träume, die man für sein Leben, seine Zukunft und seine Leidenschaften entwickelt. Modern nennt man sowas wohl "Lebensentwurf", was mir allerdings schon wieder zu verkopft gilt, denn man kann sein Leben nicht am Reißbrett entwerfen, sofern man lebendig bleiben will.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man seinen Lebenstraum immer im Focus behalten sollte, egal was einem die Mitmenschen, Eltern oder Freunde auch dazu sagen. In einer Angstgesellschaft, in der wir zweifellos leben, werden Träume gerne als Gefahr angesehen, weil sie unrealistisch erscheinen und womöglich Gefahren bergen. Man könnte ja scheitern, der soziale Abstieg droht, das finanzielle Desaster ... usw. Deswegen ziehen es viele Menschen vor, die Träume der Jugend und des frühen Erwachsenenalters aufzugeben und sich lieber der "Vernunft" und dem "Soliden" hinzugeben. Logisch dass dann, in den späteren Jahren, Frust und Unzufriedenheit folgen, die bisweilen auch in wirklich unvernünftigen Reaktionen ihren Niederschlag finden. Fruist und Unzufriedenheit prägen daher auch unsere Gesellschaft, die Gesellschaft des Neids, des sich gegenseitig Niedermachens und der Abwerstens Anderer.

Mein Weg war das nicht. Ich hatte schon als Kind und Jugendlicher den Traum, in der Natur zu leben, war von der Pflanzen- und Tierwelt fasziniert und hasste Großstädte. Die Bücher von Jack London - "Ruf der Wildnis" oder "Wolfsblut" haben mich fasziniert. Ich habe die Bilder immer in meinem Kopf und meinem Herzen bewahrt und sie gepflegt, auch wenn mein Leben zuerst einmal einen ganz anderen Weg einschlug. Ich war Realist genug, um zu wissen, dass man nicht einfach nach Canada auswandern kann, eine Blockhütte bauen und dann Bären und Wölfe jagen. Derartiges scheitert bei mir schon daran, dass ich niemals ein Tier töten könnte. Naja und von einem veganen Biohof in der canadischen Wildnis hat man eher selten gehört. Es ist auch nicht entscheidend, ob man nun ganz genau dem nacheifert, was man mal gelesen oder im Film gesehen hat. Für mich war immer das Gefühl wichtig, das sich tief in mir an die Bilder knüpfte, denn letztlich sollte das Gefühl, die Leidenschaft und die Liebe zu etwas regieren und nicht Bilder aus Hollywood, die einem etwas sugerieren. Genau dieses Gefühl habe ich mein Leben lang im Herzen bewahrt, ohne zu wissen, wie es mich zu einer realen Umsetzung führen würde. Es war auch nicht wichtig, denn als fühlendes Wesen, sollte man sich weder von vorgefertigten Bildern Anderer leiten lassen, noch von den Meinungen der Mitmenschen. Bilder oder Szenarien aus Filmen sind letztlich doch der Ausdruck dessen, was ein anderer Mensch fühlt. Es mag sein, dass sich das in Teilen, ggf. auch in weiten Teilen, mit meinen eigenen Gefühlen deckt, letztlich aber kann es nie eine 100%ige Deckungsgleichheit geben. Wir sind allesamt Individuen, was leider gerne vergessen wird. Der Mensch ist kein "Massenphänomen" und kann/sollte auch nicht gleichgeschaltet werden, auch wenn es der aktuelle, politische und soziale Trend ist. Gefühle sind nur rudimentär in Worte zu fassen, vor allem aber sind sie absolut individuell und einzigartig bei jedem Menschen anders. Wenn 100 Naturliebhaber ein tolles Naturfoto gezeigt bekommen, verknüpfen sie dennoch 100 verschiedene Gefühle damit, abhängig von Erziehung, Erfahrungshorizont, Vorlieben und Wahrnehmungsfocus. Klar, am Ende werden sie alle sagen: "super, soooo schön, da möchte ich jetzt auch sein", aber das beschreibt nur ansatzweise ihre wahren Gefühle, die sich nun mal nicht in Worte fassen lassen.

Als der Tag kam, an dem sich mein Leben radikal verändern sollte und ich meinen Traum ausleben durfte, leiteten mich keine Bilder aus Jack Londons Romanen, sondern Gefühle. Ok, ich stand in der Wildnis mit meinem Geländemotorrad, irgendwo im Hinterland der Algarve, während eines Urlaubs. Dann aber sah ich etwas, in einem locker bewaldeten Tal und meine Gefühle brachen durch, verbanden sich mit dem realen Bild vor meinen Augen und ich wusste, dass ich angekommen war. Ich sah mein heutiges Zuhause, diesen uralten Bauernhof, sah ein wildromatisches Tal, zirkelte mein Motorrad über einen schmalen Bergpfad zu dem, in meinen Augen wunderschönen Haus und hatte das Ziel meines Traumes erreicht. Ich spürte, dass dies nicht nur mein Zuhause werden würde, sondern auch das Ziel all meiner Träume war: altes, historisches Gemäuer, eingebettet in eine ziemlich unberührte und wilde Natur.

Man sollte seine Träume bewahren, wie einen Schatz und sie solange mit sich herumtragen, bis das Schicksal eine Tür aufstößt und einem den Weg weist, sie zu erfüllen. Träume zu leben bedeutet für mich, zu fühlen wo der eigene Platz auf dieser Welt ist. Ich bin davon überzeugt, dass wirklich jeder seinen individuellen Platz finden kann, solange er tief im Herzen den Schatz seiner Träume schützt und ihn niemals vergisst. Letztlich machte es für mich keinen Unterschied ob Blockhütte in Canada oder historischer Bauernhof an der Algarve, denn mein Herz sagte mir, wo ich richtig war und genau da lebe ich bis heute.

Es war dann die logische Konsequenz, dass sich reichlich Tiere in mein Leben gesellten, die des Schutzes bedurften. Diese Welt besser zu machen, gehörte auch zu meinen Träumen und die dazu notwendige Opferbereitschaft ist wohl Teil meines Charakters.
Ok, dass genau dieser Teil auch zum Alptraum werden kann, gehört wohl dazu. Jedes Leben muss zwangsläufig aus zwei Seiten bestehen, denn unsere ganze Welt ist nun mal dual angelegt. Für mich war es der Alptraum, mehr Leid zu sehen, als ich mir bis dato vorstellen konnte. Erweitert wurde der Alptraum dann noch durch einen Blick in die Abgründe menschlichen Handelns. Ich muss zugeben, dass mich genau das sehr verändert hat. Auch wenn man weiß, dass nicht alle Menschen Engel sind, so ist man doch schockiert zu erleben, dass vor allem der "Normalo", Schatten in sich trägt und auch auslebt, die man für undenkbar gehalten hätte. Es ist eben ein Unterschied, ob man bestimmte Dinge im Fernsehen sieht oder selbst live erlebt. Mein Menschenbild hat sich gewandelt, obwohl ich noch immer an das Gute glaube, habe ich jede Naiviät abgelegt und auch mein Vertrauen in Menschen ist massiv geschwunden. Früher habe ich nie verstanden, wie jemand im KZ tagsüber hunderte Menchen misshandeln und töten konnte, um dann abends zuhause mit Frau, Kindern und Schäferhund gemütlich beim Abendessen sitzen und später den Kleinen eine Gutenachtgeschichte vorlesen konnte. Mittlerweile habe ich begonnen, diese Mechanismen zu begreifen, ohne sie wirklich zu verstehen, aber das will ich auch gar nicht.

Träume zu leben bedeutet bei Weitem nicht, das permanente, dauerhafte Glücklichsein, eher im Gegenteil. Es bedeutet in meinen Augen aber, dass man seinen tiefen inneren Gefühlen zum Durchbruch verhilft und authentisch lebt, fern von künstlicher, aufgesetzter Angepasstheit und Verlogenheit. Meine Träume zu leben, bedeutet für mich, mich einer grausamen Realität zu stellen, nicht wegzusehen und meine Pflicht gegenüber meinen Schützlingen zu erfüllen, egal wir hart das auch sein mag.



Donnerstag, 13. Oktober 2016

Zukunftsfragen

Wie Viele von Euch wissen, ist mein Alltag sehr vielschichtig, vor allem aber ist er von grundlegenden Fragen des Lebens geprägt, denen ich nicht ausweichen kann und auch nicht will. In zahlreichen Beiträgen auf diesem Blog habe ich mich ja bereits mit einigen Grundwerten des Lebens beschäftigt und meine Sicht der Dinge beschrieben. Es waren vor allem Themen, die meinen Alltag prägen und mit denen ich mich fast tagtäglich auseinandersetzen muss.

Nun könnte man daraus schließen, dass ich letztlich nur um Themen kreise, die mich hautnah betreffen und mich immer wieder herausfordern, während mich alles Andere wenig berührt. Das Gegenteil ist der Fall. Als Vater und Großvater mache ich mir sehr viele Gedanken über die Zukunft der nächsten 50 bis 70 Jahre und darüberhinaus. Ok, ich werde keine 50 Jahre mehr leben, aber meine Tochter und mein Enkelchen, das letztens seinen 5. Geburtstag feierte, ganz sicher. In was für eine Welt wird die kleine Shantala hineinwachsen?

Mag sein, dass eine derartige Fragestellung für deutsche Bürger nicht so wirklich aufrüttelnd ist, weil sie in einer recht stabilen, konsumorientierten und sicheren Umgebung leben. Lebt man jedoch in einem sehr armen Land wie Portugal, wo man Armut als echte Armut kennenlernt, sieht man Vieles anders. Ich denke auch, dass die wirtschaftliche Gesundheit und Stabilität Deutschlands auf sehr wackeligen Beinen steht, auch wenn es nicht danach aussieht. Momentan mag noch alles im grünen Bereich sein, aber Deutschland ist auch genau deswegen erpressbar und angreifbar, wie man bereits sehen kann. Alles basiert auf einem ständig wachsenden Export, weswegen Deutschland in der EU auch auch Dinge wie CETA und TTIP vorantreibt. Dass dabei Demokratie, Verbraucher- und Umweltschutz auf der Strecke bleiben, interessiert erstaunlicherweise nicht einmal einen SPD Minister, selbst dann nicht, wenn die Gewerkschaften Sturm laufen. Solch eine Politik macht mir Angst, denn sie zeigt einmal mehr, dass es nicht um Ideale geht und um das Wohl der Menschen, sondern um reine Machtpolitik. Dass unser Verfassungsgericht schon lange keine übergeordnete Instanz mehr ist, hat es heute bewiesen, als CETA erst einmal durchgewunken wurde, nicht etwa weil es verfassungskonform ist, sondern mit der Begründuing, dass "außenpolitischer Schaden" abgewendet werden muss. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass eine Regierung einfach nur Fakten schaffen muss und das Verfassungsgericht nickt es ab. Ähnliches haben wir bereits im Umfeld der Eurokrise erlebt.

Politiker ohne ethisches Verantwortungsgefühl, die einfach nach den aktuellen Strömungen schielen und das tun, was gerade opportun erscheint, sind der Untergang unserer Demorkatie und damit unserer Kultur. Die EU wie auch die NATO verstehen sich als sog. "Wertegemeinschaft", was sie immer wieder betonen. Wo sich das zeigt, ist jedoch nicht zu erkennen, denn jedes Land verfolgt andere Werte, und letztlich werden die angeblichen Werte auf dem Altar der Machtpolitik geopfert. Es ist genau das Szenario, das die Welt schon einmal in einen massiven Krieg und Europa in eine fast totale Zerstörung geführt hat.

Vor diesem Hintergrund sehe ich dann in seriösen Reportagen, wie der Hunger Babys und Kleinkinder nicht nur quält, sondern tötet. Ich sehe Kinder und alte Leute, denen Arme und Beine fehlen, während sie in Flüchtlingslagern vor sich hin vegetieren und kaum Hilfe bekommen. Ich sehe afrikanische Flüchtlinge, die vor allem flüchten, weil die EU mit ihrer aggressiven Exportpolitik bis heute den Menschen in Afrika die Lebensgrundlage raubt. Natürlich kann der afrikanische Bauer mit den Dumpingpreisen für Nahrungsmitteln aus der EU nicht mithalten und sucht nach einem besseren Leben. Was den Fischfang angeht, sieht es nicht besser aus. Wenn dann unser Kanzlerin in Afrika herumreis und salbungsvolle Reden über die Bekämpfung von Fluchtursachen hält, muss man sich fragen, ob sie es nicht besser weiß, es nicht besser wissen will oder gegen besseres Wissen redet und handelt.

Wann immer ich abgemagerte, halbtote oder verstümmelte Kinder sehe, die man uns gerne präsentiert, um Spenden zu generieren, frage ich mich, warum vor allem das reiche Deutschland genau diesen Menschen nicht wirklich hilft. Was spricht dagegen, sie in ein Flugzeug zu setzen und zu uns zu holen, um ihnen eine Perspektive zu schenken. Stattdessen lässt man sie, wo sie sind. Es sind die wirklich armen Menschen, denen nicht geholfen wird, denn es sind auch die Menschen, die sich die enormen Kosten einer Flucht gar nicht leisten können. Wo also bleibt unsere Wertegemeinschaft und wo unsere "humane" Kanzlerin?

Dass der aktuelle Aufstieg eines völkermordenden Diktators im Osten der NATO einfach so hingenommen wird, egal ob Wertegemeinschaft oder nicht, will ich gar nicht erst vertiefen, erinnert es mich doch fatal an die 1930er Jahre und ihre Folgen. Auch da hat die Welt vor einem Dikator gekuscht ... bis es zu spät war.

Welche Folgen diese Politik sehr konkret für mein Enkelchen haben wird, kann ich mir ohne viel Phantasie leicht vorstellen und genau das macht mir Angst, Angst für sie und ihre Kinder. Ich selbst wuchs in einer stabilen Welt auf. Die 1950er waren vom Wiederaufbau geprägt, der kalte Krieg garantierte durch das Gleichgewicht der Kräfte eine relative Stabilität, die Globalisierung war noch nicht erfunden, ebensowenig wie die Maßlosigkeit multinationaler Konzerne. Ok, es gab auch keine politcal correctness und die unverheiratete Frau wurde als Fräulein begrüßt. Heute sind wir genderneutral mit Unisextoiletten, lassen aber die Menschen bzw. Kinder in Afrika kaltlächelnd verhungern. Nein, ich glorifiziere jetzt nicht die "Guten alten Zeiten", aber ich frage mich schon, welche Prioritäten wir eigentlich setzen. Die Prioritäten, die wir heute setzen, prägen die Zukunft unserer Kinder und Enkel. Da die Demokratie ja de facto abgeschafft ist und wir lediglich alle paar Jahre mal an die Urne laufen dürfen, haben wir da scheinbar wenig Gestaltungsmöglichkeiten ... oder etwa doch?

Ja, ich denke, wir haben noch immer alle Möglichkeiten und diese sollten wir in unserem Alltag nutzen. Wenn jeder Einzelne von uns, ein wenig von seiner Komfortzone aufgibt, auch mal den Mund aufmacht und sich mit den Dingen intensiver beschäftigt, kann er etwas verändern. Es sind Veränderungen im Kleinen, aber viele kleine Veränderungen ergeben letztlich die große Veränderung. Beginnen kann wirklich jeder in seinem Verbraucherverhalten, denn dieses ewige billig, billig, billig und Geiz ist geil Denken ist eine der wesentlichen Ursachen für Armut und wirkliches Leid in anderen Ländern. Letztlich basiert doch unser Luxus auf der Armut anderer. Früher waren es die Unternehmen, die ihrer Arbeiter ausgebeutet haben, heute sind es wir alle, die Verbraucher, die die Menschen der 3. Welt ausbeuten, weil wir vor lauter Preisvergleichen und herausquetschen des maximalen Rabattes vergessen, wer am Ende die Zeche bezahlt. Es nicht zu wissen, kann keiner Behaupten, denn es gibt genügend seriöse Reportagen zu diesen Themen, die aber kaum interessieren, während "Bauer sucht Frau", immer neue Quotenrekorde bricht ...

Ich bin mir sicher, dass Armut, globale Instabilität und Kriege die Welt in den kommenden 50 bis 100 Jahren prägen werden. Die Schuld dafür sollten wir in unserer eigenen Gier suchen, denn die Politik ist nur der Handlanger dessen, was wir im Alltag leben, fernab von jeglicher Ethik, wahrscheinlich auch fernab von jeglichem Hinterfragen und Nachdenken.

Die kleine Shantala wird die Folgen unseres Denkens und Handelns zu tragen haben und das finde ich unfair und tragisch. Warum also ändern wir es nicht, jeder in seinem Lebensumfeld und an dem Platz an den das Leben ihn gestellt hat.

Samstag, 8. Oktober 2016

Der Ökofreak???

Dass mein letztes Posting in diesem Blog über die 1%ige Chance Fragen über meine Person aufwerfen würde, hätte ich nicht gedacht. Ok, ich betreibe diesen Blog ja noch nicht sooo lange und bin auch noch keine halbe Ewigkeit auf Google+, sodass offenbar Fragen aufkommen können. Meine Fans auf Facebook kennen mich schon länger, aber gerade in letzter Zeit sind auch da viele neue Fans hinzugekommen und so will ich heute und evtl. in einigen weiteren Postings ein wenig über mich erzählen.

Die Frage, ob ich ein Ökofreak sei, wurde mir genauso direkt gestellt. Nun ist sie leider nicht mit einem simplen Ja oder Nein zu beantworten, weil es keine allgemeingültige Definition eines "Oköfreaks" gibt, jedenfalls war auf Wikipedia nichts dazu zu finden ... aber der Duden äußert sich und meint - Zitat: "jemand, der sich engagiert mit Umweltfragen auseinandersetzt und besonders umweltbewusst lebt"
Was den Begriff Freak angeht, klaffen die Definitionen weit auseinander. Am besten gefällt mir noch die Beschreibung: "eine Person, deren Lebensweise von dem als normal empfundenen abweicht".
Das stellt sich natürlich gleich die Frage, was wer wie und wo als normal empfindet und was nicht. Nach meiner Erfahrung lässt sich das nicht wirklich einheitlich definieren. Innerhalb Europas und selbst innerhalb Deutschlands gehen die Definitionen des "Normalen" ja schon weit auseinander. Ich stütze mich also besser auf meine ganz persönliche, subjektive Wahrnehmung des Begriffs und arbeite ihn bezogen auf meine Person ab.

Ganz sicher passe ich nicht in das Klischee des typischen "Aktivisten" mit ökologisch korrekter Kleidung, der mit verbissenem Blick morgens schon im Empörungsmodus aus dem Bett steigt und als Robin Hood gegen die Bösen dieser Welt kämpft. Die Zeiten, in denen man mit Schwert, Pfeil und Bogen etwas verändern konnte sind ohnehin vorüber - ich gebe zu, dass ich das bisweilen bedauere. Mein Weg ist eher, wenn auch nur im Kleinen, konkret etwas anzupacken und das ohne der Illusion zu verfallen, ich hätte jetzt die Welt oder ein Stück von ihr gerettet.

Wie sieht mein Leben aus???

