Montag, 30. Mai 2016

Morgen ist heute schon gestern

Auch wenn ich momentan meine schlaflosen Nächte in die letzten Zeilen von „Himmelswölfe“ stecke, liegt mir mein älteres „Kind“ genauso am Herzen.
„Retro 2032 – Sie vergaßen das Gestern“, wird auch auf der Frankfurter Buchmesse im Herbst vertreten sein. Ich freue mich sehr darüber. Mein Buch, das sich mit aktuellen Themen beschäftigt, spricht Leser unterschiedlichster Interessen an. Der politisch Interessierte findet ebenso seine Themen in meinem Buch, wie diejenigen Leser, die einfach spannende Unterhaltung suchen.

Ich habe aktuelle Ereignisse einfach mal zu Ende gedacht und mir überlegt, was wohl in 15 oder 20 Jahren daraus werden wird. Das Buch begonnen habe ich 2012, zu einer Zeit, als von allem was uns heute bewegt, noch nichts zu sehen war. Ich war selbst erstaunt, dass meine Befürchtungen wesentlich früher Realität wurden, als gedacht. Dennoch sollte man keine Angst vor der Zukunft haben, denn jeder Einzelne hat die Möglichkeit, diese zu verändern. Das ist das Schöne im Leben, wir gestalten unser Schicksal und unsere Zukunft selbst, wir müssen es nur machen, anstatt nur zu jammern und mit dem Finger auf Andere zu zeigen.

In diesem Sinne wünsche ich Euch eine aktive und erfolgreiche Woche

Samstag, 28. Mai 2016

Das Ende naht

„Lange Haare – kurzer Verstand“, hat meine Oma immer gesagt. Das war jedoch damals nicht frauenfeindlich gemeint, sondern gegen die Hippies der 68er gerichtet, zu denen ich auch gehörte. Klar war Woodstock unser Glaubensbekenntnis und Rudi Dutschke der Held schlechthin. Ja, ich weiß, den Meisten von Euch sagt das gar nichts mehr, weil´s schon sooo lange her ist. Ich hab die Konsequenzen aus dem Spruch meiner Oma gezogen und jetzt, fast 50 Jahre später meine Haare abrasieren lassen, DENN ….
… ich liege in den letzten Zügen … und quäle mich mit dem Ende meines aktuellen Buches „Himmelswölfe“ herum. Das richtige Ende zu finden, fiel mir schon immer schwer, weil mir dauernd noch was einfällt, so dass meine Bücher eigentlich 1.500 Seiten haben müssten. Nun hab ich mich kurzerhand entschlossen einen 2-Teiler daraus zu machen mit der Option zum 3-Teiler, 4-Teiler, 5-Teiler usw.
Die kurzen Haare sollten helfen, Dinge zu straffen und Handlungsfäden kurz zu halten. Ihr seid diejenigen, die beurteilen werden, ob es gelungen ist. Aber keine Sorge, der aktuelle Band wird in sich abgeschlossen sein und ich verspreche, dass er unter 1.000 Seiten umfassen wird, ja sogar unter 500 Seiten und ich bemühe mich, es bei unter 400 Seiten zu belassen. In einer Woche wissen wir mehr. Jetzt mach ich mich wieder an die Arbeit und wünsche Euch ein erholsames Wochenende.



Donnerstag, 26. Mai 2016

Wenn die Muse einen küsst

Ich hab´s ja schon mal geschrieben: jeder Autor braucht seinen Creative Space. Vor allem aber eine Muse, die ihn immer wieder liebevoll küsst, ihm Mut macht und seinen Horizont durch zärtliche Berührungen erweitert. Nur die Liebe dieser Muse bringt ihn wieder zurück in den geschmeidigen Fluss des Schreibens, lässt seine Finger über die Tastatur gleiten, während ihre Hände auf seinem Körper den Rhythmus vorgeben. Schreiben ist wie eine erotische Beziehung, voller Spannung und neuer Erfahrungen, ein Vordringen in unbekannte Gefilde.

Ich habe meinen Creative Space gefunden, in der Tapas Bar meiner Tochter und meines Schwiegersohns, denn dort kann man die Seele baumeln lassen. Die Muse wiederum küsst mich täglich und nicht nur einmal und … sie belässt es auch nicht beim küssen, selbst nach gefühlten 100 Jahren Ehe nicht …

Hier seht Ihr sie (ganz links) mit ihren Freundinnen, als wir mal wieder von unserer Insel in die Zivilisation zur Wine & Tapas Bar geschippert sind.
 
