... auf die könnte man verzichten, aber sie gehören dazu und man sollte sie nehmen wie sie sind.
In den letzten Tagen kam alles zusammen und irgendwie huschen dann solche Sätze durch meinen Kopf wie:
"Warum haben es alle auf mich abgesehen?" oder "Muss das jetzt auch noch sein?"
Ihr kennt das sicherlich auch, und jeder hat seine eigene Strategie, damit umzugehen.
Was war passiert?
Es begann damit, dass mein PC gecrasht ist (zu deutsch: kaputt gegangen) oder genauer gesagt, es hat die Festplatte erwischt. Okay, ich bin ein recht ordentlicher und strukturierter Mensch und habe Backups (zu deutsch: Sicherungskopien) von all meinen Daten, allerdings kann man die Programminstallationen so ohne Weiteres nicht sichern. Das bedeutet, dass man nach einem Festplattenwechsel alles neu installieren muss. Für mich bedeutet das, dass ich all meine Programme zum Bücher schreiben und setzen neu installieren muss, also z.B. den Duden, Papyrus, Framemaker, OneNote, CardFile usw. Danach müssen dann Daten im Umfang von 1TB (=1.000GB) aus meiner Recherchedatenbank wieder aufgespielt werden ... naja ... man hat ja sonst nichts zu tun.
Aber ich habe fünf Schwager, weil meine Frau mit fünf Brüdern aufgewachsen ist. Einer dieser Brüder ist ein echter Freak, was man bei einem Beamten im Ruhestand gar nicht vermuten möchte. Er schickte mir ein tolles Programm zusammen mit einer neuen Festplatte. Damit sollte es möglich sein, die alte Platte zu clonen (zu deutsch: Programminstallationen retten und 1:1 kopieren).
Also, das Päckchen kam an, ich schnappte mir eine Schere um es aufzuschneiden. Ihr kennt das sicher auch, dass heutzutage alles so verpackt ist, als müsse es den nächsten Atomkrieg überstehen. Ergebnis: Schere rutscht ab und fährt mir in die Fingerkuppe meines rechten Daumens. Die Kuppe ist zwar nicht ab, aber fast, jedenfalls hängt sie nur noch an einem kleinen Steg. Es hat so geblutet, dass ein Vampir davon hätte satt werden können. Naja und schmerzfrei war es auch nicht. Meine Frau Karin hat alles sachgerecht verarztet, so wie sie es bei unseren Hunden auch immer macht. Allerdings bekam ich zum Trost kein Leckerchen.
Man glaubt gar nicht, wofür man seinen rechten Daumen im Alltag immer wieder benötigt. Hat schon mal jemand versucht ohne Daumen eine Zahnbürste zu halten und die Beißer zu schrubben? Naja und das Duschen an diesem Abend war auch kein Vergnügen, denn das Duschgel brannte wie Feuer in der Wunde. Jetzt weiß ich endlich, warum es Deodorants gibt, die angeblich 48 Stunden halten ... Dennoch, ich dusche lieber täglich ...
Trotz besagtem, lädierten Daumen baute ich die neue Festplatte in den PC ein. So ein Einbau schreit an sich schon nach den Fähigkeiten eines Feinmechanikers, aber mit Verband und berührungsempfindlicher Fingerkuppe war es eine echte Herausforderung. Danach warf ich das tolle Programm an und sechs Stunden später war der Kuchen gegessen, alles funktionierte so wie es sollte. Ich dachte: nun geht es wieder aufwärts.
Da ich immer der Ansicht war, Wunden würden am besten an der Luft heilen, beschloss ich, zumindest im Haus, ohne Verband herumzulaufen. Draußen bei unseren Tieren geht das eh nicht. Gestern dann war es soweit ... ich rückte meinen Stuhl näher an den Schreibtisch und schlug genau mit besagter Daumenkuppe gegen eine Kante des Möbels. Ergebnis: ein Schmerz wie ein Messerstich und ein Blutstrom ergoss sich auf den Boden. Die bereits leicht geheilte Wunde sah schlimmer aus, als je zuvor. Karin kam, versorgte mich und ich schwor mir, nie mehr ohne Verband herumzurennen.
Nun sind meine Fertigkeiten an der Tastatur zwar etwas eingeschränkt, aber der Daumen ist gesichert und wird erst wieder entlassen, wenn er gänzlich verheilt ist. Ich verschweige an dieser Stelle, dass ich mir Tags zuvor beim reinigen der Trinkgefäße unserer Hunde die Wunde schon einmal aufgerissen hatte, als ein dünner Faden des Stahlschwammes sich in der halb abgerissenen Fingerkuppe verfangen hatte. Blöd dabei war, dass ich hinten im Tal war und jede Menge Dreck in die Wunde geriet. Dennoch bleibe ich tapfer und nehme keine Antibiotika, denn: wer in der Natur lebt, hat ein stärkeres Immunsystem, als der normale Stadtmensch. Ich komme hier mit so vielen Keimen in Berührung und werde dennoch nie krank, geschweige denn bekomme ich Schnupfen oder Grippe. Natur und einfaches Leben haben echt praktische Nebenwirkungen.
All die anderen kleinen Katastrophen der letzten Tage erwähne ich nur am Rande:
- Auto kaputt, muss in die Werkstatt
- meine Frau hat eine schlimme Ohrenentzündung und echte krasse Schmerzen
- die Hitze setzt vor allem unseren Senioren zu und wir kämpfen darum, dass es alle gut überstehen
- Unser Schützling Rucco macht uns Sorgen, weil es ihm nicht gutgeht
- BabyBub wollte einen Einbrecher stellen und hat dabei das obere Außentor aus den Angeln gebrochen. Dazu muss man wissen, dass BabyBub gute 56kg wiegt und zu einer Kampfhundrasse gehört. Naja und wie repariere ich nun dieses Tor angesichts meines kaputten Daumens??? So lassen kann man es aber auch nicht, denn die beiden großen Tore sind unser wichtigster Schutz ...
Mit einem Wort: Auch in meinem Alltag jenseits des Schreibens wird es nie langweilig.
Und so wünsche ich mir, auch mal wieder ein Glückspilz zu sein.

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