Montag, 6. Juni 2016

Das Interview

6 Fragen an ….. Peter J. Lang, Schriftsteller und Betreiber des Projekts „Naturschutzprojekt Leben“ (Spikinet)

In Deinem Leben dreht sich fast alles um Tiere. Bleibt da überhaupt noch Platz für andere Dinge?

„Es gab viele Jahre in denen ich keinen Platz für andere Dinge hatte. Ich musste erst lernen mich komplett neu zu organisieren. Meine eigenen Kräfte klug einzuteilen, war eine der größten Herausforderungen. Mittlerweile habe ich meinen Tagesablauf optimiert. Ich nutze wirklich jede Minute aus und habe einen straffen Wochenplan. Schreiben kann ich allerdings nur in den Abend- und Nachtstunden, was aber kein Problem ist, denn ich brauche nicht viel Schlaf. Nachts bin ich ohnehin am kreativsten. Meine anderen Hobbys habe ich aufgegeben.“

Angenommen Du könntest in die Vergangenheit reisen, was würdest du anders machen?

„Ehrlich gesagt nicht viel. Wenn ich allerdings geahnt hätte, dass mich der Natur- und Tierschutz einmal so beschäftigen würde, hätte ich es von Anfang an geplant und auch meinen Bauernhof anders strukturiert. Die grausamen Ereignisse um mich herum haben über die Jahre ein umfangreiches Projekt entstehen lassen. Hätte ich es vorher gewusst, hätte ich, insbesondere in den ersten 10 Jahren, viele strukturelle Herausforderungen anders gelöst.“

Was ist das nervigste Klischee, mit dem du aufgrund deiner Tätigkeit konfrontiert wirst?

„Es ist das pseudo-romantische Klischee von „Tierschützer“, der den ganzen Tag damit zubringt, Straßenhunde zu „retten“ und nach Deutschland zu karren. Damit habe ich nichts zu tun. Ich habe mit dem, was im Tierschutz so läuft, wenig am Hut. Mein Augenmerk liegt auch nicht ausschließlich auf Hunden und Katzen. Ich sehe sie als Teil einer geschundenen und vergifteten Natur, um die ich mich in ihrer Ganzheit kümmere. Ok, auf 10Ha kann man nur ein relativ kleines Biotop schaffen, aber es ist zumindest mal ein Anfang. Ich helfe seit nun fast 20 Jahren allen Tieren, die in Not sind und das gilt für Hunde ebenso, wie für wilde Kaninchen, Vögel, verletzte Wildschweine, Schlangen, Eidechsen, Bienen und was sich in diesem wunderschönen Tal meiner Quinta noch so alles einfindet. Ich habe hier eine geschützte und vor allem wilde Landschaft entstehen lassen. Pflanzen besitzen bei mir einen ebenso hohen Stellenwert wie Tiere, denn die eine Spezies kann nun mal nicht ohne die andere leben.“

Spaß muss sein. Was machst du an einem freien Tag, wenn es mal regnet?

„Freie Tage kenne ich nicht. Wenn es regnet, was nur im Winter vorkommt, gibt es reichlich Verwaltungskram zu erledigen. Außerdem müssen die Tiere täglich das volle Programm bekommen. Medikamentengabe, Verbandswechsel, Pflege, der ausführliche, tägliche Spaziergang, die Fütterung, das alles findet gleichermaßen an 7 Tagen pro Woche statt, egal ob er regnet oder die Sonne das Land in einen Glutofen mit 40 Grad verwandelt. Den Hunden ist das Wetter ziemlich egal. Sie lieben den Regen und, obwohl sie ja frei leben, wollen sie wirklich jeden Tag etwas mit mir unternehmen, da gibt es keine Ausnahmen und auch keine Feiertage.“

Du bist nach Portugal ausgewandert und lebst jetzt dort mit durchschnittlich 60 Hunden und anderen Tieren. Bist du ein wenig verrückt?

„Nein, ich denke eher, dass ich recht normal bin. Mir fällt es schwer, die Anderen zu verstehen, die ihre Augen vor dem allgegenwärtigen Elend verschließen, die ignorieren, was mit der Welt um sie herum passiert und lediglich von der Angst getrieben werden, ein klein wenig von ihrer Bequemlichkeit zu verlieren. Wenn man dauerhaft ein gutes und sicheres Leben führen will, geht das nur, wenn man bereit ist, etwas dafür zu tun. Sich ins Schneckenhaus zurückzuziehen, kann nur zum Desaster führen und genau in dieses Desaster steuert unsere Welt ja aktuell. Jeder hat die Möglichkeit, irgendwo in seinem Umfeld etwas zu tun, etwas zu bewirken, allerdings reicht es dann auch nicht, wortgewaltige Sprüche in den sozialen Netzwerken zu posten. Man sollte schon auch anpacken und zeigen, was die Spezies Mensch ausmacht. Vor allem wurde uns allen soziale Kompetenz und Mitgefühl in die Wiege gelegt. Die Hunde leben es mir in ihrem Sozialverband tagtäglich vor, während ich sehe, wie die Menschen in genau diesen Punkten versagen.“

Und jetzt die letzte Frage, woher holst du deine Inspirationen für deine Bücher?

„Es ist schlicht der Alltag, der mich inspiriert. Damit meine ich nicht nur den Alltag hier auf meinem Bauernhof, sondern den Alltag in dem unsere Welt vor sich hin brodelt. Ich hinterfrage alles was passiert, suche nach Ursachen und Antworten. Ich beobachte und analysiere, ganz egal ob es um Politik, Wirtschaft, Zwischenmenschliches oder auch das kam Greifbare geht. Selbständiges Denken ist gefragt und genau das wird den Menschen gerade abgewöhnt, indem man ihnen vorgibt, was „korrektes“ Denken ist und was nicht. Bewahrt man sich seinen freien Geist und geht den Dingen auf den Grund, bekommt man sehr schnell mehr Inspirationen, als man in 1000 Büchern verarbeiten kann.“


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