Mittwoch, 11. Mai 2016

Käthe und Rex

„Hey Mann, ist das … nicht verboten?“, fragte die kleine Käthe und sah Peter mit listigen Augen an. Während sie auf seinem Schoß, zwischen Lenkrad und Männerbrust, platznahm.
„Hab ich eine Wahl?“, fragte dieser und verzog das Gesicht zu einer genervten Grimasse.
„Nö, natürlich nicht“, gab sie frech zurück.
„Aber dann bezahlst du auch das Knöllchen“, meinte Peter, setzte den Blinker und beschleunigte auf der Einfädelspur der A22 nach Faro.
„Nö, mach ich nicht“, schaute Käthe trotzig, „ich brauch mein Geld für andere Sachen.“
„Und was wären das für Sachen?“
„Na vor allem für schicke Brustgeschirre mit Glitzersteinchen, für jeden Tag ein anderes, wenn wir ausgehen, uuuund … dann noch …. ähm“, sie schickte einen nachdenklichen Blick nach oben, „dann noch für den Frisör, denn ich brauch eine neue, schicke Frisur.“
„Klar, bist ja ein Pudel“, zog Peter die linke Augenbraue nach oben, „Pudel fand ich schon immer toll, sind so richtige Männerhunde“.
Sie hatte den sarkastischen Unterton aus Peters Worten herausgehört und begann leise zu knurren. „Blödmann, aber ich bin ja auch nicht dein Hund, sondern Omi´s Hund, ätsch.“
„Ah ja, aber ich darf dich zum Tierarzt fahren und dir beim Blutabnehmen die Pfote halten und dich trösten.“
„Pah, als ob ich dich dazu bräuchte“, knurrte sie abfällig. „Frauen sind das starke Geschlecht. Ich kann auch alleine zur Doctora gehen, brauchst mich nur vor der Klinik absetzen. Kannst ja solange in die Kneipe gehen und einen trinken.“
„Und die Rechnung bei der Doctora bezahlst du dann selbst?“
„Nö, natürlich nicht, dafür hol ich dich schon rein.“
„Super, das hab ich mir so gedacht“, meinte Peter frustriert. „Und jetzt setz dich auf den Beifahrersitz und schnall dich an, so wie es sich für einen Hund gehört. Dafür hast du ja das spezielle Brustgeschirr bekommen.“ Peter seufzte. „Pink mit Glitzer, oh Mann.“ Es passte so gar nicht zu den blaugrauen Sitzen.
„Nö, mach ich nicht, und außerdem hast du das ja nicht gekauft, sondern meine Patentante und DIE hat´s mir geschickt, damit ich immer gut gekleidet bin.“
„Freches Biest“, murmelte Peter in seinen ergrauten Bart, doch leider zu laut.
„Das hab ich gehört!“
„Auch egal! Und jetzt geh von meinem Schoß, es ist verboten und wir sind auf der Autobahn!“, forderte Peter.
„Nö, mach ich nicht. Kannst ja langsamer fahren, du Raser“, knurrte sie nun laut vernehmbar, „und weißt du was?“
„Neee, ich will´s auch gar nicht wissen.“
„Ich sag´s aber trotzdem“, zeigte sie ihre Zähne, „Beim nächsten Mal fahr ich mit Omi in ihrem schicken Jeep, der ist eh schöner, als dein blöder, blauer Minivan oder was das sein soll.“
„Na hoffentlich, dann kann ich wenigstens bei meinem Rex bleiben“, zickte Peter zurück.
„Wenn du dich da mal nicht wundern wirst.“
„Wieso?“
„Ich geh nämlich mit Rex, ätsch … wir sind ein Paar!!!“
Peter schüttelte nur noch ungläubig den Kopf und bog in die Autobahnausfahrt Faro. Tristan-Rex, ein echter Männerhund, 40kg, Schäferhund, Chef des Quintaclans und Herrscher über gut 80 Hunde in 4 Rudeln, war mit einer schwarzen, frechen Pudeldame liiert? Wo war er nur hingeraten? Galt Männlichkeit denn gar nichts mehr, waren jetzt alle plötzlich Warmduscher und Frauenversteher?
Im Vorbeifahren sah er das Schild „Pasteleria António“, eine Kneipe. War vielleicht gar keine schlechte Idee, seinen Kummer im Kreise echter Männer mit ein paar Grappas hinunter zu spülen, dachte er.
Das alles liegt nun gute 4 Jahre zurück. Käthe war wirklich die frechste Pudeldame aller Zeiten und sie war tatsächlich die beste Freundin von Tristan-Rex, dem Clanchef. Die Beiden waren unzertrennlich und manchmal wusste man nicht, ob Rex nun der Chef war, oder Käthe. Ich vermisse die Beiden wirklich sehr.

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