Samstag, 26. November 2016

Das einfache Leben

Oft frage ich mich, warum es für die Menschen eigentlich so schwer geworden ist, den Kontakt zur Natur und damit zur Umwelt aufrecht zu erhalten und sich als Teil der Natur zu verstehen, anstatt zu glauben, man stünde über ihr und sie sei nichts als ein reiner Rohstofflieferant. Klar, es gibt laufend irgendwelche Weltklimagipfel, danach dann weitere Gipfletreffen auf denen man überlegt, wie man die Ziele des anderen Gipfels umsetzt. Es werden irgendwelche Zielvorgaben vereinbart, an die sich letztlich keiner hält, weil die nationalen Interessen schwerer wiegen und man nicht wirklich die Notwendigkeit einsieht.

Ich kann das zumindest nachvollziehen, denn so wie die Mehrheit der Weltbevölkerung in den Industriestaaten lebt, kann der Einzelne gar keinen Bezug mehr zur Natur haben, geschweige denn nachvollziehen, dass er selbst ein Teil davon ist. Daran ändert auch ein gut gepflegter Stadtpark nichts, denn der hat mit ursprünglicher Natur ja nun wirklich nix zu tun. Schmelzende Gletscher, Tornados, Hochwasser, Dürrekatastrophen u.ä. kennt man letztlich nur aus dem Fernsehen. MAn gruselt sich ein wenig, spendet ein paar Euro für´s bessere Gewissen und wendet sich dann wieder den vermeintlichen persönlichen Bedürfnissen zu.

Üblicherweise lebt man in einer Umgebung, die mehr und mehr von Technik behrrscht wird. Vor allem muss und kann man sich um die elementaren Dinge gar nicht mehr selbst kümmern. Das mag man als angenehm empfinden, aber man verliert auch den Bezug zu den Dingen, die ein Leben überhaupt erst möglich machen.

Wasser ... kommt aus dem Wasserhahn und diverse Reportagen streiten, ob das Leitungswasser nun gut ist oder schlecht. Das Ergebnis ist meist abhängig davon, wer die Reportage gerade finanziert.
Abwasser ... fließt durch den Abfluss, irgendwohin, egal was damit passiert, ist ja nicht mein Problem.
Strom ... kommt natürlich aus der Steckdose und ist immer verfügbar. Fällt er mal für längere Zeit aus, verklagt man den Energieversorger auf Schadenersatz. Wie der Strom zustande kommt, ist egal. Wenn in die Nähe ein Windrad oder ein Strommasten soll, dann protestiert man eben, aber die Versorgungssicherheit muss auf jeden Fall gewährleistet sein, soll das Windrad doch woanders stehen ...
Wärme ... kommt aus dem Heizkörper und wenn die Heizung mal nicht funktioniert oder die Temperatur im Wohnzimmer mal auf unter 20 Grad sinkt, wird der böse Vermieter verklagt und Minderung geltend gemacht. Woher die Wärme kommt, ist letztlich auch egal, Hauptsache sie ist immer da und man lebt in meist überheizten Wohnungen, die einem regelmäßig eine Erkältung bescheren, weil der Unterschied zwischen drinnen und draußen einfach zu krass ist.
Lebensmittel ... kommen aus dem Supermarkt, fein säuberlich verpackt. Wie das alles zustande kommt interessiert nicht. Wichtig ist der Preis und billig, billig, billig ... Das wäre noch ein Thema für gleich mehrere Blogbeiträge.

Dies sind nur wenige Bereiche, die ich bewusst herausgegriffen habe, weil es Bereiche sind, in denen ich mein Leben völlig anders organisiert habe und weil es Bereiche sind, die direkt mit der Natur zu tun haben. Ich beschloss damals, vor über 20 Jahren, dass ich ein Leben anstrebe, in dem ich selbst die Verantwortung für meine elementaren Lebensresourcen übernehme und mich eben selbst darum kümmere. Meine Lebensart habe ich direkt in die Natur eingebunden und Wege gesucht, dennoch nicht wie im Mittelalter zu leben.
Wasser ... ist hier im Süden ein ganz großes Thema, zumal der Tourismus und vor allem die Golfplätze wesentlich zur Verknappung beigetragen haben und der Grundwasserspiegel dramatisch gesunken ist und weiter sinkt. Es braucht also ein gut durchdachtes Wassermanagement. Wir haben eine völlig eigenständige Wasserversorgung bestehend aus einem Brunnen, einer Zisterne und Flusswasser (das im Sommer nicht zur Verfügung steht). Insgesamt gesehen müssen wir mit dem Wasser extrem sorgsam umgehen, insbesondere im Sommer, damit die Versorgung der Tiere nicht gefährdet wird. Wir müssen wirklich über jeden Liter nachdenken, anstatt ihn zu verschwenden.
Abwasser ... hierzu habe ich damals eine Bio-und Recycling Kläranlage gebaut, die das Abwasser wieder aufbereitet, sodass es zwar nicht als Trinkwasser verwendet werden sollte, jedoch für alle anderen Dinge taugt, bei denen Wasser zum Einsatz kommt, z.B. Putzen, Toilette, Pflanzen bewässern etc. So eine Anlage bedingt natürlich, dass man sich genau überlegt, was man ins Abwasser gibt, also welche Waschmittel man benutzt, welche Seife, welches Spülmittel usw., bis hin zum Rohreiniger, wenn mal was verstopft ist. Glücklicherweise gibt es für alles biologisch 100%ig abbaubare Lösungen und nur die setzen wir ein, um das Gleichgewicht zu wahren und das Wasser wiederverwenden zu können.
Strom ... kommt bei uns auch aus der Steckdose, allerdings doch sehr unregelmäßig, sodass ich ein relativ komplexes System zur unabhängigen Stromversorgung aufgebaut habe, das einspringen kann, wenn der Versorger mal wieder Probleme hat.
Wärme ... ja, man mag es kaum glauben, aber auch im Süden ist der Winter kalt. Sicherlich ist unser Kältempfinden angepasst, aber wir frieren eben schon auch, wenn es im Haus nur 12 Grad sind und es - wie hier üblich - keine Heizung gibt. Bleibt also nur der Kamin im Wohnzimmer und der braucht Holz. Dieses Holz wiederum muss in unserem Tal erst einmal gesammelt und gestutzt werden, bevor man es verheizen kann. Wir verwenden nur Holz von abgestorbenen, alten Bäumen, deren es reichlich in unserem großen "Tal der Raben" gibt. Dann bekommen wir im Wohnzimmer auch schon mal 17 Grad hin, während das übrige Haus bei 13 Grad liegt.
Lebensmittel ... nicht wenige davon ernten wir auf unserem eigenen Land, insbesondere diverses Obst, Oliven, Mandeln, Feigen, Granatäpfel usw. Man entwickelt einen anderen Bezug zu den Dingen, die man selbst anpflanzt und deren Ressource (also Bäume und Büsche) man regelmäßig pflegt. Dass wir keinerlei Chemie einsetzen, ist selbstredend. Früher, als wir das kräftemäßig noch stemmen konnten, hielten wir auch Ziegen, Schafe und Hühner, allerdings absolut frei und nicht zum Schlachten. Das Tal ist ja große genug. Es war toll, eigene Ziegenmilch, eigene Wolle und eigene Eier zu bekommen, aus einem lockeren Zusammenleben von Mensch und Tier. Logisch, dass die Tiere bestes Futter bekamen, keinerlei Chemie und am Ende eines natürlichen Todes starben. Brot haben wir im uralten Steinofen selbst gebacken. Da unsere Nachbarn allesamt Bauern sind, lässt sich auch Vieles im Tauschhandel organisieren und man ist in manchen Bereichen unabhängig vom Supermarkt.

Meine Erfahrung ist, dass genau dieses einfache Leben hilft, den Bezug zur Natur und ihren Ressourcen nicht zu verlieren. Man betrachtet die Tier- und Pflanzenwelt mit anderen Augen, weiß, wann Fruchtjahre sind, wann man Bäume beschneiden sollte und wann nicht. Man beobachtet Bienen und das nicht als reinen Honiglieferanten, sondern man weiß, wie wichtig sie sind, damit es überhaupt Früchte gibt. Aktuell haben wir sehr wenige Bienen, weil ihnen das Gift (meist Glyphosat) auf den Feldern der Agrarkonzerne massiv zusetzt. Leider haben wir hier deren einige und das wirkt sich auf die Populationen aus, was dazu geführt hat, das wir in diesem Jahr recht wenige Früchte hatten.

Ja, dieses einfache Leben ist weniger komfortabel, manchmal hart und kräfteraubend, aber man bekommt auch ein Gefühl dafür, dass man mit der Natur lebt und leben sollte, denn sie ist es, die einem alles schenkt, was man zum Leben braucht, egal ob in der Stadt oder auf dem Land. Das gilt für alle Menschen und je mehr sich gerade die Menschen in den sog. hochzivilisierten Gesellschaften dessen bewusst werden, umso weniger Diskussionen über Umwelt, Natur und Klimawandel sind nötig. Letztlich wird kein Elektroauto und kein Windrad die Umwelt retten, keine sinnlose Mülltrennung und erst recht keine EU-Verordung, die zu umgehen ja ohnehin kein Problem zu sein scheint. Was gebraucht wird, ist ein Umdenken in den Köpfen der Menschen und damit ein bewusster Umgang mit den Möglichkeiten, die uns die Natur schenkt. Man muss nicht so leben, wie wir hier, um das nachzuvollziehen, man muss es nur einfach wollen und seine Alltagsgewohnheiten etwas modifizieren, um etwas zu bewegen. Die Politik kann und will letztlich nichts bewegen, denn da geht es um Machterhalt, Geld und egoistische Interessen. Wirklich etwas verändern können nur wir Bürger, wenn wir bereit sind unsere Komfortzone eine wenig zu verlassen, bei der Schnäppchenjagd erst nachzudenken, bevor wir sinnlosen Kram kaufen, dessen Preis eine Ursache hat, und uns von einem "Black Friday" Hype nicht anstecken zu lassen. Wie wenig man zu einem normalen Leben braucht, habe ich in den letzten 20 Jahren selbst erfahren und mir ging es dabei nie schlecht, auch habe ich nie etwas vermisst und ich glaube auch nicht, etwas verpasst zu haben, weil ich dem Konsumrausch ausgewichen bin. Im Gegenteil denke ich, dass einen das einfache Leben glücklicher macht, weil man statt "ex und hopp" das zu schätzen weiß, was man hat und es dann auch intensiver genießt.

Auf den Bildern seht ihr unseren kleinen Traktor, und zugeschnittenens Feuerholz aus dem Tal




























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