Montag, 29. August 2016

Entspannt bleiben

Auf den Fotos seht Ihr mein Enkelchen Shantala, die im September 5 Jahre alt wird. Sie verbrachte mal wieder einen ganzen Tag bei uns auf der Quinta Eanna, tobte mit mir im Pool und hatte großen Spaß mit unseren vielen Tieren.  Sie ist ein echtes Naturkind, lebt mit ihren Eltern ebenfalls auf einer Quinta, nicht weit weg von uns. Auch dort gibt es viele Tiere, angefangen bei Hunden und Katzen bis hin zu Schafen, Enten und Hühnern.

Es öffnet mir immer wieder das Herz zu beobachten, wie Kinder so unbedarft und mit unverfälschter Intuition der Natur, den Tieren und den Pflanzen begegnen. Okay, ich muss zugeben, dass Shantala kein Kind der "Digital Natives" ist, wie man die Internet-Handy-Kinder heute bezeichnet. Eigentlich ist sie mit 5 Jahren nicht mehr zu jung dafür. Nicht wenige ihrer Kumpelinen und Kumpels leben mit dem Tablet und dem Handy. Allerdings kommen mir diese Kinder auch immer etwas verkrampfter, ja bisweilen sogar gestresst vor.

Meine Tochter und ihr Mann betreiben ein Restaurant. Wenn wir sie abends mal besuchen, dann beobachte ich gerne die Gäste. Es wird in Deutschland nicht anders sein, aber dennoch finde ich es bemerkenswert, wenn eine ganze Familie, bestehend aus Vater, Mutter und Kindern schweigend am Tisch sitzt und jeder auf sein Handy starrt. Wirklich entspannt wirken sie auf mich nicht und sie verpassen das Wesentliche - finde ich. Der Himmel über der Algarve beispielsweise, ist nachts extrem klar und die Sterne sprichwörtlich zum Greifen nahe. Mangels Großstädten und Indsutrie ist die Luft hier sehr sauber. Sitzt man auf der Terrasse des Restaurants müsste man den Kopf einfach mal vom Handy weg nach oben recken und man würde sich im Anblick eines überwältigenden Sternenmeers verlieren.

DANN käme wiederum das Tablet zu einem sinnvollen Einsatz. Es gibt eine App, die man gegen den Himmel hält und die einem die sichtbaren Sternenbilder, Sterne und Planeten sozusagen beschriftet. Man sieht also das, was am Himmel zu sehen ist auch 1:1 auf dem Bildschirm (durch die interne Kamera), aber eben beschriftet und das ist wirklich toll.

Ihr seht, ich bin kein Technikfeind und ich verachte weder das Internet noch das Handy. Im Gegenteil bin ich als Autor auch froh, dass es das alles gibt, denn schneller kann man gar nicht recherchieren, insbesondere, wenn es um kleine Nebensächlichkeiten geht, die in einem Buch dennoch stimmig sein sollten. Früher, als ich meine ersten Bücher schrieb - meist historische Romane - war es ein mega Aufwand sich z.B. das passende Kartenmaterial zu besorgen. Ich besitze noch heute mehrere Enzyklopädien auf DVD, die mir, neben meiner doch recht umfangreichen Bibliothek, bei den Recherchen halfen. Es war dennoch zeitaufwendig. Heute ist es nur ein kurzer Suchbegriff und man findet, was man braucht. Das ist klasse!!!

Wenn Internet, Handy und Tablet aber zum Stressfaktor werden und Kindern ihrer natürliche Entspanntheit nehmen, dann sollte man als Eltern ins Grübeln kommen. Ok, die Kinder machen nur nach, was die Eltern vorleben und daher sollten wir Eltern und Großeltern in den Spiegel schauen und überlegen, ob wir nicht selbst etwas unentspannt sind, wenn wir uns dem Informationsdruck des Social Media aussetzen und meinen, dauernd unser Leben und jedes gelutschte Bonbon posten zu müssen, auch wenn wir eigentlich gar nichts gehaltvolles dazu zu sagen haben ...

Als das obere Bild entstand, hatte meine Frau Karin, Shantala gerade geduscht, die Haare gewaschen, mit Spülung gepflegt und Zöpfe geflochten, sowie den Körper eingecremt. Das war es, was unserem Enkelchen guttat und was sie den ganzen Tag bekam, persönliche Zuwendung statt virtueller Reizüberflutung. Sie schlief plötzlich ganz entspannt ein - dummerweise auf dem Couctisch - und sah so zufrieden aus. Solange Kinder entspannt bleiben und ihre Zufriedenheit in einer Welt der Nähe, Liebe und Zuwendung finden können, ist alles im grünen Bereich. Ich befürchte allerdings, dass wir, gesellschaftlich gesehen, bereits im gelben, teilweise sogar roten Bereich sind, was unsere Kinder angeht. Die Schönheit unseres Planeten kann der Mensch nur erfassen, wenn er sich dafür öffnet und sich dem stellt was er real fühlt, erspürt und mit dem Herzen sieht. Das werden virtuelle 3D- Erlebnisse nie ersetzen können. Warum die Menschheit virtuell durch einen Wald laufen muss und sich dem atemberaubenden Anblick von Bergen, dem Meer oder wunderschöner Tiere nicht mehr real ansehen soll, werde ich nie verstehen, aber muss ich auch nicht.
















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