Ok, ich gebe zu, dass ich diese Vorstellungen vor über 40 Jahren hatte, aber dennoch hat mich das vermeintlich ideale Leben eines Schriftstellers stets angetrieben, genau diesen Lebenstraum nie aus den Augen zu verlieren und nach einem Leben zu streben, das dem o.a. einigermaßen nahekommt.
Was ist daraus geworden???
1. Ja, ich habe eine sonnendurchflutete Terrasse
2. Ja, ich habe einen Notebook
3. Ja, ich blicke auf eine mediterran wirkende Landschaft, auch wenn sie zu den Gestaden des Atlantiks gehört
4. Ja, ich kann wunderbare Vögel wie Seeadler, Falken, Habichte, Nachtigallen, Eulen u.v.m. beobachten
5. Nein, die Verleger stehen nicht Schlange, dafür sorgt ein völlig übersättigter Markt, den Monopolisten wir Amazon mit neuen Geschäftsmodellen beherrschen
6. Nein, die 20 Jahre jüngere Blondine habe ich mir erspart, dafür aber eine wunderbare Frau gefunden, die mitten im Leben steht und mit mir ein schwieriges Leben teilt
7. Ja, sie bringt mir Erfrischungen - aber dafür koche ich jeden Abend - und sie hat den Blick ... den Blick von dem die Männer träumen ....
Bleibt die Frage, warum mein Alltag nicht von Lesereisen, Talkshows und Buchmessen geprägt ist. Man kann und soll im Leben Träume verfolgen und sie niemals aufgeben.
Was aber war wirklich mein Traum? Vordergründig die o.a. Punkte, was aber dahintersteckte, wurde mir erst letztens klar, als ich die Fragen eines Interviews beantworten sollte. Ich kramte eine uralte Mappe heraus, in der ich handschriftlich mein erstes Buch verewigt hatte. Titel: "Gedanken über eine kybernetische Weltregierung". Ich war damals 13 Jahre alt (1966), las Bücher von Menschen, die bereits die großen Katastrophen kommen sahen und etwas dagegen unternehmen wollten. Ihren Ideen zu folgen war leicht für mich, denn ich sah es nicht anders, im Gegensatz zu meinen Eltern. Diskussionen führten nur zu schlagkräftigen Strafen (was damals üblich war, denn Widerspruch und eine eigene Meinung war gleichbedeutend mit Respektlosigkeit) und es blieb mir nichts anderes übrig, als in den Untergrund zu gehen = heimlich zu schreiben und meine Mappe unter Schulbüchern zu verstecken. Nun waren meine schulischen Leistungen nicht brillant, aber absolut ausreichend, um Zeit zum Lesen und Schreiben abzweigen zu können. Es gab damals weder Smartphone noch Internet und man wusste noch, dass ein Buch nicht auf einem Reader, sondern in der Bibliothek zu finden ist.
Ich wurde sehr streng erzogen, so streng, dass meine Eltern heutzutage mit dem Gesetz in Konflikt kämen. Es bedeutete, keine Freunde, nicht rausgehen, aber lesen durfte ich. Also wanderte ich regelmäßig in die Leihbibliothek und kam mit 2 Arten von Büchern zurück, den Offiziellen und den Heimlichen ... Offiziell las ich historische Bücher, inofiziell waren es Bücher über die Zukunft unseres Planeten, speziell auch zur Situation und Entwicklung in Afrika und Südamerika.
Im selben Jahr kam ein Dokumentarfilm in die Kinos mit dem Titel "Africa Addio". Statt in einen Mickey Maus Film zu gehen, was mir im Rahmen unseres Sommerurlaubs in Südtirol erlaubt wurde, entschloss ich mich, mir genau diesen Film anzusehen. Ausschnitte davon habe ich auf YouTube gefunden, als ich gerade recherchierte, ob man den Film überhaupt noch kennt ... Der Film war sehr umstritten, man warf ihm sogar Rassismus vor. Ok, ich war 13 Jahre alt, glaubte aber eine bestimmte Botschaft zu erkennen, die in meinen Augen die Folgen einer brutalen Ausbeutung im Rahmen der Kolonialisierung zeigte. Mag sein, dass ich es damals falsch interpretiert habe, aber die Abgründe menschlichen Handelns und die Rücksichtslosigkeit der Politik so drastisch zu sehen, hat mich schon geprägt.
Tief beeindruckt und inspiriert, reifte in mir der Wunsch, Schriftsteller zu werden und engagierte Bücher zu schreiben, die die Welt verändern. Dabei wäre ja die o.a. Blondine auch nicht hinderlich gewesen. Als ich, wie in Himmelswölfe beschrieben, nach Portugal auswanderte, wurde mir schnell klar, dass das Schreiben nur ein Teil meines Lebens sein konnte. Man verändert die Welt vor allem durch Ideale, die man in konkrete Handlungen umsetzt. Als ich hier begann das Naturschutzprojekt aufzubauen, war es für mich eine Selbstverständlichkeit, entsprach es doch genau den Idealen, die schon immer latent in mir schlummerten.
Somit ist mein Alltag heute von harter Arbeit geprägt, von einem sehr bescheidenen Leben zugunsten unserer Schützlinge und eben Nächten in denen ich meine Gedanken in möglichst unterhaltsamer Form zu Papier bzw. zu Word bringe. Mein Tag ist geprägt von einem strammen Zeitplan, die Uhr ist das wichtigste Utensil, denn unsere Schützlinge brauchen Zuverlässigkeit und Stabilität, um wieder genesen zu können und ein artgerechtes Leben zu führen. Pünktlichkeit und feste Abläufe helfen verlorenes Vertrauen in die Menschen wieder aufzubauen und genau darum geht es uns.
Insbesondere mein vorletztes Buch "Retro 2032 - Sie vergaßen das Gestern" greift die Themen von 1966 wieder auf und zeigt in erschreckender Weise wie aktuell sie sind. Klar, ich habe alles in einen spannenden Thriller verpackt, denn lesen muss ja auch Spaß machen. Dennoch sind es Themen, die mir am Herzen liegen. Zweifellos kann man neben der Theorie und dem Anprangern auch selbst etwas bewirken, indem man das Herz in die Hand nimmt, eigene Befindlichkeiten zurückstellt und sich auf den Kern dessen besinnt, was man tief in sich als Bestimmung bzw. Schicksal erkannt hat.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen