Die Arbeit an meinem Buch "Himmelswölfe" hat mich ja in den letzten Monaten auf eine Zeitreise in die Vergangenheit geschickt. Fast 25 Jahre später stellte ich mir noch einmal die Frage, was mich damals eigentlich zu solch einer krassen Wende in meinem Leben getrieben hat. Ok, die Leser meines gerade erst erschienen neuen Buches, deren es ja bereits zahlreiche gibt, kennen schon einige Antworten und doch habe ich mich, gerade in diesen Tagen, erneut mit dem Thema Luxus beschäftigt, angeregt durch eine Fernsehreportage aus Ibiza. Es wurden Nobelrestaurants gezeigt in denen bereits die Tischreservierung 20.000.-€ kostet und es Champagner für 100.000.-€/Flasche gibt. So habe ich nie gelebt und ich hätte auch nie so leben wollen, obwohl ich die Chance dazu hatte. Derartige Bilder zeigen mir einmal mehr die sinnentleerte Maßlosigkeit unserer Gesellschaft.
Nun kann man sagen, dass es nur eine kleine Minderheit ist, die so lebt und es den Normalo nicht weiter betrifft. Letztlich aber sind es in meinen Augen nicht die absoluten Summen, die jeden von uns anregen sollten, über das Thema Luxus nachzudenken. Für die o.a. Menschen sind die genannten Summen eher Taschengeld, aber darauf kommt es meiner Meinung nach gar nicht an, denn alles muss man in der Relation sehen. Reportagen die zeigen, wie Promis Urlaub machen, schüren doch letztlich sowas wie Sehnsüchte und Neid, auch wenn das nur Wenige zugeben wollen. Daher sollte man sich fragen, was eigentlich der Sinn unserer Gesellschaftsstruktur ist. Letztlich reduziert sich doch alles auf den Konsum, denn Politik und EZB streben letztlich nur danach, den Konsum zu fördern und die Menschen bei Kauflaune zu halten. Der Zustand eines Landes und seiner Leute wird am Konsumklimaindex gemessen. Steigt dieser Index permanent an, geht es den Menschen gut - sagt man. Steigt er nicht mehr an, pumpt die EZB Geld in den Markt, heizt künstlich die Inflation an und glaubt, dass damit alles geregelt sei, denn viele Menschen können sich ihren persönlichen Luxus leisten. Okay, manche bleiben auch auf der Strecke, aber das sind hat Collateralschäden .... Dabei muss es nicht der Champagner für 100.000.-€ sein, es kann auch das neueste Handy werden, alle Jahre wieder, oder der UHDTV Fernseher für den es zwar noch gar keine Programme gibt, aber Hauptsache man hat ihn schon mal ... naja und von den beliebten Shopping Touren will ich gar nicht reden.
Ich kenne ein Leben in gewissem Wohlstand sehr gut, habe als Unternehmer auch nicht am Hungertuch genagt. Eines Tages jedoch wurde mir klar, dass mich der gesellschaftlich anerkannte Luxus meine Freiheit kostet. Gerade in diesen Tagen des Terrors hören wir von Politikern immer wieder, dass wir unsere Freiheit verteidigen müssen und sie nicht aufgeben dürfen, egal was Terroristen auch tun. Jedes Mal frage ich mich: "welche Freiheit eigentlich?" Konsum und Luxus sind genau die Ketten, die uns jegliche Freiheit nehmen, uns in gesellschaftliche Zwänge stecken und uns nach Dingen streben lassen, die wir nicht wirklich brauchen. An andere Werte glauben die meisten Menschen nicht, andere Dinge interessieren sie nicht. Der eigene Wohlstand steht im Focus und darf nicht bedroht werden, denn andere Werte spielen in unserer Gesellschaft kaum eine Rolle.
Als mir diese Zusammenhänge klar wurden, damals vor rund 25 Jahren, erkannte ich, dass die Freiheit der wahre Luxus ist. Es war genau der Luxus, den ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht hatte, war ich doch eingebunden in ein Wertesystem, das von Politik und Wirtschaft über die Medien bestimmt wird. Heute bekommen die Bürger vorgesagt, was sie zu denken haben, wie sie sich auszudrücken haben und was korrekt bzw. unkorrekt ist. Sie haben ihre Freiheit längst verloren und gegen einfache Schemata eingetauscht, gegen Trends auf die man leicht aufspringen kann, die keine Reflektion des eigenen Lebens erfordern und einen nicht aus der warmen Bequemlichkeit des Sofas holen.
Ich habe damals beschlossen, mir echten Luxus zu gönnen, indem ich mir meine angeborene Freiheit zurückholte. Das zu machen, was man tief im Inneren fühlt, egal ob man mit gesellschaftlichen Konventionen bricht, egal ob Andere einen für verrückt halten oder einem klarmachen wollen, dass es unmöglich ist, was man tut, genau das ist wahre Freiheit.
Diesen Luxus habe ich mir gegönnt und meine Freiheit gefunden. Plötzlich taten sich Wege auf, die ich nie gesucht hatte, Türen öffneten sich, von denen ich nicht mal ahnte, dass sie überhaupt existieren. Plötzlich ging mit meinem persönlichen Luxus nicht nur die Freiheit einher, sondern ich fand einen tiefen Sinn und erfüllende Zufriedenheit in meinem Leben.
Zweifellos lebe ich einen harten und anstrengenden Alltag. Ich muss sehr sparsam leben, um meinem Versprechen gerecht zu werden. Ja, ich habe es versprochen, jeder einzelnen Seele, die hier ein neues Zuhause gefunden hat, dass ich für sie sorgen werde, bis zum Lebensende. Luxus ist für mich, das tun zu dürfen, was ich tief in mir fühle, spontane Entscheidungen für das Leben geschundener Kreaturen treffen zu können und jeder einzelnen Seele ihre Würde und ihren Wert zurückzugeben. Ich muss auf niemanden Rücksicht nehmen, mir ist egal, was Andere über mich denken, denn ich lebe, wie Robinson, auf einer Art Insel - wobei mein Freitag eine Frau ist und Karin heißt -. Ich kann tun und lassen was ich für richtig halte und meinen Focus auf das lenken, was mir wirklich etwas bedeutet. Dass ich deswegen gebrauchte Klamotten aus Spenden trage, ein bescheidenes Auto fahre, nie das neueste Handy habe und nie in einem Sternerestaurant essen gehe, stört mich wenig.
Die Lebensfreude meiner Schützlinge, ihre Gesundheit und innere Zufriedenheit bis ins hohe Alter, genau das ist mein ganz persönlicher und unbezahlbarer Luxus.

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