Letztens hörte ich im Radio, dass einem Halter mal wieder einige Giftschlangen abhanden gekommen sind. Kindergärten und Spielplätze wurden geschlossen, den Halter selbst fand man tot in seiner Wohnung.
Bisweilen nötigt es einem Kopfschütteln ab, wenn man so liest, sieht oder hört, welch exotische Tierarten Menschen in ihrer Wohnung halten, teilweise mit und teilweise ohne Genehmigung. Es ist einerseits schön, dass es überhaupt noch Menschen gibt, die der Faszination der Natur erliegen und vor allem exotische Tiere gerne beobachten. Andererseits ist es für mich ein wenig verstörend, wenn man Tiere zuhause hält, die weder für ein Terrarium noch eine Wohnung geschaffen worden sind. Tiere der Wildnis gehören auch dorthin, denn dort können sie ihre Instinkte leben und sich frei entfalten. Freiheit ist ein sehr hohes Gut und, neben dem Leben selbst, wohl das höchste Gut, das uns die Schöpfung geschenkt hat.
Gerade in der aktuellen gesellschaftspolitischen Lage ist der Begriff der Freiheit ja in aller Munde. Wir "verteidigen" ja seit Jahren unsere Freiheit in Afghanistan und jetzt auch in Syrien und dem Irak. Wir haben unsere "freie" Art zu leben und sind "freie" Bürger.
Okay, ich gebe zu, dass ich das völlig anders sehe. Ich kann nicht erkennen, wo wir in Europa wirklich Freiheit erleben. Stattdessen sehen wir tagtäglich immer mehr Einschränkungen unserer Freiheit und unseres Lebensstils. Jüngstes Beispiel: die Idee einer verpflichtenden Ernährungsberatung für Schwangere (weil Schwangere offenbar automatisch ihre Intelligenz verlieren und die Fähigkeit Ratgeber zu lesen) .... oder die Zuckersteuer, damit der Bürger weniger Zucker zu sich nimmt, ganz zu schweigen vom Rauchverbot (wobei ich betone, dass ich seit 40 Jahren Nichtraucher bin, Raucher aber respektiere!!!). Der Bürger wird entmündigt und mit Gesetzen immer mehr eingeschränkt, weil man ihm - also uns allen - unterstellt, dass wir zu blöd seien, z.B. Nährwert- und Inhaltsstofftabellen zu lesen und dass Rauchen Krebs erzeugen kann, wissen wir ja auch alle nicht, weswegen es staatliche Verbote braucht. Der Staat weiß alleine, was gut ist für uns und die Regierung wundert sich dann, dass der Bürger das anders sieht und bei Wahlen entsprechend abstimmt. Was bleibt da noch? Der Ruf nach dem Verfassungsschutz ... na klar, denn wer nicht denkt wie die etablierten Pateien es vorgeben und es als politisch korrekt definieren, ist ein Feind der Verfassung. Das nennt sich dann demokratisches Grundverständnis und repräsentiert die Wertegemeinschaft Europa ... oh je ...
Was unsere Meinungsfreiheit angeht ... darüber schweige ich am besten, denn was wir zu denken und zu meinen haben, das schreiben uns Minderheiten vor, deren Verdienst es allerdings ist, besonders laut schreien zu können. Selbst bei Facebook & Co. werden ja jetzt Leute angestellt, die unsere Postings bewerten und dann entscheiden, was gelöscht wird und was stehen bleiben darf - auf Geheiß des Justizministers. Über Letzteren würde sich ein eigener Blogbeitrag lohnen, denn ich habe selten erlebt, dass ein Minister (und dann noch von der SPD) sein Amt so missbraucht wie er, ohne dass es groß auffällt und ohne, dass sich jemand dagegen wehrt. Selbst das öffentlich rechtliche Fernsehen, das der Bürger ja finanziert, gibt Meinungen vor und wenn sich dann mal jemand wirklich kritisch äußert, hat er ein Problem - siehe Böhmermann - und der steht selbst vor deutschen Gerichten im Regen. Aber unsere Kanzlerin bückt sich ja bereits wieder und alles ist gut. Dass sich in der Türkei gerade die Weltgeschichte wiederholt, ist noch keinem wirklich aufgefallen. Es gab schon mal jemanden, der die Weltgemeinschaft an der Nase herumgeführt hat und zuerst von allen hofiert wurde, incl. Olympiade 1936. Als man dann bemerkte, was abging, war es zu spät ... aus der Geschichte lernen, ja das wir zwar propagiert, aber leider nicht gemacht.
Ja, ja, die Freiheit ... ich will´s jetzt nicht weiter vertiefen, lebe ich doch in einer relativ freien Umgebung. Mein Ziel war es immer, zumindest all unseren Tieren, die ihrerseits ja bereits als geschundene, unfreie Kreaturen zu uns kamen, ein möglichst freies Leben zu schenken. Ich denke, es ist gelungen. Was die wilden Tiere angeht, also Schlangen, Feuersalamander, Skorpione, Smaragseidechsen, Lurche, Geckos, Kröten und so viele andere wunderbare Geschöpfe ... wir lassen sie leben, wie sie es möchten, frei und ohne Bedrohung. Erstaunlicherweise zieht es diese wilden Wesen in unsere Nähe. Sie zeigen keine Angst vor uns, leben teilweise nahe am Haus und werden von uns mit Wasser versorgt, was bei der Hitze besonders wichtig ist. Letztens saß ich nachts um 02:00H bei Vollmond draußen und besah mir den Sternenhimmel. Eine Schlange kam angekrochen. Der Schein meiner Taschenlampe störte sie nicht. Sie sah mich neugierig an, züngelte und verschwand dann wieder ohne jede Hektik. Alles in einem Abstand von weniger als einem halben Meter. Klar, habe ich mich ruhig verhalten. Es war wirklich eines dieser vielen schönen Erlebnisse, die einem die Natur schenkt, wenn man ihr die Freiheit der Entfaltung lässt.
Auf dem Foto seht Ihr Fridolin, ein Gecko. Er wohnt bei uns im Haus, frei und ohne Terrarium. Wir haben ihn auch nicht geholt oder gefangen. Als winziges Baby tauchte er erstmals auf. Er fängt Mücken und Fliegen, nutzt Bonny´s Wassernapf und lebt mit uns. Er könnte auch gehen, denn unser Haus ist so offen, sodass jeder kommen und gehen kann, wie er möchte. Wie man sehen kann, ist Fridolin gut gediehen und kugelrund geworden. Er ist auch nicht scheu, sucht eher die Nähe und schmeist auch schon mal ein Glas um.
Das ist nur ein kleines Beispiel dafür, wie ich ein Leben in und mit der Natur definiere, selbst wenn man im Haus wohnt und sogar einen Fernseher besitzt. Das Eine schließt das Andere ja nicht aus. Gewisse zivilisatorische Vorteile bedingen ja nicht, dass man die Freiheit der Natur missachtet und rücksichtslos wird. Natur und ein zivilisiertes Leben gehen durchaus zusammen, wenn der Mensch lernt, die Natur zu respektieren und ihr die Würde zu belassen.

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