 

Samstag, 21. Mai 2016

Das Abendessen

„Hey Dad“, rief die kleine Bonny, „ist das richtig, dass Algodao die Ketchupflasche herumschleppt, alles verteilt, knurrt und ruft:
'Grrrr, ich bin ein Vampir und trinke Euer Blut!'“
„Nee Bonny, das ist nicht richtig“, antwortete Victor.

Seine unruhigen Augen trieben hektische Blicke über die Terrasse. Victor sprang das blanke Entsetzen ins Gesicht. Der, für das Abendessen bereits gedeckte Tisch hatte seine zweckgebundene Ordnung eingebüßt. Die Salatschüssel schien sich verzweifelt zu bemühen, am Tischrand nicht das Gleichgewicht zu verlieren und ihren Inhalt nicht auf den Natursteinen zu verteilen. Kleine Fetzen, die zusammengesetzt einstmals eine Papierserviette darstellten, tanzten in der angenehm kühlen Abendbrise, Schmetterlingen gleich, auf Augenhöhe an Victor vorbei. Schweiß trat ihm auf Stirn und Nasenrücken, trotz angenehmer Temperaturen.
„Sag ich doch!“, kommentierte Bonny das Entsetzen ihres Ziehvaters. „Aber Algodao hört ja nicht auf mich.“
Zwei ausladende Schritte brachten Victor dem Tisch näher. Flinke Hände schoben die verbliebenen Reste von Geschirr, Salat, Brot, diversen Aufstrichen, sowie Olivenöl und Balsamico in der Mitte zusammen. Glücklicherweise war die umgestürzte Flasche Brinkhofs Nr. 1 noch nicht geöffnet, sodass sich der Inhalt nicht über den dunklen Holztisch hatte ergießen können. Dieses Bier war ein Geschenk von sehr guten Freunden aus Deutschland gewesen und Victor trank es nur zu ganz besonderen Anlässen. Heute war so ein Anlass. Nach einem extrem langen und, für die Algarve ungewöhnlich harten Winter, hatten Karin und Victor beschlossen, das Abendessen auf die Terrasse zu verlegen. Es war der 20. Mai. Endlich hatte das Thermometer die 25-Gradmarke geknackt und sich an die psychologisch wichtigen 30 Grad herangewagt. Jetzt, gegen 20:30H gab der Temperaturmesser noch immer satte 24 Grad bekannt.

Victor hatte demonstrativ seine warme Winterjacke in die Waschmaschine gepackt und gegen eine Kapuzenweste in tiefem Blau eingetauscht. „Sommer!!!“, hatte er gerufen und zum ersten mal seiner Karin wieder auf den knackigen Hintern gehauen, denn sie trug hautenge Shorts.

„Hey Dad, was machen wir nun?“, sah Bonny ihn erwartungsvoll an. „Mama kommt gleich aus dem Bad und denkt, alles sei vorbereitet.“
„Stimmt, Du hast recht, wir wollten ja eigentlich alles schön vorbereiten, während sie sich schminkt und die Haare arrangiert“, hielt Peter inne.
„Ja und Algodao hat´s jetzt versaut, vor allem ist der Ketchup weg und Mama´s Lieblings-Knoblauchsoße hat er auch geschreddert“, zog Bonny die Mundwinkel nach unten.
„Pass auf, wir machen Folgendes“, schlug Victor vor, „Du nimmst dem Vogel den Ketchup ab und bringst die Reste der Knoblauchsoße zurück. Ich hole kleine Schüsselchen, in die wir alles reinschütten und ich richte derzeit den Tisch wieder her. Aber beeil Dich, Bonny!“

Bonny rannte zur tiefer liegenden Wiese. Victor trollte sich in die Küche, um neue Servietten zu holen, frisches Brot aufzuschneiden und eben diese kleinen Keramikschüsselchen zu suchen.

Keine 5 Minuten später trafen sich Vater und Ziehtochter wieder am Tisch. Bonny hatte die Reste der Knoblauchsoßenflasche zwischen den Zähnen. Gesenkten Blickes folgte ihr Algodao mit den Überbleibseln der knallroten Ketchupflasche. Wortlos, aber mit strafendem Blick in Algodao 's Richtung, nahm Victor alles entgegen. Ein kleiner Teelöffel kratzte die Reste aus dem zerkauten Plastik und verteilte sie in die Keramikgefäße.
Noch schnell das Besteck vom Boden aufheben und auf den frisch gefalteten Papierservietten platzieren, dann war alles fertig. Nur für einen Sekundenbruchteil blieb sein Blick an der geschmackvollen Gestaltung hängen. 'Bom Appétit' stand da zu lesen, doch der war Victor gründlich vergangen.

„Oh, das habt Ihr aber toll gemacht!“, trat Karin aus der Wohnzimmertüre. „Und die Soßen sogar in Schüsselchen gefüllt“, wog sie anerkennend den Kopf hin und her, „echt stilvoll.“
„Naja … also … man gibt sich halt Mühe“, fuchtelte Victor unkoordiniert mit den Händen herum.
„Ach und mein Algi-Bär ist auch schon da, mein süßer, großer Hund, so ein Schatz“, säuselte Karin uns streichelte ihrem Hund zärtlich über den Kopf. „Hat er denn schon ein Leckerchen bekommen?“

Bonny sah ihren Dad kopfschüttelnd an. „Mama und ihr Algi-Bär“, murmelte sie.
Victor erwiderte das Kopfschütteln seiner kleinen, frechen Tochter, sagte aber nichts.

Ein kurzes Schweigen begleitet Karins fragenden Blick. Victor antwortete mit einem kurzen: „Ich hol dann mal die Spaghetti“ und entschwand. Dennoch hörte er wie sie sagte: „Komm her mein süßer Knuddelbär, du bist doch der Beste!“
 
 

Samstag, 14. Mai 2016

Männerfreundschaften

Cascas saß sinnierend am Ufer des Lake Bravura. Die Mittagssonne hatte leichtes Spiel. Keine Wolke hinderte sie daran, ihre flirrende Hitze über dem Land zu verteilen. Das Wasser erreichte Badewannentemperatur. Wäre da nicht diese leichte Brise gewesen, die vom nahen Atlantik herrüberwehte, es wäre unerträglich geworden. Er war den Windgeistern dankbar, vermochten sie es doch, ihm die gebotene Kühlung zu verschaffen. Hin und wieder unterbrach ein leises Plätschern die allumfassende Stille. Eine Forelle hatte sich für die Dauer eines Wimpernschlags aus dem Wasser geschraubt, einer Mücke nachgestellt, um dann unverrichteter Dinge wieder einzutauchen. Die Hitze hatte sogar die allgegenwärtigen Vögel verstummen lassen. „Den Grillen macht die Hitze wohl nichts aus“, dachte Cascas, vom aufdringlichen Zirpen genervt. Seinen Blick strich über die leicht gekräuselte Wasseroberfläche.
Ein leises Rauschen, das Gefahr lief in eine Art Schnarchen zu münden, drang an sein Ohr. Gleichmäßig passierte der Atem kaum geöffnete Lippen, die, teilweise von einem weißen Bart eingerahmt, durch die Schatten eines Eukalyptusbaumes beschützt wurden. Peter war eingeschlafen.

„Kein Wunder“, dachte Cascas, den Peter liebevoll seinen Cashi-Bär nannte. „Wir sind ja auch durch´s Wasser getobt wie die Wilden“, zog er die Winkel seiner Lefzen zu einem Lächeln nach hinten. „Spielen, oh Mann, ich wusste gar nicht, dass ich so was kann. Spaß haben, lachen, das Leben genießen, das hat mir niemand beigebracht. Dabei ist es so einfach.“

Cascas schüttelte nachdenklich den Kopf. Bedrückende Bilder aus vergangenen Tagen drängten sich in die, gerade erst gewonnene Ruhe seines Geistes. Es waren angstbesetzte Bilder, zeigten sie doch die hässliche Fratze menschlicher Abgründe. Blutrote Gesichter betrunkener Männer, die mit Geldscheinen herumwedelten, während er in einem, von Strohballen eingerahmten Rund, sein Leben verteidigen musste. Den anderen armen Kerlen, die man in diese Arena geworfen hatte, ging es nicht besser. Ja, mit den Jahren waren es viele geworden. Er erinnerte sich nicht mehr, wie viele es waren, aber viele, sehr viele … Nein, er hatte eigentlich gar keine Lust, mit ihnen zu kämpfen, sie zu verletzen, sie in Stücke zu reißen, aber tat er es nicht, dann taten sie es mit ihm.

Seinen ersten Kampf und auch den zweiten Kampf hatte er damals verloren, war dennoch mit dem Leben davon gekommen. Die anschließenden Prügel von Rodrigo, seinem Besitzer, waren schlimmer als die zahllosen Bisswunden, die er im Nacken und an den Vorderläufen davongetragen hatte. Rodrigo war ein Arsch, ein Schmuggler, der in seinem Lager Hehlerware versteckte, Tabak und Alkohol. Er hasste ihn, nicht nur weil er ihn laufend in diese Arenen schickte, sondern weil er undankbar war. Anstatt ihn nach einem Sieg zu loben, ihm besonders gutes Essen zu geben und ausreichend Wasser, sperrte er ihn auf dem Hof des Lagers ein, mit ekeligem Fraß aus Essensresten. Er sollte aufpassen, jeden vertreiben, der es wagte, dem Zaun zu nahe zu kommen.

Cascas drehte den Kopf zu Peter, seinem besten und auch einzigen Männerfreund, wobei … nicht ganz. Es gab da noch einen Männerfreund, einen recht kleinen Kerl namens Noddy, ein lauter Bursche, frech und dreist, aber man konnte ihm nicht böse sein. Ein inneres Lachen hellte Cascas' traurige Stimmung wieder auf. Dieser Noddy, oh Mann, er war ein Pekinese, dessen ganzer Körper nicht größer als Cascas' Kopf war. „Was ein Typ“, sinnierte der massige Kampfhund und schüttelte ungläubig den Kopf.

Er erinnerte sich noch gut daran, dass Rodrigo ihm schmerzhaft beigebracht hatte, alle Rüden ohne Vorwarnung anzugreifen. „Noddy? Angreifen? Nee, nicht wirklich.“ Cascas entließ einen Seufzer. Er würde nie mehr einen anderen Hund angreifen, ganz sicher nicht. Selbst der Nachbarshund, er hieß Chico, war zwar nicht sein bester Kumpel geworden, aber man respektierte sich. Nein, Chico war kein Pekinese, sondern ein durchaus stattlicher und vor allem unkastrierter Rüde, der wusste was er wollte. Klar, echte Männer sind nicht kastriert, war Peter ja auch nicht.

Cascas stand auf, ging zu Peter und stubste ihn vorsichtig an, um ihn zu wecken. „Komm Alter, wir müssen nach Hause“, sagte er zu ihm.
„Okay, dann lass uns fahren“, antwortete Peter nach einem ausgiebigen Gähnen und sich Strecken.
Gemäßigten Schrittes schlappten die Beiden zu ihrem MännerJeep, stiegen ein, ließen den 3,5Liter 6 Zylinder röhren, legten den Allrad ein und bretterten quer durch's Gelände Richtung Quinta.

Cascas hatte auch an diesem Tag wieder etwas gelernt, nämlich wie schön das Leben sein kann, wie wertvoll es ist und was es bedeutet, das Leben zu genießen.
Ja, das war im Jahr 2013, als Noddy, Cashi-Bär und ich echte Männerfreunde wurden, die wussten, was Vertrauen wirklich bedeutet. Unser Geist ist für immer verbunden und unsere Freundschaft wird bis in alle Zeiten währen. 
 
 

Mittwoch, 11. Mai 2016

Käthe und Rex

„Hey Mann, ist das … nicht verboten?“, fragte die kleine Käthe und sah Peter mit listigen Augen an. Während sie auf seinem Schoß, zwischen Lenkrad und Männerbrust, platznahm.
„Hab ich eine Wahl?“, fragte dieser und verzog das Gesicht zu einer genervten Grimasse.
„Nö, natürlich nicht“, gab sie frech zurück.
„Aber dann bezahlst du auch das Knöllchen“, meinte Peter, setzte den Blinker und beschleunigte auf der Einfädelspur der A22 nach Faro.
„Nö, mach ich nicht“, schaute Käthe trotzig, „ich brauch mein Geld für andere Sachen.“
„Und was wären das für Sachen?“
„Na vor allem für schicke Brustgeschirre mit Glitzersteinchen, für jeden Tag ein anderes, wenn wir ausgehen, uuuund … dann noch …. ähm“, sie schickte einen nachdenklichen Blick nach oben, „dann noch für den Frisör, denn ich brauch eine neue, schicke Frisur.“
„Klar, bist ja ein Pudel“, zog Peter die linke Augenbraue nach oben, „Pudel fand ich schon immer toll, sind so richtige Männerhunde“.
Sie hatte den sarkastischen Unterton aus Peters Worten herausgehört und begann leise zu knurren. „Blödmann, aber ich bin ja auch nicht dein Hund, sondern Omi´s Hund, ätsch.“
„Ah ja, aber ich darf dich zum Tierarzt fahren und dir beim Blutabnehmen die Pfote halten und dich trösten.“
„Pah, als ob ich dich dazu bräuchte“, knurrte sie abfällig. „Frauen sind das starke Geschlecht. Ich kann auch alleine zur Doctora gehen, brauchst mich nur vor der Klinik absetzen. Kannst ja solange in die Kneipe gehen und einen trinken.“
„Und die Rechnung bei der Doctora bezahlst du dann selbst?“
„Nö, natürlich nicht, dafür hol ich dich schon rein.“
„Super, das hab ich mir so gedacht“, meinte Peter frustriert. „Und jetzt setz dich auf den Beifahrersitz und schnall dich an, so wie es sich für einen Hund gehört. Dafür hast du ja das spezielle Brustgeschirr bekommen.“ Peter seufzte. „Pink mit Glitzer, oh Mann.“ Es passte so gar nicht zu den blaugrauen Sitzen.
„Nö, mach ich nicht, und außerdem hast du das ja nicht gekauft, sondern meine Patentante und DIE hat´s mir geschickt, damit ich immer gut gekleidet bin.“
„Freches Biest“, murmelte Peter in seinen ergrauten Bart, doch leider zu laut.
„Das hab ich gehört!“
„Auch egal! Und jetzt geh von meinem Schoß, es ist verboten und wir sind auf der Autobahn!“, forderte Peter.
„Nö, mach ich nicht. Kannst ja langsamer fahren, du Raser“, knurrte sie nun laut vernehmbar, „und weißt du was?“
„Neee, ich will´s auch gar nicht wissen.“
„Ich sag´s aber trotzdem“, zeigte sie ihre Zähne, „Beim nächsten Mal fahr ich mit Omi in ihrem schicken Jeep, der ist eh schöner, als dein blöder, blauer Minivan oder was das sein soll.“
„Na hoffentlich, dann kann ich wenigstens bei meinem Rex bleiben“, zickte Peter zurück.
„Wenn du dich da mal nicht wundern wirst.“
„Wieso?“
„Ich geh nämlich mit Rex, ätsch … wir sind ein Paar!!!“
Peter schüttelte nur noch ungläubig den Kopf und bog in die Autobahnausfahrt Faro. Tristan-Rex, ein echter Männerhund, 40kg, Schäferhund, Chef des Quintaclans und Herrscher über gut 80 Hunde in 4 Rudeln, war mit einer schwarzen, frechen Pudeldame liiert? Wo war er nur hingeraten? Galt Männlichkeit denn gar nichts mehr, waren jetzt alle plötzlich Warmduscher und Frauenversteher?
Im Vorbeifahren sah er das Schild „Pasteleria António“, eine Kneipe. War vielleicht gar keine schlechte Idee, seinen Kummer im Kreise echter Männer mit ein paar Grappas hinunter zu spülen, dachte er.
Das alles liegt nun gute 4 Jahre zurück. Käthe war wirklich die frechste Pudeldame aller Zeiten und sie war tatsächlich die beste Freundin von Tristan-Rex, dem Clanchef. Die Beiden waren unzertrennlich und manchmal wusste man nicht, ob Rex nun der Chef war, oder Käthe. Ich vermisse die Beiden wirklich sehr.

Montag, 9. Mai 2016

Moni wird 15

„Papa, Du wolltest doch schon immer einen Schäferhund, oder?“, umschmeichelte Sarah´s seidenweiche Stimme Peters Ohr.
„Naja … hm … muss ja nicht sein, wir haben schon genug Hunde oder meinst Du nicht?“, besah er sich fragend das Telefon und schüttelte den Kopf.
„Ja schon, aber so ein Schäferhund hat auch viele Vorteile, vor allem kann er unsere Ziegen hüten“, ließ die 17-jährige nicht locker.
„Dafür haben wir doch Amadeu?“, widersprach Peter, das Unglück schon ahnend. „Also sag´s einfach frei raus. Welches Problem hast Du wieder aufgegabelt?“
„Sie ist erst 4 Monate alt und ihr Besitzer ist ein Idiot. Er ist ihr mit dem Motorrad über den Hinterlauf gefahren, hat einen komplizierten Bruch verursacht und will nun die OP-Kosten nicht aufbringen.“
Eine spannungsgeladene Stille breitete sich im inneren des Telefons aus. Peter seufzte, schüttelte erneut den Kopf und ließ die Stille gewähren. Im Kopf aber ging er bereits die Möglichkeiten durch.
„Sie soll jetzt eingeschläfert werden“, nahm Sarahs Stimme einen flehenden Unterton an. „Der Doc operiert sie aber für kleines Geld, weil wir doch befreundet sind.“
„Aha … und was bedeutet 'kleines Geld'?“
„Weiß nicht, aber nicht viel“, wich Sarah aus.
„Und nach der OP?“
„Muss sie 6 Wochen im Gipsbett liegen und man muss sie halt zum Pipimachen etc. raustragen … und so … ist aber kein Problem, das kriegen wir schon hin.“
„Na dann … wenn Du es sagst“, runzelte er die Stirn und zog die Mundwinkel nach unten.
„Klar … und auf einen Hund mehr kommt´s jetzt auch nicht mehr an, oder?“, ergänzte Sarah.
„Nö, natürlich nicht, ob es nun 40 oder 41 sind, macht nicht den Unterschied“, ließ er einen gewissen Sarkasmus durchschimmern.
„Papa, du musst Dich jetzt entscheiden, sonst wird sie sofort eingeschläfert!“
„Schon klar, wie immer … aber ...“, er zögerte kurz, „...na gut, dann sag Jeff, dass ich die Rechnung übernehme, wie üblich. Er soll es aber ordentlich machen und keine Billigoperation, wenn schon, dann richtig und vor allem so, dass sie lange leben und schmerzfrei laufen kann, okay?“
„Okay, super, danke Papa!“, jubelte Sarah und legte ohne weiteren Gruß auf.

Das war im Jahr 2001, sozusagen in der Ur- und Frühgeschichte von Spikinet, als es nur Sarah gab, mich und die Quinta, ohne Verein und ohne, dass ich jemals gedacht hätte, da zu landen, wo ich heute gelandet bin …
Moni ist heute 15 geworden, top fit und läuft wie eine Junge. Sie blieb nicht der einzige Schäferhund, der den Weg zu mir fand. Bereut habe ich es nie und auch die anderen vielen hundert Notfälle nicht, denen ich helfen konnte. Mein Leben allerdings nahm einen völlig anderen Verlauf, als ich es je geplant hatte … damals … als ich beschloss nach Portugal auszuwandern und ein einfaches Landleben als Schriftsteller zu führen. Wie heißt es so schön: „Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.“

Herzlichen Glückwunsch, treue Moni, die mich immer und überall begleitet!!!!
 
 

Samstag, 7. Mai 2016

Ist wirklich alles erlaubt, was nicht gesetzlich verboten ist???

Wir leben in einer Gesellschaft, in der der Einzelne, sicherlich unbewusst, immer mehr Verantwortung an den Staat abgibt. Der Staat reagiert mit immer neuen Gesetzen und nimmt dem Individuum mehr und mehr die Eigenverantwortung ab. Indem wir aber die Eigenverantwortung an den Staat abgeben, geben wir auch Stück für Stück unsere Freiheit ab und merken es nicht einmal. Man sagt uns, wir würden in einer freien Gesellschaft leben und das zeichne die hohen Werte des „Westens“ aus. Doch wessen Freiheit ist das eigentlich, in der wir angeblich leben? Ist es die Freiheit des Einzelnen, eigenverantwortlich entscheiden zu können, oder ist es die Freiheit einer Elite, dem Rest der Bürger vorschreiben zu können, was sie gefälligst unter Freiheit zu verstehen haben und was nicht?
Wie frei oder unfrei wir sind, sollten wir durch eigenverantwortliches Handeln selbst definieren. Wir sollten uns den Vorgaben nicht beugen, die uns sagen wollen, was richtiges oder falsches Denken ist. Verantwortung dürfen wir weder an den Staat abgeben, noch an die, die am lautesten Schreien und die Correctness für sich gepachtet zu haben scheinen. Wir sollten auch nicht bei jedem Problem oder Ereignis gleich nach dem Gesetzgeber rufen. Stattdessen muss der Mensch wieder lernen, selbst Verantwortung für sein Leben zu übernehmen. Wir können unser Leben nur selbst leben und es nicht einfach „leben lassen“. Es gibt auch kein Buch, in dem unser Leben bereits geschrieben steht und dadurch vorbestimmt ist.

Wenn wir wieder zu unserer eigenen Lebendigkeit zurückfinden, uns selbst wieder spüren, weil wir unser Leben aktiv gestalten, anstatt vor uns hin zu dämmern, dann werden wir auch die Menschen finden und wählen, die unsere Gemeinschaft nach Wertemaßstäben führen, durch die maximale Freiheit bei maximaler sozialer Kompetenz möglich wird. Momentan läuft es umgekehrt.

Jeder Mensch ist frei geboren. Nicht jeder Mensch hat jedoch die Chance, diese Freiheit auch zu leben. Wir haben alle Möglichkeiten, doch wir verspielen sie gerade und das ist sehr schade, finde ich.

„Freiheit bedeutet Verantwortlichkeit. Das ist der Grund, warum die meisten Menschen sich vor ihr fürchten.“ (G.B. Shaw)


Donnerstag, 5. Mai 2016

Wie gelangt man zu Erkenntnissen?

Wenn mir plötzlich etwas klar geworden ist, schlage ich mir bisweilen vor die Stirn und frage mich: „Warum bin ich nicht schon früher drauf gekommen?“ oder „Warum hab ich´s nicht schon längst gemerkt?“ Dann ärgere ich mich über mich selbst und denke, ich sei zu vernagelt gewesen, um zu einer bestimmten Erkenntnis zu gelangen.

Irgendwann aber wurde mir klar, dass Erkenntnis etwas ist, das nicht wie ein Stern vom Himmel fällt, um, im Lichte seiner Gnade, den Menschen zu erleuchten. Zu Erkenntnissen gelangt man durch einen aktiven Prozess, besser gesagt durch einen Lernprozess. Dieser manifestiert sich in einer stufenweise Entwicklung der eigenen Wahrnehmungsfähigkeiten und der individuellen Sensibilität. Ungeduld ist dabei hinderlich, denn dieser Prozess lässt sich nicht erzwingen. Es ist nicht anders, als Wasser zu erhitzen. Man stellt den Topf auf den Herd und dann dauert es erst einmal seine Zeit. Das Wasser durchläuft bestimmte Phasen, erwärmt sich, Blasen steigen auf, es sprudelt leicht und dann, ja dann kocht es irgendwann und geht in einen neuen Aggregatzustand über, den Dampf. Festes hat sich aufgelöst, das Feinstoffliche kann sich verteilen und größere Räume einnehmen, als das Feste es je konnte. 1 Liter Wasser ist physikalisch definiert, wiegt 1 Kilo und nimmt z.B. den Raum in einem Würfel mit einer Kantenlänge von 10cm ein. Wasser in Form von Dampf hingegen ist flüchtig und nicht klar definierbar, was seine Räumlichkeit angeht.

Unser Geist strebt nach Erkenntnis, aber dazu muss er festgefahrene Strukturen verlassen, frei werden und sich „verteilen“ können. Das alles braucht Zeit und Geduld, die jedoch am Ende belohnt wird, falls … ja falls es uns keine Angst macht, die festen Strukturen unseres Denkens aufzugeben und unsere Denkweisen von der Leine zu lassen. Nicht alles, was wir denken oder glauben erkannt zu haben, mag passend oder richtig sein, aber solange wir den Prozess zur Erkenntnis nicht fördern, werden wir wohl nie zu den Einsichten gelangen, von denen wir tief in unseren Herzen spüren, dass sie richtig sind. Das aber ist die Voraussetzung dafür, dass man seinen persönlichen Einsichten mit ganzer Kraft folgen kann und sie zum festen Teil seiner Handlungen und damit seines Lebens macht.