Also ich stehe, eher müde und bestenfalls über den Wecker empört, morgens auf und bitte meine zahlreichen Mitbewohner im Haus und um das Haus herum, mich nicht gleich mit lauten Freudengeheul und Bellen zu begrüßen. Krach am Morgen ist der Supergau für mich, aber Teil meines Alltags. Ich bzw. wir - also meine liebe Frau Karin und ich - leben inmitten eines großen Hunderudels von aktuell knapp 50 fidelen Vierbeinern - wobei manche leider nur 3 Beine ihr Eigen nennen, was ihrer Lebenslust aber keinen Abbruch tut. Hinzu kommen noch Pferde und Schweine, sowie andere Kleintiere, deren Schicksal sie allesamt, als letzte Rettung vor dem Tod, zu uns geführt hat.
Es folgt die Erfüllung eines strammen Ablaufplans, der unser Leben an 7 Tagen in der Woche bestimmt. Anders gesagt: unsere Tiere können nicht lesen, wissen nicht was ein Kalender ist und Feiertage bzw. Wochenenden sind ihnen fremd. Sie brauchen verlässliche Betreuung und Pflege, vor allem, wenn sie älter werden und bei uns werden Tiere immer sehr sehr alt, bevor sie den Weg alles Irdischen gehen. Betreuung bedeutet allerdings nicht nur füttern, streicheln und betütern, sondern vor allem medizinisch versorgen bzw. Pflege- und Behandlungspläne erstellen. Genau das ist eine meiner Kerntätigkeiten. In Zusammenarbeit mit unseren Ärzten kümmere ich mich um die Planung passender Therapien und die Kontrolle der Fortschritte. In den letzten 20 Jahren habe ich mich, zugegebenermaßen unfreiwillig, in die wesentlichen medizinischen Grundlagen der Tiermedizin eingearbeitet, sehr viel gelernt, Erfahrungen gesammelt und meinen eigenen Weg zu einer ganzheitlichen Medizin gefunden. Hilfreich war sicherlich auch, dass ich Anfang der 1990er eine Heilpraktikerschule besucht habe, was bis heute der Grundstein meiner Arbeit ist. Ich vertraue Tierärzten nur sehr bedingt, was weniger auf der allgemein praktizierten Ärztekritik basiert, als auf unzähligen negativen Erfahrungen, die ich machen musste. Glücklicherweise hat meine kritische, hinterfragende Haltung dazu geführt, dass wir heute mit einem Ärzteteam zusammenarbeiten, das nicht nur fachlich extrem kompetent ist, sondern auch ethisch genau das vertritt, was die Basis unseres Projektes ist. Sie sehen, wie auch wir, die Todesspritze in 99% aller Fälle als NoGo.
Kurzum befasse ich mich also intensiv mit allem, was es rundum Tiermedizin und Pharmakologie zu wissen gilt. Dabei ist das Internet natürlich extrem hilfreich, sofern man nicht in irgendwelche Foren gerät, wo keiner wirklich was weiß, aber alle schwätzen und sich gegenseitig attackieren.

Nun machen viele lebenslustige Tiere auch sehr viel kaputt, keine Ahnung wieso, aber die Halbwertzeit von Toren, Schläuchen, Wasserleitungen, Wasserhähnen, Holzhütten, Eimern, Näpfen etc. ist bei uns leider kürzer als die übliche Lebensdauer derartiger Gegenstände. Hinzu kommen natürlich die extremen Witterungsbedingungen, die allen Materialen, die außerhalb des Hauses eingesetzt werden, sehr zusetzen. Die Sonne laugt alles aus, die Luft ist sehr salzhaltig (bedingt durch die Nähe zum Atlantic), der Winter extrem feucht und warm, sodass Schimmel auch im Außenbereich ein Dauerthema ist. Also besteht ein wichtiger Teil meiner täglichen Arbeiten in handwerklichem Treiben. Es ist nur ein Glück, dass ich in meiner Jugend mal Maschinenschlosser gelernt habe. Unser Bauernhof ist weder an die öffentliche Wasserversorgung noch an eine Kanalisation angeschlossen. Somit hängt alles an einem selbst erstellten Tiefbrunnen, einer 200 Jahre alten Zisterne und einer Biokläranlage, die ich auch selbst gebaut habe. Das, was in Deutschland üblicherweise die Stadtwerke erledigen, muss ich hier selbst in die Hand nehmen. Wasserpumpen brauchen Wartung und müssen auch immer mal wieder ausgetauscht werden, die Kläranlage braucht intensive Pflege. Spezielle Bakterienkulturen gepaart mit diversen Wasserpflanzen unterschiedlicher Eigenschaften sorgen für ein entsprechendes Recycling des Wassers, das hier, insbesondere im heißen Sommer, sehr knapp wird. Was den Strom angeht ... wir haben zwar einen Stromversorger, aber Versorgung kann man das nicht nennen, wenn der Strom laufend ausfällt. Da unsere Pumpen ohne Strom kein Wasser liefern, haben wir Generatoren im Einsatz, die ebenfalls Pflege und Wartung fordern, wenn sie zuverlässig arbeiten sollen.

Dann gibt es da noch die 10 Ha Land, die wir tatsächlich ökologisch bewirtschaften - also doch Ökofreak. Im vorderen Teil finden sich zahlreiche Olivenbäume, diverse Obstbäume der typisch südlichen Fauna und ein Weinberg, der bereits vor über 100 Jahren angelegt wurde. Die diversen Bäume und andere Pflanzen müssen regelmäßig geschnitten und gepflegt werden.
Der hintere, größere Teil des Grundstücks ist in ein wildes Tal eingebettet, mit Schluchten und Wald. Hier genießen die Tiere eine unberührte Natur und wir sorgen dafür, dass auch Wildtiere hier ein Refugium beziehen können, wo ihnen keine wildgewordenen Jäger den Garaus machen. Ein Grenzzaun leistet dabei gute Dienste, aber der muss auch gewartet werden. In den letzten Jahren hat sich hier ein echtes Biotop gebildet, mit einer reichhaltigen Vogelwelt, seltenen Reptilien und, besonders wichtig, mit vielen Wildbienen. Klar, Chemie gibt es bei uns nicht, weder Pflanzenschutz noch chemischer Dünger, geschweige denn irgendwelche Gentechnik.

Um an die Definitionen zu Beginn dieses Postings anzuknüpfen: ich finde mein Leben normal und kann mir kaum ein anderes Leben mehr vorstellen, obwohl ich, wie die Leser von "Himmelswölfe" ja wissen, früher einmal ganz anders gelebt habe.

Im nächsten Posting berichte ich dann, was mich sonst noch so umtreibt und was ich nachts tue, wenn Andere schlafen. Auf dem Foto seht ihr mich beim Schneiden der Olivenbäume, die allesamt runde 150 Jahre alt sind und viel Pflege brauchen.

Montag, 3. Oktober 2016

Die 1%ige Chance

Wie komme ich auf diese Überschrift? Eher durch Zufall, denn ich arbeite gerade am Band II von Himmelswölfe und bevor man losschreibt, ist es immer sinnvoll, sich eine Struktur zu überlegen, damit das Buch nicht ins Kraut schießt und am Ende den Leser mehr verwirrt als erreicht.

Ich war ja echt "geflasht" -  um´s mal in der Sprache der Zeit zu sagen - dass ich so viel positives FeedBack bekommen habe. Manche haben Band I in einem Ruck gelesen, Nächte damit zugebracht weil es sie nicht mehr losgelassen hatte. So soll es sein und da arbeitet man dann auch gerne an seinen Werken. Viele unterschätzen ja das Schreiben und meinen, es sei eine eher entspannende und leichte Tätigkeit. Ich muss sagen, dass es eine wirklich anstrengende Arbeit ist. Der Kopf, also das Denken, verbraucht extrem viel Energie und damit auch Kalorien. Ok, man möge bitte daraus jetzt keine Schlüsse über seine Mitmenschen ziehen!!!

Doch zurück zum Thema: Himmelswölfe basiert ja auf meiner Biographie, also dem was ich hier in Portugal seit 20 Jahren erlebe, wie ich mein Leben gestalte und eben auch das Projekt, für das ich "twentyfourseven" - wie man es modern ausdrückt - arbeite. Dass in meinem Leben, warum auch immer, sehr viele mystisch anmutende Aspekte eine Rolle spielen, spiegelt sich in meinen Büchern wieder. Mancher könnte sie in die Kategorie Fantasy einordnen und würde sie dennoch lieben. Aber die Geschichten, die ich zu erzählen habe, sind real, so passiert und Teil meines Lebens.

Der Kern dessen, was ich hier bewege - wobei ich das Wort Ich nicht mag, denn es ist ein Wir, ein Karin und ich, ohne das nichts ginge -, dreht sich ja um die Erhaltung von Natur und Leben. Das Leben an sich ist ein Wunderwerk und so komplex, dass es mir buchstäblich jeden Tag ein Staunen abnötigt. Klar ich lebe "volle Kanne" inmitten der Natur, sehe wunderbare Wildtiere, vom kleinsten Käfer bis zur Smaragseidechse, Schlangen, Mungos, Füchse, Wildschweine usw. Komischerweise zeigen sie sich auch und verstecken sich nicht, wenn ich in unserem einsamen Tal arbeite. Selbst die Hunde respektieren die anderen Tiere, jagen sie nicht, töten sie nicht, verletzten sie nicht. Letztens brachte Alphahünding Rosa mir ein totes Häschen und sah mich dabei ganz traurig an. Das Kleine war an Myxomatose gestorben, offenbar wollte Rosa, dass ich es beerdige, was ich getan habe.

Die Natur hat ihre Regeln. Bisweilen sind es Regeln, die auch ich nicht auf den ersten Blick verstehe. Dennoch muss man sich nur ein wenig einfühlen, schon öffnet sich das Buch der Naturgesetze  und man hat kein Problem dem Handlungsfaden zu folgen.
Ein Prinzip in der Natur ist die 1%ige Chance, die jedes Lebewesen, jede Art bekommt, etwas Neues aufzubauen, sich fortzupflanzen, sich zu behaupten. Welche Chance hatte denn unser Planet vor Millionen Jahren, als es keine Atmosphäre gab, alles wüst und leer war??? Ich denke, es war weniger als die 1%ige Chance, dass ausgerechnet hier Leben entstehen konnte, doch es entstand und förderte eine Vielfalt zutage, die mich jeden Tag auf´s Neue fasziniert.

Wenn man sich dieses 1% Prinzip zu eigen macht, kann man einiges bewegen. Ok, manchmal braucht man die Hilfe von Kräften und Wesen, die sich nur schwer fotografieren, geschweige denn anfassen lassen. Letztlich ist es der Glaube an die 1%ige Chance, die mich tagtäglich für das Leben kämpfen lässt. Wir sind ja mittlerweile bekannt dafür, dass wir uns um die aussichtslosen Fälle kümmern, dass wir für die da sind, die ansonsten durch´s Raster fallen. Die Meisten unserer Schützlinge hatten nur eine 1%ige Chance und genau auf dieses 1 Prozent kommt es an. Glaubt man daran, schafft man es und es gelingt die anderen 99% beiseite zu schieben.

Doch ich denke, dass man dieses Prinzip auch für seinen gesamten Lebensentwurf anwenden sollte. Man kann das angebliche Unmögliche nur möglich machen, wenn man an das 1% glaubt und sich auf den Weg macht, es zu finden. Ich habe gelernt, dass man genau dann, wenn man es wirklich will und alles daransetzt auch die Hilfe von besagten Wesen und Kräften bekommt, die man braucht, um seine Ziele zu erreichen. Früher stand ich solchen Gedanken eher skeptisch gegenüber. Sicherheit ging mir über alles, Risiko war ok, aber nur im überschaubaren Rahmen. Warum das so war??? Einfach weil mir der Glaube an dieses Prinzip fehlte, ich es nicht kannte und stattdessen die Angst vor dem Misserfolg mein Leben prägte. Ich hatte zwar als Unternehmer einiges erreicht, aber stets auf dem Boden der Sicherheit und absoluter Ratio. Mit Ratio und Sicherheitsdenken, mit Angst vor dem Scheitern jedoch erreicht man wenig, wenn man wirklich Leben retten will und sein Leben dem Erhalt der Natur gewidmet hat. Für ist der Glaube an das 1% bestimmend für mein tägliches Handeln. Ich bin damit in den letzten 20 Jahren weitergekommen, als in den 43 Jahren davor und diese Tatsache schenkt mir die Kraft, genau diesen Weg auch weiterhin zu beschreiten.

Auf dem Foto seht Ihr unsere Paula. Vor Jahren fand man sie auf einer Müllhalde. Sie konnte nicht laufen, war schon alt, hatte schwere Arthrose in den Gelenken und den Bauch voller Babys, die zum Teil bereits tot waren. Wir kämpften um ihr Leben. Sie lernte, wieder zu laufen, Spaß am Leben zu finden und integrierte sich in unser großes Rudel. Sie wurde zur Respektsperson und führte ein fröhliches, freies Leben. Es war ein langer Weg, bis es soweit war, aber wir glaubten an genau dieses 1% Chance, dass sie noch schöne Jahre bei uns haben würde und so kam es auch.