„Hey Mann, ist das … nicht verboten?“, fragte die kleine Käthe und
sah Peter mit listigen Augen an. Während sie auf seinem Schoß, zwischen
Lenkrad und Männerbrust, platznahm.
„Hab ich eine Wahl?“, fragte dieser und verzog das Gesicht zu einer genervten Grimasse.
„Nö, natürlich nicht“, gab sie frech zurück.
„Aber dann bezahlst du auch das Knöllchen“, meinte Peter, setzte den
Blinker und beschleunigte auf der Einfädelspur der A22 nach Faro.
„Nö, mach ich nicht“, schaute Käthe trotzig, „ich brauch mein Geld für andere Sachen.“
„Und was wären das für Sachen?“
„Na vor allem für schicke Brustgeschirre mit Glitzersteinchen, für
jeden Tag ein anderes, wenn wir ausgehen, uuuund … dann noch …. ähm“,
sie schickte einen nachdenklichen Blick nach oben, „dann noch für den
Frisör, denn ich brauch eine neue, schicke Frisur.“
„Klar, bist ja
ein Pudel“, zog Peter die linke Augenbraue nach oben, „Pudel fand ich
schon immer toll, sind so richtige Männerhunde“.
Sie hatte den
sarkastischen Unterton aus Peters Worten herausgehört und begann leise
zu knurren. „Blödmann, aber ich bin ja auch nicht dein Hund, sondern
Omi´s Hund, ätsch.“
„Ah ja, aber ich darf dich zum Tierarzt fahren und dir beim Blutabnehmen die Pfote halten und dich trösten.“
„Pah, als ob ich dich dazu bräuchte“, knurrte sie abfällig. „Frauen
sind das starke Geschlecht. Ich kann auch alleine zur Doctora gehen,
brauchst mich nur vor der Klinik absetzen. Kannst ja solange in die
Kneipe gehen und einen trinken.“
„Und die Rechnung bei der Doctora bezahlst du dann selbst?“
„Nö, natürlich nicht, dafür hol ich dich schon rein.“
„Super, das hab ich mir so gedacht“, meinte Peter frustriert. „Und
jetzt setz dich auf den Beifahrersitz und schnall dich an, so wie es
sich für einen Hund gehört. Dafür hast du ja das spezielle Brustgeschirr
bekommen.“ Peter seufzte. „Pink mit Glitzer, oh Mann.“ Es passte so gar
nicht zu den blaugrauen Sitzen.
„Nö, mach ich nicht, und außerdem
hast du das ja nicht gekauft, sondern meine Patentante und DIE hat´s mir
geschickt, damit ich immer gut gekleidet bin.“
„Freches Biest“, murmelte Peter in seinen ergrauten Bart, doch leider zu laut.
„Das hab ich gehört!“
„Auch egal! Und jetzt geh von meinem Schoß, es ist verboten und wir sind auf der Autobahn!“, forderte Peter.
„Nö, mach ich nicht. Kannst ja langsamer fahren, du Raser“, knurrte sie nun laut vernehmbar, „und weißt du was?“
„Neee, ich will´s auch gar nicht wissen.“
„Ich sag´s aber trotzdem“, zeigte sie ihre Zähne, „Beim nächsten Mal
fahr ich mit Omi in ihrem schicken Jeep, der ist eh schöner, als dein
blöder, blauer Minivan oder was das sein soll.“
„Na hoffentlich, dann kann ich wenigstens bei meinem Rex bleiben“, zickte Peter zurück.
„Wenn du dich da mal nicht wundern wirst.“
„Wieso?“
„Ich geh nämlich mit Rex, ätsch … wir sind ein Paar!!!“
Peter schüttelte nur noch ungläubig den Kopf und bog in die
Autobahnausfahrt Faro. Tristan-Rex, ein echter Männerhund, 40kg,
Schäferhund, Chef des Quintaclans und Herrscher über gut 80 Hunde in 4
Rudeln, war mit einer schwarzen, frechen Pudeldame liiert? Wo war er nur
hingeraten? Galt Männlichkeit denn gar nichts mehr, waren jetzt alle
plötzlich Warmduscher und Frauenversteher?
Im Vorbeifahren sah er
das Schild „Pasteleria António“, eine Kneipe. War vielleicht gar keine
schlechte Idee, seinen Kummer im Kreise echter Männer mit ein paar
Grappas hinunter zu spülen, dachte er.
Das alles liegt nun gute 4
Jahre zurück. Käthe war wirklich die frechste Pudeldame aller Zeiten
und sie war tatsächlich die beste Freundin von Tristan-Rex, dem
Clanchef. Die Beiden waren unzertrennlich und manchmal wusste man nicht,
ob Rex nun der Chef war, oder Käthe. Ich vermisse die Beiden wirklich
sehr.