6 Fragen an ….. Peter J. Lang, Schriftsteller und Betreiber des Projekts „Naturschutzprojekt Leben“ (Spikinet)
In Deinem Leben dreht sich fast alles um Tiere. Bleibt da überhaupt noch Platz für andere Dinge?
„Es gab viele Jahre in denen ich keinen Platz für andere Dinge hatte.
Ich musste erst lernen mich komplett neu zu organisieren. Meine eigenen
Kräfte klug einzuteilen, war eine der größten Herausforderungen.
Mittlerweile habe ich meinen Tagesablauf optimiert. Ich nutze wirklich
jede Minute aus und habe einen straffen Wochenplan. Schreiben kann ich
allerdings nur in den Abend- und Nachtstunden, was aber kein Problem
ist, denn ich brauche nicht viel Schlaf. Nachts bin ich ohnehin am
kreativsten. Meine anderen Hobbys habe ich aufgegeben.“
Angenommen Du könntest in die Vergangenheit reisen, was würdest du anders machen?
„Ehrlich gesagt nicht viel. Wenn ich allerdings geahnt hätte, dass mich
der Natur- und Tierschutz einmal so beschäftigen würde, hätte ich es
von Anfang an geplant und auch meinen Bauernhof anders strukturiert. Die
grausamen Ereignisse um mich herum haben über die Jahre ein
umfangreiches Projekt entstehen lassen. Hätte ich es vorher gewusst,
hätte ich, insbesondere in den ersten 10 Jahren, viele strukturelle
Herausforderungen anders gelöst.“
Was ist das nervigste Klischee, mit dem du aufgrund deiner Tätigkeit konfrontiert wirst?
„Es ist das pseudo-romantische Klischee von „Tierschützer“, der den
ganzen Tag damit zubringt, Straßenhunde zu „retten“ und nach Deutschland
zu karren. Damit habe ich nichts zu tun. Ich habe mit dem, was im
Tierschutz so läuft, wenig am Hut. Mein Augenmerk liegt auch nicht
ausschließlich auf Hunden und Katzen. Ich sehe sie als Teil einer
geschundenen und vergifteten Natur, um die ich mich in ihrer Ganzheit
kümmere. Ok, auf 10Ha kann man nur ein relativ kleines Biotop schaffen,
aber es ist zumindest mal ein Anfang. Ich helfe seit nun fast 20 Jahren
allen Tieren, die in Not sind und das gilt für Hunde ebenso, wie für
wilde Kaninchen, Vögel, verletzte Wildschweine, Schlangen, Eidechsen,
Bienen und was sich in diesem wunderschönen Tal meiner Quinta noch so
alles einfindet. Ich habe hier eine geschützte und vor allem wilde
Landschaft entstehen lassen. Pflanzen besitzen bei mir einen ebenso
hohen Stellenwert wie Tiere, denn die eine Spezies kann nun mal nicht
ohne die andere leben.“
Spaß muss sein. Was machst du an einem freien Tag, wenn es mal regnet?
„Freie Tage kenne ich nicht. Wenn es regnet, was nur im Winter
vorkommt, gibt es reichlich Verwaltungskram zu erledigen. Außerdem
müssen die Tiere täglich das volle Programm bekommen. Medikamentengabe,
Verbandswechsel, Pflege, der ausführliche, tägliche Spaziergang, die
Fütterung, das alles findet gleichermaßen an 7 Tagen pro Woche statt,
egal ob er regnet oder die Sonne das Land in einen Glutofen mit 40 Grad
verwandelt. Den Hunden ist das Wetter ziemlich egal. Sie lieben den
Regen und, obwohl sie ja frei leben, wollen sie wirklich jeden Tag etwas
mit mir unternehmen, da gibt es keine Ausnahmen und auch keine
Feiertage.“
Du bist nach Portugal ausgewandert und lebst jetzt
dort mit durchschnittlich 60 Hunden und anderen Tieren. Bist du ein
wenig verrückt?
„Nein, ich denke eher, dass ich recht normal
bin. Mir fällt es schwer, die Anderen zu verstehen, die ihre Augen vor
dem allgegenwärtigen Elend verschließen, die ignorieren, was mit der
Welt um sie herum passiert und lediglich von der Angst getrieben werden,
ein klein wenig von ihrer Bequemlichkeit zu verlieren. Wenn man
dauerhaft ein gutes und sicheres Leben führen will, geht das nur, wenn
man bereit ist, etwas dafür zu tun. Sich ins Schneckenhaus
zurückzuziehen, kann nur zum Desaster führen und genau in dieses
Desaster steuert unsere Welt ja aktuell. Jeder hat die Möglichkeit,
irgendwo in seinem Umfeld etwas zu tun, etwas zu bewirken, allerdings
reicht es dann auch nicht, wortgewaltige Sprüche in den sozialen
Netzwerken zu posten. Man sollte schon auch anpacken und zeigen, was die
Spezies Mensch ausmacht. Vor allem wurde uns allen soziale Kompetenz
und Mitgefühl in die Wiege gelegt. Die Hunde leben es mir in ihrem
Sozialverband tagtäglich vor, während ich sehe, wie die Menschen in
genau diesen Punkten versagen.“
Und jetzt die letzte Frage, woher holst du deine Inspirationen für deine Bücher?
„Es ist schlicht der Alltag, der mich inspiriert. Damit meine ich nicht
nur den Alltag hier auf meinem Bauernhof, sondern den Alltag in dem
unsere Welt vor sich hin brodelt. Ich hinterfrage alles was passiert,
suche nach Ursachen und Antworten. Ich beobachte und analysiere, ganz
egal ob es um Politik, Wirtschaft, Zwischenmenschliches oder auch das
kam Greifbare geht. Selbständiges Denken ist gefragt und genau das wird
den Menschen gerade abgewöhnt, indem man ihnen vorgibt, was „korrektes“
Denken ist und was nicht. Bewahrt man sich seinen freien Geist und geht
den Dingen auf den Grund, bekommt man sehr schnell mehr Inspirationen,
als man in 1000 Büchern verarbeiten kann.“

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