Dienstag, 3. Mai 2016

Über Enttäuschungen

Jeder von uns kennt das Gefühl, enttäuscht worden zu sein. Meist trifft es uns unerwartet und oft genug aus einer Ecke, aus der wir es nicht erwartet hätten. Aber warum haben wir es nicht erwartet???

Ich habe mir mal einige meiner sog. Enttäuschungen genauer angesehen und mich gefragt, wie es dazu kommen konnte. Die Antwort habe ich dann doch recht schnell gefunden. Es war meistens ein Problem meiner Wahrnehmung, die dadurch getrübt war, dass ich der Wahrheit nicht ins Gesicht blicken wollte. Oft wollen wir die Wahrheit nicht wirklich sehen, sie nicht WAHRhaben, weil sie uns unangenehm ist und uns aus unserer subjektiven WAHRnehmung der Welt reißt.

Wir wollen unsere Umgebung so sehen, dass wir uns damit wohlfühlen und nicht so, wie sie wirklich ist. Das gilt auch und vor allem dann, wenn wir glauben, kritische Menschen zu sein, die alles kritisch hinterfragen und sich eben keine eigene Welt basteln, aber wir basteln sie uns sehr wohl!!! Das sog. „kritische Denken“ ist leider auch oft genug von einer Dominanz des Wohlfühlenwollens geprägt. Man fühlt sich wohl, wenn man sich mit einer bestimmten Weltanschauung identifizieren kann, die sich „kritisch“ gibt. Doch sind die Dogmen, die man für sich adaptiert hat, dann auch wirklich „kritisch“ oder sind sie eher Dogmen, die beim Einzelnen Stimmungen erzeugen, mit denen er sich wohlfühlt bzw. wohlfühlen möchte???

Sogenanntes „kritisches Denken“, gemäß der einen oder anderen politischen, religiösen oder ethisch-moralischen Richtung bedeutet noch lange nicht, dass man wirklich bereit ist, der Wahrheit ins Auge zu sehen, eher im Gegenteil. In unserer hoch aufgeladenen Mediengesellschaft ist es sehr schwer, der Wahrheit ins Auge zu sehen und sich in seinem sozialen Umfeld sicher zu bewegen. Schnell ist man abgestempelt und ausgegrenzt, wenn man „falsch“ denkt. Was „falsch“ ist, geben uns die Medien tagtäglich vor, bis hin zu tiefgehenden Eingriffen in unsere Umgangssprache. Also versuchen wir, uns anzupassen, das Umfeld so zu sehen, dass man uns nicht über die Klinge springen lässt und wir plötzlich isoliert dastehen. Oft aber gelingt das nur bis zu einem gewissen Grad und dann passiert es, wir werden von Mitmenschen enttäuscht. Unsere Wahrnehmung hatten wir nur gefiltert, also eingeschränkt. Am Ende konnten wir vor der Wahrheit doch nicht davonlaufen, denn sie holt uns eh immer wieder ein.

Nicht der, der uns enttäuscht trägt die Schuld, sondern wir selbst, die wir nicht wahrhaben wollten, dass bestimmte Parameter einfach nicht gepasst haben. 
 
 

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