Für mich ganz persönlich ist dieser Prozess genau das, was meinem Leben einen Sinn gibt. In jungen Jahren habe ich den Prozess des „Erhitzens“ angestoßen und in der Mitte meines Lebens konnte ich genau das schaffen, was ich tief in mir fühlte und was mir heute, im fortgeschrittenen Alter, den Sinn meines Lebens eröffnet hat – wahrscheinlich auch den Erfolg.

Lernen wir Menschen, diesen Prozess in uns zu erlauben, kann jeder Einzelne diese Welt ein wenig besser machen, sie aktiv gestalten, an irgendeiner Ecke etwas bewegen. So bekommt dann jedes Leben auch einen tiefen Sinn und erfüllt das Herz desjenigen, der es gelebt hat.
 
 

Dienstag, 3. Mai 2016

Über Enttäuschungen

Jeder von uns kennt das Gefühl, enttäuscht worden zu sein. Meist trifft es uns unerwartet und oft genug aus einer Ecke, aus der wir es nicht erwartet hätten. Aber warum haben wir es nicht erwartet???

Ich habe mir mal einige meiner sog. Enttäuschungen genauer angesehen und mich gefragt, wie es dazu kommen konnte. Die Antwort habe ich dann doch recht schnell gefunden. Es war meistens ein Problem meiner Wahrnehmung, die dadurch getrübt war, dass ich der Wahrheit nicht ins Gesicht blicken wollte. Oft wollen wir die Wahrheit nicht wirklich sehen, sie nicht WAHRhaben, weil sie uns unangenehm ist und uns aus unserer subjektiven WAHRnehmung der Welt reißt.

Wir wollen unsere Umgebung so sehen, dass wir uns damit wohlfühlen und nicht so, wie sie wirklich ist. Das gilt auch und vor allem dann, wenn wir glauben, kritische Menschen zu sein, die alles kritisch hinterfragen und sich eben keine eigene Welt basteln, aber wir basteln sie uns sehr wohl!!! Das sog. „kritische Denken“ ist leider auch oft genug von einer Dominanz des Wohlfühlenwollens geprägt. Man fühlt sich wohl, wenn man sich mit einer bestimmten Weltanschauung identifizieren kann, die sich „kritisch“ gibt. Doch sind die Dogmen, die man für sich adaptiert hat, dann auch wirklich „kritisch“ oder sind sie eher Dogmen, die beim Einzelnen Stimmungen erzeugen, mit denen er sich wohlfühlt bzw. wohlfühlen möchte???

Sogenanntes „kritisches Denken“, gemäß der einen oder anderen politischen, religiösen oder ethisch-moralischen Richtung bedeutet noch lange nicht, dass man wirklich bereit ist, der Wahrheit ins Auge zu sehen, eher im Gegenteil. In unserer hoch aufgeladenen Mediengesellschaft ist es sehr schwer, der Wahrheit ins Auge zu sehen und sich in seinem sozialen Umfeld sicher zu bewegen. Schnell ist man abgestempelt und ausgegrenzt, wenn man „falsch“ denkt. Was „falsch“ ist, geben uns die Medien tagtäglich vor, bis hin zu tiefgehenden Eingriffen in unsere Umgangssprache. Also versuchen wir, uns anzupassen, das Umfeld so zu sehen, dass man uns nicht über die Klinge springen lässt und wir plötzlich isoliert dastehen. Oft aber gelingt das nur bis zu einem gewissen Grad und dann passiert es, wir werden von Mitmenschen enttäuscht. Unsere Wahrnehmung hatten wir nur gefiltert, also eingeschränkt. Am Ende konnten wir vor der Wahrheit doch nicht davonlaufen, denn sie holt uns eh immer wieder ein.

Nicht der, der uns enttäuscht trägt die Schuld, sondern wir selbst, die wir nicht wahrhaben wollten, dass bestimmte Parameter einfach nicht gepasst haben.