Wie Viele von Euch wissen, ist mein Alltag sehr vielschichtig, vor allem aber ist er von grundlegenden Fragen des Lebens geprägt, denen ich nicht ausweichen kann und auch nicht will. In zahlreichen Beiträgen auf diesem Blog habe ich mich ja bereits mit einigen Grundwerten des Lebens beschäftigt und meine Sicht der Dinge beschrieben. Es waren vor allem Themen, die meinen Alltag prägen und mit denen ich mich fast tagtäglich auseinandersetzen muss.
Nun könnte man daraus schließen, dass ich letztlich nur um Themen kreise, die mich hautnah betreffen und mich immer wieder herausfordern, während mich alles Andere wenig berührt. Das Gegenteil ist der Fall. Als Vater und Großvater mache ich mir sehr viele Gedanken über die Zukunft der nächsten 50 bis 70 Jahre und darüberhinaus. Ok, ich werde keine 50 Jahre mehr leben, aber meine Tochter und mein Enkelchen, das letztens seinen 5. Geburtstag feierte, ganz sicher. In was für eine Welt wird die kleine Shantala hineinwachsen?
Mag sein, dass eine derartige Fragestellung für deutsche Bürger nicht so wirklich aufrüttelnd ist, weil sie in einer recht stabilen, konsumorientierten und sicheren Umgebung leben. Lebt man jedoch in einem sehr armen Land wie Portugal, wo man Armut als echte Armut kennenlernt, sieht man Vieles anders. Ich denke auch, dass die wirtschaftliche Gesundheit und Stabilität Deutschlands auf sehr wackeligen Beinen steht, auch wenn es nicht danach aussieht. Momentan mag noch alles im grünen Bereich sein, aber Deutschland ist auch genau deswegen erpressbar und angreifbar, wie man bereits sehen kann. Alles basiert auf einem ständig wachsenden Export, weswegen Deutschland in der EU auch auch Dinge wie CETA und TTIP vorantreibt. Dass dabei Demokratie, Verbraucher- und Umweltschutz auf der Strecke bleiben, interessiert erstaunlicherweise nicht einmal einen SPD Minister, selbst dann nicht, wenn die Gewerkschaften Sturm laufen. Solch eine Politik macht mir Angst, denn sie zeigt einmal mehr, dass es nicht um Ideale geht und um das Wohl der Menschen, sondern um reine Machtpolitik. Dass unser Verfassungsgericht schon lange keine übergeordnete Instanz mehr ist, hat es heute bewiesen, als CETA erst einmal durchgewunken wurde, nicht etwa weil es verfassungskonform ist, sondern mit der Begründuing, dass "außenpolitischer Schaden" abgewendet werden muss. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass eine Regierung einfach nur Fakten schaffen muss und das Verfassungsgericht nickt es ab. Ähnliches haben wir bereits im Umfeld der Eurokrise erlebt.
Politiker ohne ethisches Verantwortungsgefühl, die einfach nach den aktuellen Strömungen schielen und das tun, was gerade opportun erscheint, sind der Untergang unserer Demorkatie und damit unserer Kultur. Die EU wie auch die NATO verstehen sich als sog. "Wertegemeinschaft", was sie immer wieder betonen. Wo sich das zeigt, ist jedoch nicht zu erkennen, denn jedes Land verfolgt andere Werte, und letztlich werden die angeblichen Werte auf dem Altar der Machtpolitik geopfert. Es ist genau das Szenario, das die Welt schon einmal in einen massiven Krieg und Europa in eine fast totale Zerstörung geführt hat.
Vor diesem Hintergrund sehe ich dann in seriösen Reportagen, wie der Hunger Babys und Kleinkinder nicht nur quält, sondern tötet. Ich sehe Kinder und alte Leute, denen Arme und Beine fehlen, während sie in Flüchtlingslagern vor sich hin vegetieren und kaum Hilfe bekommen. Ich sehe afrikanische Flüchtlinge, die vor allem flüchten, weil die EU mit ihrer aggressiven Exportpolitik bis heute den Menschen in Afrika die Lebensgrundlage raubt. Natürlich kann der afrikanische Bauer mit den Dumpingpreisen für Nahrungsmitteln aus der EU nicht mithalten und sucht nach einem besseren Leben. Was den Fischfang angeht, sieht es nicht besser aus. Wenn dann unser Kanzlerin in Afrika herumreis und salbungsvolle Reden über die Bekämpfung von Fluchtursachen hält, muss man sich fragen, ob sie es nicht besser weiß, es nicht besser wissen will oder gegen besseres Wissen redet und handelt.
Wann immer ich abgemagerte, halbtote oder verstümmelte Kinder sehe, die man uns gerne präsentiert, um Spenden zu generieren, frage ich mich, warum vor allem das reiche Deutschland genau diesen Menschen nicht wirklich hilft. Was spricht dagegen, sie in ein Flugzeug zu setzen und zu uns zu holen, um ihnen eine Perspektive zu schenken. Stattdessen lässt man sie, wo sie sind. Es sind die wirklich armen Menschen, denen nicht geholfen wird, denn es sind auch die Menschen, die sich die enormen Kosten einer Flucht gar nicht leisten können. Wo also bleibt unsere Wertegemeinschaft und wo unsere "humane" Kanzlerin?
Dass der aktuelle Aufstieg eines völkermordenden Diktators im Osten der NATO einfach so hingenommen wird, egal ob Wertegemeinschaft oder nicht, will ich gar nicht erst vertiefen, erinnert es mich doch fatal an die 1930er Jahre und ihre Folgen. Auch da hat die Welt vor einem Dikator gekuscht ... bis es zu spät war.
Welche Folgen diese Politik sehr konkret für mein Enkelchen haben wird, kann ich mir ohne viel Phantasie leicht vorstellen und genau das macht mir Angst, Angst für sie und ihre Kinder. Ich selbst wuchs in einer stabilen Welt auf. Die 1950er waren vom Wiederaufbau geprägt, der kalte Krieg garantierte durch das Gleichgewicht der Kräfte eine relative Stabilität, die Globalisierung war noch nicht erfunden, ebensowenig wie die Maßlosigkeit multinationaler Konzerne. Ok, es gab auch keine politcal correctness und die unverheiratete Frau wurde als Fräulein begrüßt. Heute sind wir genderneutral mit Unisextoiletten, lassen aber die Menschen bzw. Kinder in Afrika kaltlächelnd verhungern. Nein, ich glorifiziere jetzt nicht die "Guten alten Zeiten", aber ich frage mich schon, welche Prioritäten wir eigentlich setzen. Die Prioritäten, die wir heute setzen, prägen die Zukunft unserer Kinder und Enkel. Da die Demokratie ja de facto abgeschafft ist und wir lediglich alle paar Jahre mal an die Urne laufen dürfen, haben wir da scheinbar wenig Gestaltungsmöglichkeiten ... oder etwa doch?
Ja, ich denke, wir haben noch immer alle Möglichkeiten und diese sollten wir in unserem Alltag nutzen. Wenn jeder Einzelne von uns, ein wenig von seiner Komfortzone aufgibt, auch mal den Mund aufmacht und sich mit den Dingen intensiver beschäftigt, kann er etwas verändern. Es sind Veränderungen im Kleinen, aber viele kleine Veränderungen ergeben letztlich die große Veränderung. Beginnen kann wirklich jeder in seinem Verbraucherverhalten, denn dieses ewige billig, billig, billig und Geiz ist geil Denken ist eine der wesentlichen Ursachen für Armut und wirkliches Leid in anderen Ländern. Letztlich basiert doch unser Luxus auf der Armut anderer. Früher waren es die Unternehmen, die ihrer Arbeiter ausgebeutet haben, heute sind es wir alle, die Verbraucher, die die Menschen der 3. Welt ausbeuten, weil wir vor lauter Preisvergleichen und herausquetschen des maximalen Rabattes vergessen, wer am Ende die Zeche bezahlt. Es nicht zu wissen, kann keiner Behaupten, denn es gibt genügend seriöse Reportagen zu diesen Themen, die aber kaum interessieren, während "Bauer sucht Frau", immer neue Quotenrekorde bricht ...
Ich bin mir sicher, dass Armut, globale Instabilität und Kriege die Welt in den kommenden 50 bis 100 Jahren prägen werden. Die Schuld dafür sollten wir in unserer eigenen Gier suchen, denn die Politik ist nur der Handlanger dessen, was wir im Alltag leben, fernab von jeglicher Ethik, wahrscheinlich auch fernab von jeglichem Hinterfragen und Nachdenken.
Die kleine Shantala wird die Folgen unseres Denkens und Handelns zu tragen haben und das finde ich unfair und tragisch. Warum also ändern wir es nicht, jeder in seinem Lebensumfeld und an dem Platz an den das Leben ihn gestellt hat.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen