Samstag, 8. Oktober 2016

Der Ökofreak???

Dass mein letztes Posting in diesem Blog über die 1%ige Chance Fragen über meine Person aufwerfen würde, hätte ich nicht gedacht. Ok, ich betreibe diesen Blog ja noch nicht sooo lange und bin auch noch keine halbe Ewigkeit auf Google+, sodass offenbar Fragen aufkommen können. Meine Fans auf Facebook kennen mich schon länger, aber gerade in letzter Zeit sind auch da viele neue Fans hinzugekommen und so will ich heute und evtl. in einigen weiteren Postings ein wenig über mich erzählen.

Die Frage, ob ich ein Ökofreak sei, wurde mir genauso direkt gestellt. Nun ist sie leider nicht mit einem simplen Ja oder Nein zu beantworten, weil es keine allgemeingültige Definition eines "Oköfreaks" gibt, jedenfalls war auf Wikipedia nichts dazu zu finden ... aber der Duden äußert sich und meint - Zitat: "jemand, der sich engagiert mit Umweltfragen auseinandersetzt und besonders umweltbewusst lebt"
Was den Begriff Freak angeht, klaffen die Definitionen weit auseinander. Am besten gefällt mir noch die Beschreibung: "eine Person, deren Lebensweise von dem als normal empfundenen abweicht".
Das stellt sich natürlich gleich die Frage, was wer wie und wo als normal empfindet und was nicht. Nach meiner Erfahrung lässt sich das nicht wirklich einheitlich definieren. Innerhalb Europas und selbst innerhalb Deutschlands gehen die Definitionen des "Normalen" ja schon weit auseinander. Ich stütze mich also besser auf meine ganz persönliche, subjektive Wahrnehmung des Begriffs und arbeite ihn bezogen auf meine Person ab.

Ganz sicher passe ich nicht in das Klischee des typischen "Aktivisten" mit ökologisch korrekter Kleidung, der mit verbissenem Blick morgens schon im Empörungsmodus aus dem Bett steigt und als Robin Hood gegen die Bösen dieser Welt kämpft. Die Zeiten, in denen man mit Schwert, Pfeil und Bogen etwas verändern konnte sind ohnehin vorüber - ich gebe zu, dass ich das bisweilen bedauere. Mein Weg ist eher, wenn auch nur im Kleinen, konkret etwas anzupacken und das ohne der Illusion zu verfallen, ich hätte jetzt die Welt oder ein Stück von ihr gerettet.

Wie sieht mein Leben aus???

Also ich stehe, eher müde und bestenfalls über den Wecker empört, morgens auf und bitte meine zahlreichen Mitbewohner im Haus und um das Haus herum, mich nicht gleich mit lauten Freudengeheul und Bellen zu begrüßen. Krach am Morgen ist der Supergau für mich, aber Teil meines Alltags. Ich bzw. wir - also meine liebe Frau Karin und ich - leben inmitten eines großen Hunderudels von aktuell knapp 50 fidelen Vierbeinern - wobei manche leider nur 3 Beine ihr Eigen nennen, was ihrer Lebenslust aber keinen Abbruch tut. Hinzu kommen noch Pferde und Schweine, sowie andere Kleintiere, deren Schicksal sie allesamt, als letzte Rettung vor dem Tod, zu uns geführt hat.
Es folgt die Erfüllung eines strammen Ablaufplans, der unser Leben an 7 Tagen in der Woche bestimmt. Anders gesagt: unsere Tiere können nicht lesen, wissen nicht was ein Kalender ist und Feiertage bzw. Wochenenden sind ihnen fremd. Sie brauchen verlässliche Betreuung und Pflege, vor allem, wenn sie älter werden und bei uns werden Tiere immer sehr sehr alt, bevor sie den Weg alles Irdischen gehen. Betreuung bedeutet allerdings nicht nur füttern, streicheln und betütern, sondern vor allem medizinisch versorgen bzw. Pflege- und Behandlungspläne erstellen. Genau das ist eine meiner Kerntätigkeiten. In Zusammenarbeit mit unseren Ärzten kümmere ich mich um die Planung passender Therapien und die Kontrolle der Fortschritte. In den letzten 20 Jahren habe ich mich, zugegebenermaßen unfreiwillig, in die wesentlichen medizinischen Grundlagen der Tiermedizin eingearbeitet, sehr viel gelernt, Erfahrungen gesammelt und meinen eigenen Weg zu einer ganzheitlichen Medizin gefunden. Hilfreich war sicherlich auch, dass ich Anfang der 1990er eine Heilpraktikerschule besucht habe, was bis heute der Grundstein meiner Arbeit ist. Ich vertraue Tierärzten nur sehr bedingt, was weniger auf der allgemein praktizierten Ärztekritik basiert, als auf unzähligen negativen Erfahrungen, die ich machen musste. Glücklicherweise hat meine kritische, hinterfragende Haltung dazu geführt, dass wir heute mit einem Ärzteteam zusammenarbeiten, das nicht nur fachlich extrem kompetent ist, sondern auch ethisch genau das vertritt, was die Basis unseres Projektes ist. Sie sehen, wie auch wir, die Todesspritze in 99% aller Fälle als NoGo.
Kurzum befasse ich mich also intensiv mit allem, was es rundum Tiermedizin und Pharmakologie zu wissen gilt. Dabei ist das Internet natürlich extrem hilfreich, sofern man nicht in irgendwelche Foren gerät, wo keiner wirklich was weiß, aber alle schwätzen und sich gegenseitig attackieren.

Nun machen viele lebenslustige Tiere auch sehr viel kaputt, keine Ahnung wieso, aber die Halbwertzeit von Toren, Schläuchen, Wasserleitungen, Wasserhähnen, Holzhütten, Eimern, Näpfen etc. ist bei uns leider kürzer als die übliche Lebensdauer derartiger Gegenstände. Hinzu kommen natürlich die extremen Witterungsbedingungen, die allen Materialen, die außerhalb des Hauses eingesetzt werden, sehr zusetzen. Die Sonne laugt alles aus, die Luft ist sehr salzhaltig (bedingt durch die Nähe zum Atlantic), der Winter extrem feucht und warm, sodass Schimmel auch im Außenbereich ein Dauerthema ist. Also besteht ein wichtiger Teil meiner täglichen Arbeiten in handwerklichem Treiben. Es ist nur ein Glück, dass ich in meiner Jugend mal Maschinenschlosser gelernt habe. Unser Bauernhof ist weder an die öffentliche Wasserversorgung noch an eine Kanalisation angeschlossen. Somit hängt alles an einem selbst erstellten Tiefbrunnen, einer 200 Jahre alten Zisterne und einer Biokläranlage, die ich auch selbst gebaut habe. Das, was in Deutschland üblicherweise die Stadtwerke erledigen, muss ich hier selbst in die Hand nehmen. Wasserpumpen brauchen Wartung und müssen auch immer mal wieder ausgetauscht werden, die Kläranlage braucht intensive Pflege. Spezielle Bakterienkulturen gepaart mit diversen Wasserpflanzen unterschiedlicher Eigenschaften sorgen für ein entsprechendes Recycling des Wassers, das hier, insbesondere im heißen Sommer, sehr knapp wird. Was den Strom angeht ... wir haben zwar einen Stromversorger, aber Versorgung kann man das nicht nennen, wenn der Strom laufend ausfällt. Da unsere Pumpen ohne Strom kein Wasser liefern, haben wir Generatoren im Einsatz, die ebenfalls Pflege und Wartung fordern, wenn sie zuverlässig arbeiten sollen.

Dann gibt es da noch die 10 Ha Land, die wir tatsächlich ökologisch bewirtschaften - also doch Ökofreak. Im vorderen Teil finden sich zahlreiche Olivenbäume, diverse Obstbäume der typisch südlichen Fauna und ein Weinberg, der bereits vor über 100 Jahren angelegt wurde. Die diversen Bäume und andere Pflanzen müssen regelmäßig geschnitten und gepflegt werden.
Der hintere, größere Teil des Grundstücks ist in ein wildes Tal eingebettet, mit Schluchten und Wald. Hier genießen die Tiere eine unberührte Natur und wir sorgen dafür, dass auch Wildtiere hier ein Refugium beziehen können, wo ihnen keine wildgewordenen Jäger den Garaus machen. Ein Grenzzaun leistet dabei gute Dienste, aber der muss auch gewartet werden. In den letzten Jahren hat sich hier ein echtes Biotop gebildet, mit einer reichhaltigen Vogelwelt, seltenen Reptilien und, besonders wichtig, mit vielen Wildbienen. Klar, Chemie gibt es bei uns nicht, weder Pflanzenschutz noch chemischer Dünger, geschweige denn irgendwelche Gentechnik.

Um an die Definitionen zu Beginn dieses Postings anzuknüpfen: ich finde mein Leben normal und kann mir kaum ein anderes Leben mehr vorstellen, obwohl ich, wie die Leser von "Himmelswölfe" ja wissen, früher einmal ganz anders gelebt habe.

Im nächsten Posting berichte ich dann, was mich sonst noch so umtreibt und was ich nachts tue, wenn Andere schlafen. Auf dem Foto seht ihr mich beim Schneiden der Olivenbäume, die allesamt runde 150 Jahre alt sind und viel Pflege brauchen.

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