Nun ist es eingetrudelt ... das lang ersehnte und fertig lektorierte Manuskript. Meine Befürchtungen haben sich nicht bestätigt, es gab viele schwarze Bereiche, die nicht von tief dunklem Rot durchzogen waren, eher im Gegenteil. Alles lief offenbar gut durch, ein paar Umbauten in den Sätzen, ein paar übersehene Rechtschreibfehler, ein paar Hinweise auf logische Feinheiten, das war´s. So ist man als Autor glücklich, wenn ... ja wenn da nicht eine komplette Streichung von 2 Szenen gewesen wäre, die ich für elementar wichtig halte, die Lektorin aber der Meinung ist, dass sie zu brisant sind und die Handlung nicht weiterbringen. Sie meint, es würde nichts zur Klärung beitragen, könnte die Leser aber verwirren, schockieren, ihm schlaflose Nächte bereiten und ihn in ein inneres, psychisches Chaos, mit anschließendem Besuch beim Therapeuten, stürzen.
Nein, sowas will ich nicht verantworten müssen und ... schweren Herzens ... sind die beiden Szenen in der Endlosigkeit der Bits und Bytes entschwunden und waren nicht mehr wiedergesehen ... es sei denn ... der Autor, also ich, hat ein Backup. Da ich ein gewissenhafter Autor bin, habe ich eines, aber dennoch beuge ich mich des Weisheit meiner Lektorin in tiefer Demut und lasse das Backup da wo es ist.
Es kann ja irgendwann mal sein, dass ich, ähnlich einem Regisseur, einen sogenannten "Directors Cut" für besonders treue Leser herausgebe, aber frühestens wenn alle 3 Bände der Trilogie erschienen sind. Das ist ja nicht unüblich, denn Filmemachern ergeht es ja oft genug wie Autoren: die Szenen, die sie am meisten lieben und am wichtigsten finden, werden vom Produzenten gestrichen, mit dem Argument: "Der Markt verlangt das". Also wenn man den Directors Cut von "Das Boot" gesehen hat, ist man anderer Meinung, aber ok ...
Ich akzeptiere natürlich das Urteil der Lektorin, denn sie findet mein Buch extrem spannend, fesselnd und interessant. Daher sollte ich sie nicht verärgern und ihre hohe Meinung von meinen schriftstellerischen Fähigkeiten nicht durch Widerreden dämpfen. Ich hatte ja schon einmal eine Lektorin, die damals mein Buch "Eugenica" lektoriert hat und das alles nur überstand, weil sie jede Menge Baldrian im Haus hatte. Ich hab zu der Zeit noch echt viel diskutiert, widersprochen, es anders gewollt usw. Sie tat mir echt leid, war aber wirklich tapfer und wir haben ein super Buch hinbekommen.
Es ist die alte Spannung zwischen Autor und Lektior(in), aber Lektoren sind ja auch keine Dummies und wissen sehr genau, was passt und was nicht, denn sie schauen mit einer anderen Brille auf den Text, als der Autor, der in seinem eigenen Universum lebt. Also kann Lektorat einem Buch nur guttun. Büchern, die ohne Lektor veröffentlicht werden, merkt man es an und das sollte meinen Büchern nicht widerfahren.
In diesem Sinne, Ihr könnt gepannt sein ... im nächsten Post berichte ich über das Ende des ersten Bandes, ohne was zu verraten ... auch ein Kunststück oder???
Euer Peter-Johannes


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen