Samstag, 19. März 2016

Alltag in unseren Köpfen

Ich spüre sehr oft, welche Unordnung in unseren Köpfen herrscht. Bisweilen ist es ein regelrechtes Chaos. Man denkt und denkt und denkt und dann denkt man, dass man das Denken endlich mal sein lassen sollte, aber es klappt nicht.

Denken ist zwar wichtig, aber es besteht auch die Gefahr, dass man sich die wahren magischen Momente des Lebens zerdenkt. Das ist wirklich schade. Oft genug werden unsere vermeintlichen inneren Widersprüche zum Objekt der Gedanken. Plötzlich ist man hin- und hergerissen, sucht seinen Standpunkt, seine innere Mitte. Doch man verstrickt sich in Gedanken, die letztlich alles nur noch schlimmer machen.

Den eigenen Punkt der inneren Mitte kann man, meiner Meinung nach, nicht mit dem Kopf finden. Zu sehr ist unser aller Denken von Erziehung, Normen und Vorgaben der Gesellschaft geprägt. Ich habe sogar das Gefühl, dass diese Konditionierungen eher noch massiver werden. Sie hören niemals auf. Wie also können wir unsere Individualität bewahren und eine Antwort auf die Frage finden: "Wer bin ich wirklich? Was macht mich aus?"

Nach meiner Erfahrung findet man in seinen Gedanken keine Antworten. Unser sog. rationaler Verstand kann uns zwar logisch schlüssige Resultate liefern, das bedeutet aber noch lange nicht, dass wir diese wirklich verinnerlichen können, um am Ende eine Antwort auf die Frage nach unserem wahren Selbst zu finden. Diese Antwort halte ich aber für eine der Wichtigsten in unserem Leben. Nur wenn wir uns selbst spüren, wissen wir, wer wir sind. Wenn wir nicht darüber nachdenken müssen oder gar "Positionspapiere" erstellen, in denen wir uns selbst definieren, dann bekommt unser Leben einen wirklichen Sinn.

Jeder Einzelne wurde an einen bestimmten Platz auf dieser Welt geboren, hat dort seine ganz persönliche Aufgabe und ist zweifellos bedeutend und unersetzlich in der Symbiose aus Planet, Natur und Mensch. Genau das und nichts anderes definiert den Wert und die Würde des Menschen. Jeder Mensch ist einmalig und kein Leben ist wertvoller als ein Anderes. Somit ist es, in meinen Augen, die wahre Herausforderung für das Individuum, seinen Platz und seine Aufgabe in dieser Welt zu finden und zu leben. Allerdings sollte auch jeder die Toleranz besitzen, dem Anderen genau diesen Freiraum zu geben.

Das Finden setzt, meiner Meinung nach, voraus, dass man das Denken, in den entscheidenden Situationen, soweit wie möglich ausschaltet. Dann gelingt es auch, zum wahren Kern seines Wesens vorzudringen und der zu sein, der man wirklich ist. Niemand hat das Recht, uns zu sagen, wer wir sind. Nur wir selbst können das ergründen. Dogmen, Parolen und vorgefertigte Meinungen/Urteile, die man uns überstülpen will, versklaven uns nur zu "funktionierenden" Bürgern. Das aber hilft dem Individuum nicht und dem sozialen Miteinander erst recht nicht. Es reduziert die soziale Kompetenz massiv.

Ich bin froh und glücklich, meinen Weg gefunden zu haben, muss aber gestehen, dass ich gar nicht so recht weiß, wie mir das gelungen ist. Ich muss es auch nicht wissen, denn damit würde ich es mir wieder zerdenken. Er jedenfalls, Tristan-Rex, hat einen großen Anteil daran, bis heute, denn er lebt in meinem Herzen weiter. Seine innere Ruhe strahlte auch auf mich aus, erreichte mein Herz, sein Wesen beeindruckte mich und irgendwie wurde er sowas wie mein "Geistvater". Das alles ohne Worte und ohne Gedanken, einfach so ....


1 Kommentar:

  1. Wunderbar geschrieben. Dieses alles Zerdenken-Müssen macht mürbe, lähmt und macht einen unfrei. Man hängt im wahrsten Sinn des Wortes fest. Nach dem Tod meines Mannes habe ich das extrem wahrgenommen. Im ersten Jahr habe ich, weil sonst Überleben für mich nicht möglich gewesen wäre, intuitiv irgendwie gelebt, ihn einfach aus tiefstem Herzen weitergehalten und -geliebt. Jetzt im zweiten Jahr fängt das Denken an und endet an manchen Tagen in so abstrusen Gedankengängen wie "nehme ich ihm nicht die gewonnene Freiheit des Todes durch mein an ihm festhalten und ihn lieben?" Die Spaziergänge mit meinen Hunden erden mich dann wieder, weil sie mir zeigen, dass es nicht darauf ankommt alles zu zerdenken, sondern darauf zu fühlen, zu sehen, zu spüren und die vielen Dinge um einen herum wahrzunehmen und vor allem das Staunen nicht zu verlernen. Und genau dann kann einem ein einfacher Sonnentrahl im Gesicht oder eine Hummel, die gerade aus dem Erdloch kriecht, diese Fragen, Ängst und Gedanken nehmen. Weil man in diesem kurzen Moment nicht(s) (zer)denkt.

    Und die eigene Aufgabe und der Platz im Leben? Einfach annehmen und nicht darüber nachdenken und wenn es die Herausforderung ist, einen geliebten Menschen zu halten, zur rechten Zeit loszulassen und dennoch weiterzulieben.

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